Hurrikan „Florence“ wird wohl der heftigste Wirbelsturm seit Jahren, der auf die Ostküste der USA trifft. Es drohen gewaltige Schäden und Lebensgefahr für die Bewohner.

Washington/Miami - Mit einer generalstabsmäßigen Aktion bereitet sich die Südostküste der Vereinigten Staaten auf die Ankunft des wohl heftigsten Wirbelsturms seit Jahrzehnten vor. „Florence“ soll nach seinem Zug über den Atlantik mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde in der Nacht zum Freitag oder am Freitagmorgen auf die Küste der Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina treffen. Für die Menschen in der Region bedeutet dies nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums Lebensgefahr. US-Medien verglichen „Florence“ schon vor seiner Ankunft mit Wirbelstürmen wie „Katrina“, der 2005 Tod und Schrecken über die Südstaaten gebracht hatte.

Mehrere US-Bundesstaaten, die nationale Katastrophenschutzbehörde FEMA, die US-Streitkräfte und Versorgungsunternehmen arbeiteten rund um die Uhr, um sich für das Schlimmste zu wappnen. „Es könnte Rekordfluten geben“, sagte der amtierende Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ed Rappaport. „Es wird ein Sturm werden, an den man sich erinnern wird. Ich hoffe, dass alle am Leben bleiben.“

Verlauf des Hurrikans kann nicht genau bestimmt werden

Den Meteorologen gelang es bis Mittwochabend nicht, den Weg des Hurrikans wegen dessen ungewöhnlicher Kurve exakt zu bestimmen. Je nach Rechenmodell könnten sich in der Schneise des Wirbelsturms neben Hunderttausenden Wohnhäusern bis zu sechs Kernkraftwerke und mehrere Sondermülldeponien befinden. Anlass zur Sorge gebe es wegen der Kraftwerke derzeit nicht, versicherte die Katastrophenschutzbehörde FEMA.

Die Behörden und an ihrer Spitze Präsident Donald Trump forderten die Menschen in der Region am Mittwoch noch einmal eindringlich dazu auf, den Anweisungen zur Räumung ihrer Häuser Folge zu leisten. „Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist groß“, sagte Trump in einer Video-Botschaft über den Wirbelsturm. Auf Twitter schrieb er: „Wir wollen, dass alle in Sicherheit sind.“

Auch viele Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden, darunter Wasserschildkröten. Die Wildpferde-Herden auf den Outerbanks vor North Carolina - eine weltbekannte Touristenattraktion - bleiben wo sie sind. Nach Angaben der Behörden sind die Tiere durch ihre Instinkte gut gerüstet und begeben sich selbstständig außer Gefahr.

„Mike-Tyson-Faustschlag für die Küste von Carolina“

Ein FEMA-Vertreter verglich den Sturm mit der Schlaggewalt eines früheren Schwergewichts-Boxweltmeisters: „Das ist ein Mike-Tyson-Faustschlag für die Küste von Carolina.“ US-Medien sprachen von deutlich mehr als einer Million Menschen, die die Küstenregion verlassen sollten, und von insgesamt mehreren Millionen Betroffenen. Die Gebiete entlang der südlichen US-Atlantikküste glichen schon am Mittwoch Geisterstädten. Fenster und Türen waren verbarrikadiert, Läden und Supermärkte geschlossen, Hotels schickten ihre Gäste zurück.

Die FEMA mahnte am Mittwoch, es sei der letzte Tag, an dem Evakuierungen noch ungehindert möglich seien. Sie appellierte auch an die Menschen, Nothelfer nicht dadurch zu gefährden, dass sie in den bedrohten Gebieten blieben und später gerettet werden müssten. Es gebe genug Notunterkünfte.

Obwohl absehbar ist, dass der Sturm schwere Schäden anrichten dürfte, verbarrikadierten sich aus Furcht vor einer monatelang unmöglichen Rückkehr Hunderte Menschen in ihren Häusern - selbst auf den der Küste vorgelagerten Düneninseln, die den Fluten besonders stark ausgesetzt sein werden. Als sicher gilt, dass Hunderttausende Menschen nach Ankunft des Sturms ohne Elektrizität sein werden. Stromversorger haben Hunderte Spezialkräfte in die Region entsandt, um nach Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern

„Florence“ war in den vergangenen Tagen zu einem Hurrikan der Stärke 4 angewachsen - mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Kilometern pro Stunde. Im Laufe des Mittwochs schwächte er sich leicht auf den oberen Bereich der Stufe 3 ab. Es ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass sich der Sturm zu einem Hurrikan der höchsten Stärke 5 entwickeln könnte. Diese Kategorie gilt ab Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde.

Der Wirbelsturm selbst bewegt sich dagegen nur langsam vorwärts - zuletzt mit etwa 28 Kilometern pro Stunde. In der Schneise des Hurrikans liegen vor allem North Carolina und South Carolina, weiter nördlich auch Virginia. Meteorologen sagten zuletzt aber voraus, der Hurrikan könne noch etwas südlich eindrehen.

Die FEMA erklärte, der Hurrikan werde über Land zwar schnell an Kraft verlieren, starken Regen aber auch in Gebiete bringen, die nicht an der Küste liegen. Allerdings halten es die Meteorologen auch für möglich, dass das Zentrum des Sturms an der Küste entlangziehen und somit tagelang schwere Regenfälle in die Region bringen wird, ohne sich nennenswert abzuschwächen.