Hygiene im Schwimmbad Wie sauber sind unsere Freibäder?

Je mehr Badegäste im Becken sind, desto mehr Frischwasser muss zugegeben werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wer kann, drängt an Hitzetagen ins Freibad. Doch wenn sich alles und alle im Becken tummeln, wie sauber ist dann das Wasser? Wie wird auch an an vollen Tagen eine gute Wasserqualität garantiert und wie oft wird das Wasser gewechselt?

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Wenn die Temperaturen über die Marke von 30 Grad Celsius klettern, sind die Freibäder voll. Doch mit jedem Badegast kommen auch jede Menge anderer Substanzen ins Wasser, die wieder entfernt werden müssen wie Haare, Hautschuppen, Sonnencreme-Reste sowie Keime und eben auch Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Speichel und Urin. Wir erklären, wie die Bäderbetriebe dafür sorgen, dass es in ihren Einrichtungen dennoch hygienisch zugeht – und was jeder Badegast dazu beitragen kann.

 

Wie gut ist die Wasserqualität der Freibäder?

Das Wasser in Schwimm- und Badebecken hat in Deutschland eine sehr hohe Qualität, versichert die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB). So gibt es eine Vorgabe im Infektionsschutzgesetz, nach der das Baden oder Schwimmen in Frei- und Hallenbädern nicht zu einer „Schädigung der menschlichen Gesundheit führen darf“. Das gilt nach Aussage von Frank Achtzehn, Leiter Regelwerk und Beratung beim Bäderverband DGfdB, sowohl für Krankheitserreger, als auch für Verunreinigungen durch mikrobiologische und chemisch-physikalische Substanzen. Um das zu gewährleisten, sei aber nicht nur eine gute Wasserqualität vonnöten, so Achtzehn. „Auch eine gute Beckendurchströmung spielt dabei eine entscheidende Rolle.“ Das bedeutet, dass das aufbereitete und mit Chlor versetzte Wasser im gesamten Becken gleichmäßig verteilt wird. So werden Krankheitserreger auch überall gleich schnell abgetötet.

Ist Schwimmbadwasser trinkbar?

Es ist zumindest unschädlich. Die Anforderungen an Trinkwasser und an Schwimm- und Badebeckenwasser sind ähnlich, jedoch nicht gleich: Während das Trinkwasser einmal im Wasserwerk aufbereitet und dann verteilt wird, wird das Beckenwasser in Freibädern kontinuierlich aufbereitet und desinfiziert, heißt es seitens des Landesgesundheitsministeriums Baden-Württemberg, das im Südwesten für die Überwachung der Qualität des Schwimm- und Badebeckenwassers zuständig ist. Zudem wird stets ein gewisser Anteil an Frischwasser hinzugefügt. Zudem muss Schwimm- und Badebeckenwasser frei von einer sichtbaren fäkalen Verunreinigung sein. Auch darf beispielsweise das Bakterium Escherichia Coli – das vor wenigen Tagen in einem Stuttgarter Freibad entdeckt worden ist – bei einer mikrobiologischen Wasseruntersuchungen nicht nachweisbar sein.

Weshalb darf das Wasser in den Becken nicht zu warm sein?

In erster Linie sollte der Sprung ins Freibad an heißen Sommertagen die ersehnte Abkühlung bringen. Ist das Wasser zu warm, belastet das den hitzegeplagten Körper zusätzlich – das gilt insbesondere für leistungsorientierte Schwimmgäste. Auch wäre es nicht sonderlich ressourcenschonend, Freibadwasser zu erwärmen, gibt Frank Achtzehn von der DGfdB zu Bedenken. Letztlich aber steigt bei warmen Wasser auch die Keimbelastung: Denn Krankheitserreger vermehren sich im warmen Wasser schneller.

Wie oft wird das Beckenwasser gewechselt?

Einmal den Stöpsel ziehen – alles Wasser rauslassen und dann wieder frisch einfüllen. So funktioniert es in Freibädern nicht. Die Zugabe von Füllwasser ist in der Regel ein automatisierter Prozess, sagt Frank Achtzehn von der DGfdB. Die Mess- und Regeltechniken ermitteln den Wasserstand im gesamten Aufbereitungskreislauf und fügen bei Bedarf eigenständig die benötigte Menge an Füllwasser hinzu. Eine Faustregel besagt, dass pro Badegast mit 30 Litern Frischwasser pro Tag gerechnet werden muss. „An heißen Tagen wird meist mehr Füllwasser benötigt“, sagt Achtzehn. Zum einen, weil Wasser an warmen Tagen schneller verdunstet. Zudem sorgen die Badegäste etwa beim Rausklettern aus dem Becken selbst dafür, dass der Wasserpegel sinkt – aufgrund vollgesogener Badekleidung und nasser Haare.

Ist wahrnehmbarer Chlorgeruch ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Riecht es nach Chlor, hat es seine Aufgabe im Beckenwasser erledigt: „Wahrnehmbarer Chlorgeruch ist grundsätzlich ein Zeichen für eine gewisse Belastung des Beckenwassers mit gebundenem Chlor“, sagt Achtzehn. Gebundenes Chlor, von Fachleuten „Chloramine“ genannt, entsteht, wenn sich das freie Chlor aus dem aufbereiteten Wasser mit organischen Stoffen verbindet, die durch die Badegäste, die Umgebung oder durch das Frischwasser eingebracht werden. Diese Chloramine werden dann im Zuge der Wasseraufbereitung wieder herausgefiltert. Hierzu werden spezielle Filterkohlen eingesetzt, die diese Stoffe an ihrer Oberfläche binden.

Urin im Wasser – ist das ein großes Problem?

Die Sorge, dass Badegäste ins Becken urinieren, wird generell überbewertet, sagt Frank Achtzehn. „Urin von gesunden Menschen enthält keine Mikroorganismen; es werden somit auch keine Krankheitserreger übertragen.“ Dennoch kann Urin im Wasser zur Bildung von Chloraminen und dem typischen Chlorgeruch führen. Das passiert übrigens nicht nur durch Ausscheidungen: Auch über die Haut gibt der Mensch Harnstoff ab. Daher ist es ratsam, vor dem Sprung ins Becken, sich kalt abzuduschen. Das entfernt nicht nur Kosmetika, Hautschuppen und Schweiß: Aufgrund des kalten Wassers schließen sich die Poren auf der Haut und es gelangt weniger Harnstoff ins Wasser.

Wie wird das Wasser eigentlich gesäubert und wieder aufbereitet?

Typischerweise setzen Bäder auf Flockung, Filtrierung und Desinfektion mit Hilfe von Chlor zur Wasseraufbereitung, erklärt Frank Achtzehn. Bei der Flockung werden Stoffe ins Wasser gegeben, die dazu führen, dass kleinste Schwebstoffe zusammenklumpen und besser herausgefiltert werden können. Im Filter werden feine bis grobe organische Stoffe zurückgehalten, sodass diese nicht mehr in das Becken gelangen. Die Chlorung sorgt dafür, dass das Schwimm- und Badebeckenwasser wieder mit ausreichend freiem Chlor vorsorgt wird.

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