Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur eine unterschiedliche finanzielle Belastung, sondern auch, dass die Haltung von sogenannten Listenhunden in manchen Gemeinden im Kreis Böblingen durch die Steuer deutlich stärker reguliert wird. Der Vergleich zwischen Böblingen und Schönaich zeigt, wie unterschiedlich die Kommunen im Kreis Böblingen mit dem Thema umgehen.
Bis zu 1000 Euro zahlen Hundebesitzer eines Kampfhundes
Doch nicht nur zwischen diesen beiden Orten klaffen große Unterschiede. Auch in anderen Städten und Gemeinden im Kreis Böblingen variieren die Steuersätze für sogenannte Listenhunde, zu denen Bullterrier und Pitbull Terrier gehören, teils erheblich. Ein Blick in die Satzungen zeigt die Bandbreite. In den meisten Kommunen im Landkreis liegt die Steuer für einen als gefährlich geltenden Hund pro Jahr zwischen 600 und 700 Euro. So auch in Sindelfingen, wo Hundehalter für ihren Listenhund 660 Euro zahlen müssen. Mit 1000 Euro pro Kampfhund und Jahr stellt sich Schönaich an die Spitze im Kreis, dicht gefolgt von Waldenbuch, wo Herrchen oder Frauchen von Kampfhunden 970 Euro an die Stadtkasse überweisen müssen. So wenig wie in Böblingen bezahlen Hundehalter nur noch in Holzgerlingen – hier kostet die Steuer für einen Kampfhund ebenfalls 360 Euro pro Jahr.
Zwei Hauptgründe nennt die Gemeinde Schönaich für die hohe Kampfhundesteuer: Zum einen versuche man dadurch, die Zahl potenziell gefährlicher Hunde durch höhere Kosten zu reduzieren, zum anderen wolle man Einnahmen für die Kommune generieren, die auch den Verwaltungsaufwand für diese Hunde decken sollen. „Die Kampfhundesteuer soll die Haltung von Listenhunden unattraktiver machen und so die öffentliche Sicherheit erhöhen, indem sie die Anzahl dieser Hunde im Gemeindegebiet begrenzt, da sie oft als besonders gefährlich eingestuft werden“, heißt es aus dem Rathaus. Es hätte in der Vergangenheit auch konkrete Vorfälle mit Kampfhunden gegeben, so Bianca Gruber vom Bürgermeisteramt. Die Gefährlichkeit eines Kampfhundes hänge letztlich vom individuellen Wesen des Tieres und der Sorgfalt seines Halters ab. Der höhere Steuersatz könne dazu beitragen, dass weniger Menschen Listenhunde halten.
Bis jetzt scheint der Plan aufzugehen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen will die Verwaltung zwar die genaue Anzahl der angemeldeten Kampfhunde nicht nennen. Es seien aber sehr wenige, heißt es aus dem Rathaus. Insgesamt sind in Schönaich derzeit rund 460 Hunde gemeldet.
Böblingen will dieses Jahr über die Hundesteuer beraten
In Böblingen, wo man seit Jahren auf den vergleichsweise niedrigen Steuersatz von 360 Euro pro Kampfhund setzt, sagt ein Sprecher der Stadt: „Eine Überarbeitung der Hundesteuersatzung ist für dieses Jahr vorgesehen und soll dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden. In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, ob eine Anpassung der Steuersätze – insbesondere auch für Kampfhunde – in Betracht kommt.“
In Böblingen sind aktuell elf Listenhunde gemeldet. Relevante Vorfälle mit Kampfhunden habe es in den letzten Jahren nicht gegeben, so der Pressesprecher. „Grundsätzlich kann jeder Hund – unabhängig von Rasse oder Größe – gefährlich werden. Daher besteht die Möglichkeit, einzelne Hunde nach entsprechenden Vorfällen als gefährliche Hunde einzustufen. In diesen Fällen können Maßnahmen wie Leinen- und Maulkorbpflicht angeordnet werden, wenn ein reiner Leinenzwang nicht ausreichen sollte. Darüber hinaus kann die Stadt weitere Auflagen verhängen, um einer möglichen Gefährdung vorzubeugen, etwa die Teilnahme an einer Hundeschule oder ein Verhaltenstraining,“ heißt es aus dem Böblinger Rathaus.
Das Anmelden eines Hundes ist Pflicht
Hund
Jeder, der einen Hund privat hält, muss ihn bei seiner Gemeinde anmelden und Steuern zahlen.
Regel
Die Hundesteuer ist eine kommunale Abgabe, jede Kommune legt ihre Höhe selbst fest. Entsprechend unterschiedlich fallen die Regelungen aus.
Zweck
Die Kampfhundesteuer gibt es, um als Lenkungsmaßnahme die Haltung als gefährlich eingestufter Hunderassen zu reduzieren und die mit ihnen verbundenen Risiken für die öffentliche Sicherheit auszugleichen.
Rassen
Diese Rassen zählen unter anderem zu den potenziell gefährlichsten: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier.