„Friedensvertrag mit der Natur“ heißt die Schau, die rund 100 Exponate zeigt von Friedensreich Hundertwasser. Am kommenden Samstag beginnt sie im Ludwigsburger Residenzschloss und im Favoriteschloss.
Eine brandaktuelle Philosophie
Friedensreich Hundertwasser – das ist dieser verschroben wirkende Künstler, der uneckige Häuser mit goldenen Zwiebeltürmen entworfen und Bilder aus knalligen Farben gestaltet hat. Was womöglich nicht so bekannt ist, ist die Philosophie, die hinter Hundertwassers Werken steckte, und von der man viel weiß, wenn man folgendes Zitat von ihm kennt: „Wir sind nur Gast der Natur und müssen uns dementsprechend verhalten.“
Dementsprechend sind in den Attikaräumen des Residenzschlosses viele Bilder zu sehen, die sich dem Schutz der Umwelt widmen oder auch ihrer Wiederherstellung. Über einem an ein Wimmelbild erinnerndes Poster, das eine schöne, volle Stadt zeigt, steht der Appell, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Aus einem fröhlich und bedrohlich zugleich wirkenden Druck spricht die Aufforderung, Bäume zu pflanzen, um die nukleare Katastrophe abzuwenden. Und einem so genannten Manifesto-Art-Print mit krank und weniger krank aussehenden Bäumen, das Hundertwasser Regenwald-Aktivisten gewidmet hat, hat er den Titel gegeben „Überleben oder Selbstmord“.
Symbolträchtige Yucca-Palmen
Hundertwasser habe Wege aus dem Dilemma zeigen wollen, sagt Gregor Wörner, dessen Rutesheimer Verlag als einziger und noch dazu weltweit Hundertwassers Werke ausstellt und vertreibt – und der natürlich auch die Ausstellung in Ludwigsburg bestückt hat. Die Yucca-Palmen, die den Friedensvertrag mit der Natur im Schloss symbolisieren sollen, hat allerdings der Schlossverwalter Stephan Hurst organisiert. Friedensreich Hundertwasser ist im Februar 2000 im Alter von 71 Jahren gestorben. Und blickt man auf den Regenwald im Amazonasgebiet, die Debatten über die Energieversorgung und die Folgen des Klimawandels, kann man glauben, Hundertwassers Appelle haben nicht allzu viel gefruchtet. Blickt man aber weiter zu den Aktivitäten von Greta Thunberg und Fridays For Future darf man wohl hoffen, dass die Ausstellung eine große Anziehungskraft entfaltet.
Lesen Sie hier mit StZ-Plus, wie das Favoriteschloss saniert wurde
Besonders raffiniert an der Ausstellung, die an zwei Orten stattfindet (und nebenbei Hundertwassers eindrucksvolles grafisches Schaffen zeigt): Der Gang vom Residenz- zum Favoriteschloss entlang der B 27 bietet ein umweltpädagogisches Aha-Erlebnis. Nicht nur, dass die Autos darauf demonstrieren, wie Städte verschandelt worden sind; nicht nur, dass der Ludwigsburger Traum, den Verkehr der Bundesstraße unter die Erde zu verlagern, ganz den Hundertwasser’schen Visionen entspricht; vor allem führt der Weg direkt in ein Naturschutzgebiet mitten in der Stadt, in dessen Zentrum auch noch ein Schloss steht, das nach seiner Sanierung so bunt leuchtet, als hätte Hundertwasser selbst Hand angelegt. „Das würde ihm bestimmt gefallen“, sagt Gregor Wörner über den visionären Weltverbesserer, mit dessen Werken zugleich die Wiedereröffnung des Favoriteschlosses gefeiert wird.
Mit dem Bahnticket gibt’s Rabatt
Außer den für 3,2 Millionen Euro sanierten Räumen gibt es im Lustschloss einen Überblick über Hundertwasser architektonisches Schaffen. Im Erdgeschoss hängen großformatige Fotografien seiner Architekturprojekte, die auf der ganzen Welt verwirklicht wurden. Außerdem wurden unter höchster Vorsicht zwei Modelle nach Ludwigsburg transportiert, eins zeigt das Plochinger Hundertwasserhaus. Und es gibt natürlich viele Informationen über die Idee der grünen Stadt, wie sie Hundertwasser propagierte.
Dass dessen Werke binnen drei Jahren zwei Mal an einem Ort gezeigt werden, ist eigentlich nicht im Sinne der Hundertwasser-Stiftung, die das Anliegen ihres Stifters wahrt. Erst 2017 waren im Residenzschloss extrem erfolgreich Werke zum Thema „Schönheit ist ein Allheilmittel“ gezeigt worden. Doch der zweite Standort nun und das aktuelle Thema seien gute Argumente für eine Ausnahme gewesen, berichten die Ausstellungsmacher, Wörner und Hurst, die es ernst zu meinen scheinen mit dem Umweltschutz: Wer mit Bus oder Bahn anreist und an der Kasse sein Ticket vorzeigt, bekommt zehn Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis.
Öffnungszeiten und Programm
Zeiten
Die Ausstellung in den beiden Schlössern beginnt an diesem Samstag, 14. März, und dauert bis zum Sonntag, 5. Juli. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär zehn Euro. Das Ticket ist für beide Standorte gültig, die auch an unterschiedlichen Tagen besucht werden können.
Führungen
Für den Ausstellungsteil im Residenzschloss gibt es samstags, sonntags und mittwochs Führungen. Für Schulklassen wurde ein besonderes Programm zusammengestellt. Für beide Angebote ist eine Anmeldung erforderlich unter 0 71 41/18 64 00.