Hydroxychloroquin Brasilien setzt weiter auf umstrittenes Malariamittel gegen Corona

Von AFP/red 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klinische Tests des Malariamittels Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19 wegen eines möglicherweise erhöhten Sterberisikos ausgesetzt. Die brasilianische Regierung widersetzt sich.

Umstritten: Hydroxychloroquin Foto: dpa/Kevin E. Schmidt
Umstritten: Hydroxychloroquin Foto: dpa/Kevin E. Schmidt

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klinische Tests des Malariamittels Hydroxychloroquin zur Behandlung der Coronavirus-Infektion wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt. Die Tests in mehreren Ländern seien „vorübergehend“ eingestellt worden, während die Sicherheit des Medikaments überprüft werde, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Die Entscheidung sei aufgrund einer Studie gefallen, wonach eine Behandlung mit Hydroxychloroquin möglicherweise die Sterblichkeitsrate erhöht. In Brasilien will die Regierung dennoch das Mittel weiterhin empfehlen.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich hatte für die vergangene Woche in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten zeigen. Vielmehr weisen die Daten nach ihren Angaben auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Die Mittel können demnach schwere Nebenwirkungen verursachen, vor allem Herzrhythmusstörungen.

Die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen Covid-19 ist umstritten

Die beiden Medikamente seien aber allgemein „als sicher in der Anwendung bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder Malaria anerkannt“, betonte Tedros. Die WHO hatte Hydroxychloroquin und Chloroquin ebenso wie andere Medikamente in einer Studie mit dem Namen „Solidarity“ (Solidarität) getestet. Die anderen klinischen Tests von „Solidarity“ würden fortgesetzt, sagte Tedros.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria eingesetzt. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Patienten mit der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Atemwegekrankheit Covid-19 ist hingegen nicht erst seit der Studie in „The Lancet“ umstritten. 

Dennoch priesen die Regierungen mehrerer Länder in den vergangenen Wochen und Monaten Hydroxychloroquin als Mittel gegen das Coronavirus an. US-Präsident Donald Trump machte Werbung für das Medikament und teilte mit, er nehme es zur Vorbeugung gegen das Coronavirus ein. Am Sonntag sagte Trump dann allerdings in einem Interview, er habe die Einnahme von Hydroxychloroquin inzwischen beendet. Trotz seiner Einnahme des Mittels sei er „noch da“, fügte der Präsident ironisch hinzu. 

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro rühmt das Medikament

Auch der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro rühmte Hydroxychloroquin. Das Gesundheitsministerium in Brasília empfahl das Mittel für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Nach den jetzigen Warnungen der WHO teilte das Ministerium mit, seine Empfehlung gelte weiter. „Wir bleiben ruhig, und es gibt keine Änderung“, sagte Ministeriumsvertreterin Mayra Pinheiro. 

Auch in Kolumbien hatte die Regierung Hydroxychloroquin und Chloroquin bislang als Mittel gegen das neuartige Virus empfohlen. Aufgrund der WHO-Erklärungen strich das Gesundheitsministerium in Bogotá nun aber diese Empfehlung. 

Die WHO warnte am Montag auch angesichts der Lockerung der Corona-Beschränkungen in vielen Ländern vor einem möglichen erneuten Anstieg der Infektionszahlen. Die Organisation appellierte an die Staaten, Abstandsregeln beizubehalten und die Testkapazitäten auszuweiten. 

„Alle Länder müssen in höchster Alarmbereitschaft bleiben“, sagte die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Dies gelte auch für Länder, in denen die Fallzahlen zurückgehen. Studien zu Antikörpertests deuteten darauf hin, dass „ein großer Teil der Bevölkerung“ weiterhin anfällig für das Coronavirus sei. „Das Virus wird die Gelegenheit zu seiner erneuten Ausbreitung nutzen, wenn es kann“, sagte Van Kerkhove.

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