Hundehasser in Mönchfeld Wieder präpariertes Leckerli gefunden

Von Sebastian Steegmüller 

Traurig aber wahr: Immer wieder kommen Hundehasser auf die Idee, präparierte Leckerli auszulegen, um den Tieren zu schaden. Der jüngste Fall ereignete sich dieser Tage in Mönchfeld, dort fand eine 21-Jährige beim Gassigehen mit ihrem Mischling Flek eine Wurst, in der sich eine Nadel befand.

Anesa Karavdic mit ihrem Hund Flek. Weil sie dem Tier  rechtzeitig eine präparierte Wurst aus dem Maul nahm, konnte Schlimmeres verhindert werden. Foto: Steegmüller
Anesa Karavdic mit ihrem Hund Flek. Weil sie dem Tier rechtzeitig eine präparierte Wurst aus dem Maul nahm, konnte Schlimmeres verhindert werden. Foto: Steegmüller

Mönchfeld - Flek ist ein zehn Monate alter Mischling, der Tag für Tag neugierig seine Umgebung in Mönchfeld erkundet. Er schnüffelt in Gebüschen herum und springt trotz seiner Größe noch etwas tapsig über die Wiesen und Felder. Seine feine Nase wäre dem Hund dieser Tage aber beinahe zum Verhängnis geworden. Am Wegesrand hatte er eine dicke Wurst entdeckt und sie sich geschnappt. Zum Glück ist der Rüde ein Genießer. Statt den Happen runterzuschlingen, ließ er ihn sich auf der Zunge zergehen. Genug Zeit für sein Frauchen, um zu reagieren. „Ich habe ihm die Wurst sofort weggenommen“, sagt Anesa Karavdic. Und dann eine schreckliche Entdeckung gemacht. „In ihr steckte eine mehrere Zentimeter lange Nadel.“ Durch das beherzte Eingreifen der 21-Jährigen konnte auch aus Sicht von Anna Laukner vom städtischen Veterinäramt wohl Schlimmeres verhindert werden. „Nadeln stellen eine große Gefahr dar. Sie können an jeder Station des Verdauungstraktes steckenbleiben, also im Maul, an der Zunge, im Rachen, in der Speiseröhre oder später im Darm.“

Mögliche Folgen will sich die Halterin Karavdic gar nicht ausmalen. „Wie kann man nur darauf kommen, einen Hund töten zu wollen. Zumal man mit so einer feigen Tat ja nicht gezielt sein Opfer auswählen kann. Flek bellt nur auf Kommando, macht auch sonst keinen Ärger.“ Hinterlassenschaften in Grünanlagen – sicherlich ein Ärgernis für Spaziergänger – seien nicht die Schuld der Tiere, sondern der Halter. Die Polizei, die den Bereich mit Hunden nach weiteren Wurststücken abgesucht hat, kann keinen Tatverdächtigen ausmachen. Auch die 21-Jährige hat keine Idee, wer der Hundehasser sein könnte.

Nicht der erste Fall

Dass quasi an gleicher Stelle vor knapp drei Jahren schon einmal rund 100 präparierte Leckerlis verteilt wurden, habe sie im Gespräch mit einer älteren Hundebesitzerin erfahren. „Ich wohne hier erst seit eineinhalb Jahren und bin wirklich geschockt.“

Damals wurden jedoch nicht Nadeln in die Wurst gesteckt, sondern Hundekuchen mit Rattengift gefüllt. Drei Hunde aßen die Köder, konnten jedoch von einem Tierarzt gerettet werden, indem er ihnen Brechmittel spritzte. Weniger Glück hatte ein 13 Jahre alter Mischling im Mai 2016. Er hat in Bad Cannstatt offenbar mit Gift bestückte Fleischstücke gegessen und starb quallvoll. Ende März dieses Jahres soll zudem ein Tier in Wangen verendet sein , weil es zuvor einen präparierten Hundekuchen gegessen hatte. Entsprechende Flugblätter wurden verteilt und an Laternenmasten aufgehängt. In beiden Fälle schalteten die Hundehalter wohl die Polizei nicht ein, so dass die Beamten keine Ermittlungen aufgenommen haben.

Nicht jede Vergiftung sei jedoch auf einen böswillig ausgelegten Giftköder zurückzuführen, betont Anne Laukner. „Es gibt auch giftige Substanzen, die zum Beispiel im Rahmen von Schädlingsbekämpfung ausgebracht werden können. Auch eine vergiftete Maus, die ein Hund fängt und frisst, kann zu einer Vergiftung führen. Darum ist es übrigens sehr wichtig, bei der Schädlingsbekämpfung verantwortungsbewusst und mit Weitblick vorzugehen.“ Vorsicht sei auch bei süßlich schmeckendem Frostschutzmittel geboten, das aus dem Auto austreten kann. „Hundehalter sollten ihre Vierbeiner auf dem Spaziergang stets im Auge behalten und sie von Anfang an darauf trainieren, Dinge, die sie ins Maul genommen haben, auf Befehl wieder auszulassen“, empfiehlt die städtische Tierärztin. Dies könne lebensrettend sein. „Besteht der Verdacht, dass der Hund einen Giftköder aufgenommen hat, sollte noch vorhandenes Ködermaterial mitgenommen und der Hund einem Tierarzt vorgestellt werden.“ In einem bestimmten Zeitrahmen könne man den Mageninhalt wieder nach außen befördern.

Rattengift und Schneckenkorn

Wie das Gift wirkt, hänge von der Substanz und der Dosis ab. „Es gibt Stoffe, die Krampfanfälle auslösen, die Blutgerinnung verhindern oder direkt im Magen beziehungsweise der Speiseröhre eine ätzende Wirkung entwickeln.“ Auch das Nervensystem könne angegriffen werden. „Manche Gifte wirken recht schnell, andere – wie die Gerinnungshemmer in Rattengift – mit Verzögerung, oft sogar erst nach ein paar Tagen.“ In ihrer Tätigkeit als praktische Tierärztin habe es immer wieder Fälle von vergifteten Hunden gegeben. „Meist war Rattengift oder Schneckenkorn im Spiel“, sagt Laukner, die empfiehlt, ein verdächtiges Objekt in einem Plastikbeutel zu packen, ohne es direkt zu berühren. „So kann es gegebenenfalls untersucht und nicht mehr von anderen Hunden aufgenommen werden. „Es ist nicht ganz einfach, auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Fleischbrocken ein vergifteter Köder oder einfach nur fortgeworfenes Lebensmittel ist. Auf jeden Fall ist eine vorsichtige Handhabung angebracht. Auch falls Nadeln, Rasierklingen oder Ähnliches darin vermutet werden.“

Anesa Karavdic lässt der Fund indes nicht los. Beim Gassigehen beobachte sie seither ganz genau, an was Flek schnüffelt. „Für unsere nächtlichen Runden habe ich ihm zudem einen Maulkorb besorgt.“

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