Huub Stevens bei TSG Hoffenheim Lauter Nullen

Von Tobias Schächter 

Die Partie gegen Eintracht Frankfurt zeigt, dass der neue Trainer Huub Stevens in Hoffenheim noch viel Arbeit vor sich hat, um seine Ideen umzusetzen.

Huub Stevens sieht, dass seine Spieler noch viele Defizite aufweisen. Foto:  
Huub Stevens sieht, dass seine Spieler noch viele Defizite aufweisen. Foto:  

Hoffenheim - Es waren nicht Waldorf und Statler, die beiden alten Grantler der Muppets Show in ihrer Theaterloge, die da am Samstagnachmittag die langweilige Aufführung zwischen der TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt mit ihren Witzeleien beschlossen. Nein, Huub Stevens, 61, Trainer der TSG Hoffenheim, und Armin Veh, 53, Trainer von Eintracht Frankfurt, saßen da auf dem Pressekonferenzpodium im Sinsheimer Fußballstadion. Es wurde gewitzelt, gelacht und zwischendurch auch geknurrt – also die typische Huub- und Armin-Folklore aufgeführt.

Substanziell gab es ja nicht viel zu sagen über das ermüdende 0:0 zwischen der TSG und der Eintracht. Oder besser gesagt, die beiden Trainerroutiniers wollten nicht viel Fachliches sagen, denn sie wissen: Auf den Schwächen der eigenen Mannschaft herumzureiten, hilft Sportlern nicht. Die Eintracht verschenkte zwei Punkte, sie war das bessere von zwei handzahmen Teams, die Form und Identität suchen. Das Ergebnis ärgerte Veh, immerhin aber stimmt nach der Umstellung auf eine defensivere Spielweise der Leistungstrend in Frankfurt – zuletzt gab es drei Spiele ohne Niederlage und fünf Punkte. Und mit dem Remis hielten die Frankfurter (14 Zähler) die TSG (acht Pünktchen) im Tabellenkeller.

In Hoffenheim ist nach dem zweiten 0:0 seit dem Trainerwechsel von Markus Gisdol zu Huub Stevens die Hoffnung auf schnelle Besserung erst einmal Ernüchterung gewichen. Als einzig positive Erkenntnis bleibt bis jetzt: die Mannschaft hat wenigstens zum zweiten Mal nacheinander kein Gegentor bekommen. Das ist ein Fortschritt gegenüber der Gisdol-Ära, in der die Elf oft späte Gegentore kassierte, die Punkte kosteten. Ansonsten aber fehlt der Mannschaft in jeder Situation und auf fast jeder Position Selbstvertrauen, Lockerheit, Form und auch Kraft.

Stevens hat eine andere Philosophie als Gisdol

Es ist bezeichnend, wenn Torwart Oliver Baumann im Heimspiel der beste Hoffenheimer ist. Die klägliche Vorstellung gegen Frankfurt lässt das nach dem Abpfiff pfeifende Publikum ahnen, dass der Abstiegskampf in Hoffenheim dieses Jahr bis zum letzten Spieltag gehen könnte. Zumal die Mannschaft unter Stevens eine radikale Umstellung der Spielweise verkraften muss. Gisdol lehrte notorische Vorwärtsverteidigung mit frühem Anlaufen des Gegners. Stevens versucht es mit mehr eigenem Ballbesitz nach dem Motto: Wenn wir den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schießen. Mit Ballbesitz können die von Gisdol geprägten Spieler aber nichts anfangen. Es wird quer und zurück gespielt, für den risikoreichen Pass fehlt der Mut. „Vorne kann man den Ball verlieren“, sagt Stevens, „aber nicht im Mittelfeld.“

Die Elf versucht außerdem zwar nun in der eigenen Hälfte kompakt zu stehen, aber es gelingt den Spielern nicht, aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen. Die Eintracht konnte sich leicht und ohne Gegenwehr alleine in den ersten 20 Minuten vier gute Torgelegenheiten herauskombinieren.

Die TSG-Spieler ringen gerade schwer um eine neue Identität, der Kulturwandel unter Stevens ist groß. Der alte Gisdol-Angriffsfußball funktionierte irgendwann nicht mehr – und die neuen Stevens-Verordnungen sind noch nicht verinnerlicht. Polemisch formuliert: derzeit kann die Mannschaft also nichts wirklich gut. Das macht es schwer, Selbstvertrauen zu entwickeln. Hinzu kommt, dass bei vielen Spielern die eigenen Erwartungen seit Monaten enttäuscht werden. Aber vielleicht ist diese TSG-Auswahl ja gar nicht so gut, wie sie sich selbst lange gesehen hat und wie auch ihr neuer Trainer vermutet.

Das Problem mit dem Toreschießen

Stevens sagte am Samstag: „Wenn ich weiß, was die Spieler können, und dann sehe, was sie gezeigt haben, kann ich nicht zufrieden sein. Aber das ist die normale Reaktion, wenn man unten steht. Das müssen wir durchbrechen. Das geht aber nur mit einem Erfolg.“ Erfolge feiert aber nur, wer Tore schießt. Ein Tor zu schießen, gelingt der TSG aber schon seit drei Spielen nicht mehr. Das muss sich schnell ändern, denn lange wird diese Mannschaft auch unter Huub Stevens die Null hinten nicht mehr halten können.