Hundefeinkost aus Esslingen Vom Schweinsohr bis zur Kalbsnase

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Sina Gieras produziert naturbelassene Kauartikel und Leckerli für Hunde und vertreibt sie über das Internet und auf Messen. Die 32-jährige Jungunternehmerin bezieht ihre Ware größtenteils aus Deutschland von Metzgern und Jägern.

Die 32-jährige Sina Gieras vertreibt naturbelassene Kausnacks und Leckerli für Hunde. Die Vortester sind ihre beiden Hunde Frieda und Ella. Foto: Ines Rudel 7 Bilder
Die 32-jährige Sina Gieras vertreibt naturbelassene Kausnacks und Leckerli für Hunde. Die Vortester sind ihre beiden Hunde Frieda und Ella. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Getrocknete Rehohren, Rinderkopfhaut, Entenherzen und Kalbsnase – das sind nur wenige der Artikel, die Sina Gieras in ihrem Warensortiment hat. Die 32-Jährige, die in Filderstadt geboren wurde und seit rund zehn Jahren in Esslingen lebt, arbeitet nicht etwa in einer Schlachterei. Nein, sie hat vor einem Jahr das Start-up-Unternehmen Friella Kauartikel gegründet und vertreibt seitdem von Esslingen aus Kauwaren und Leckerlis für Hunde. Das besondere daran: alle Snacks bestehen aus rein natürlichen Bestandteilen, kommen ohne künstliche Zusätze, Farbstoffe und Geschmacksverstärker aus, sie sind getreidefrei und weisen einen sehr hohen Fleischanteil auf. Zum Teil bezieht die junge Unternehmerin ihre Ware auch von Jägern aus der Region.

Auf der Suche nach gesunder Kost ohne Farb- und Konservierungsstoffe für ihre beiden einjährigen russischen Terrier Frieda und Ella (daher der Firmenname Friella) hatte sie die Idee, ein Unternehmen mit naturbelassenen Hundekauartikeln zu gründen. „Kauartikel aus Fernost werden meist mit viel Chemie behandelt, damit sie bei der Überfahrt mit dem Schiff nicht von Schädlingen befallen werden“, sagt Sina Gieras. „Mir ist wichtig, dass sich meine Hunde gesund ernähren. Denn auch für sie ist Chemie schädlich und macht die Tiere auf Dauer krank.“

Jäger aus der Region liefern Wild

Und so kam es, dass die 32-Jährige nach vielen Recherchen über Naturkauartikel und ihrer Herstellungsweise sowie Gesprächen mit Metzgern und Jägern begann, die Ware selbst herzustellen – in einer kleinen Manufaktur in Süddeutschland. „Als die erste getrocknete Rinderkopfhaut bei mir auf dem Wohnzimmerboden lag und sich mein Hund darauf stürzte, wusste ich, das muss auf den Markt“, sagt Sina Gieras. Rund 15 mal 20 Zentimeter groß ist eine solche Rinderhautplatte, sie kostet 8,50 Euro. Für etwa 50 Kilogramm schwere Hunde wie Ella oder Frieda ist es kein Problem, den Gaumenschmaus innerhalb weniger Stunden zu verputzen.

Während die Hundeliebhaberin anfangs nur Rind-, Kalb- und Geflügelwaren vertrieb, nahm sie im Laufe der Zeit stetig weitere Artikel in das Warensortiment auf. So findet man im Onlineshop mittlerweile von Pferdeachillessehnen über Lammohren bis hin zu Rehhälsen alles, auf was der Vierbeiner gerne herumkaut und was ihn eine Weile beschäftigt. Überwiegend bezieht Sina Gieras ihre Ware aus Deutschland, Wild bekommt sie von Jägern aus der Region und aus ganz Süddeutschland. „Bei manchen Artikeln ist dies aber schlichtweg nicht möglich“, sagt die Jungunternehmerin, „wie etwa bei Iberico-Schweine-Ohren oder Pferd.“ Zur Weihnachtszeit wartet das Sortiment mit einem ganz besonderen Leckerbissen auf: getrockneter Lachs.

Wichtig sei ihr auch eine gute Haltung der Nutztiere und dass alles vom geschlachteten Tier verwertet werde. Normalerweise lande eine Rindernase im Schlachtabfall. So aber könne man sie weiterverwenden, sagt die Unternehmerin. Sie selbst habe einmal ein getrocknetes Hühnerherz probiert, „das ist aber nicht so meins gewesen“, erzählt sie und lacht.

Die ganze Familie hilft mit

Unterstützung erhält Sina Gieras von ihrem Mann und ihrer Familie. Alle helfen für den Erfolg ihres Start-up-Unternehmens mit. „Wir suchen derzeit nach einer größeren Lagerhalle und einem Trocknungsraum“, verrät die junge Frau. „Gerne würde ich die Produktion ins Ländle holen.“ Die 32-Jährige ist mit Hunden aufgewachsen und kommt aus einer Unternehmerfamilie. Dass sie Betriebswirtschaftslehre studiert hat, kommt ihr bei ihrer neuen Herausforderung zugute. Hauptberuflich arbeitet die 32-Jährige noch selbstständig als kaufmännische Leiterin.

In die Stadt Esslingen habe sie sich „ein bisschen verliebt“, sagt die junge Frau, die im Schwarzwald aufgewachsen ist und leidenschaftlich gerne Ski fährt, mit ihren Hunden spazieren geht und gerne kocht. Ihr großes Ziel ist es, einmal von den Einnahmen des Unternehmens leben zu können. „Wir waren in den vergangenen Wochen auf zwei großen Messen, in Karlsruhe und auf der Animal in Stuttgart, die Erfahrungen waren toll, aber es ist schon alles ein bisschen viel gerade“, verrät die Jungunternehmerin, die derzeit die neue Flut an Bestellungen koordiniert. „Aber wenn man etwas mit Leidenschaft und Herzblut macht, fühlt es sich gar nicht wie Arbeit an“, sagt Sina Gieras und lächelt.

Das Start-up-Unternehmen im Internet unter www.friella-kauartikel.de




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