Hype bei Campern Kochen und Wohnen auf 4,20 Metern – Mini-Wohnwagen aus Löchgau auf der CMT

Peter Schneewolf (links) und Daniel Blum haben für ihre Kleinstwohnwagen sogar Anfragen aus Neuseeland und den USA bekommen. Foto: Werner Kuhnle

Die Firma Kuckoo aus dem Kreis Ludwigsburg entwickelt Wohnwagen, für die man keinen extra Führerschein braucht. Das Unternehmen ist auch bei der CMT am Start.

Wer mit einem stattlichen Camper oder einem geräumigen Wohnwagen in den Urlaub aufbricht, hat Bett, Küche und Wohnzimmer immer gleich mit dabei. Das Manko ist, dass die Gefährte eine Menge Platz brauchen und es kein Zuckerschlecken ist, sich damit durch engere Passagen oder gar bevölkerungsreiche Städte zu manövrieren. Der Reisende, der mit dem Auto unterwegs ist und dann in Ferienwohnungen eincheckt, hat es hier leichter. Wahrscheinlich liegt das Erfolgsgeheimnis der Firma Kuckoo deshalb genau darin – dass sie gewissermaßen das Beste aus diesen beiden Welten zusammengeführt hat.

 

Das Unternehmen aus Löchgau, das nun auch auf der CMT in Stuttgart am Start ist, hat einen Wohnwagen auf den Markt gebracht mit allen gewohnten Annehmlichkeiten wie Schlafplätzen und Kochmöglichkeiten – das alles ist aber so klein, dass man damit im Prinzip überall parken kann. Zudem braucht man keinen Anhängerführerschein. Und was auch immer wichtiger wird: Selbst mit E-Fahrzeugen lassen sich die Mini-Wohnwagen ziehen, ohne im 30-Minuten-Takt nachladen zu müssen. Interessanterweise steckt hinter all dem weder generalstabsmäßiges Kalkül noch eine langjährige Entwicklungsphase.

Per Zufall zum Wohnwagenbauer geworden

Peter Schneewolf mit einem zum Bierwagen umfunktionierten Modell, das auf der CMT zu bestaunen sein wird. Foto: Werner Kuhnle

Die Geschäftsführer Peter Schneewolf und Daniel Blum sind zwar leidenschaftliche Camper, aber nur zufällig auf die andere Seite ins produzierende Fach gerutscht. Es war in der Corona-Zeit, als Blum erkannte, dass sein Oldtimer-VW-Bus für einen Familienurlaub kapazitätstechnisch an Grenzen stieß. „Da habe ich mir gedacht: Es wäre doch genial, wenn wir hinter uns einen kleinen Hänger herziehen, in dem die beiden Kinder ihr eigenes Reich haben und spielen könnten“, sagt der 49-Jährige.

Der tüftelfreudige Werbedesigner machte sich ans Werk und zimmerte quasi die Urfassung des Wohnwagen-Modells zusammen, das später unter dem Namen „Bruno“ Furore machen sollte. Blum teilte seine Eigenkreation in den sozialen Netzwerken, woraufhin sich jemand meldete, der den Anhänger unbedingt kaufen wollte. Der Walheimer schlug ein und sagte zu sich: „Okay, dann baue ich halt nochmal einen, nur ein bisschen anders und noch besser.“

„Bei uns ist die Küche an der Seite zum Ausziehen, man kann sie innen und außen verwenden, muss nicht außenrumlaufen.“

Peter Schneewolf, zu einer Besonderheit des Kuckoo-Modells

Blum präsentierte damals auch Peter Schneewolf seinen optimierten Entwurf. Die beiden kannten sich, hatten beruflich bereits das eine oder andere auf die Beine gestellt. Der Werbetechniker Schneewolf war auch gleich Feuer und Flamme, regte zudem an, den Wohnwagen aus Holz mit Präzisionsmaschinen fertigen zu lassen. Das war praktisch die Geburtsstunde von „Bruno“, wie das erste Modell von Kuckoo heißt, benannt nach Blums Hund. Und wie sich herausstellte, hatten Blum und Schneewolf damit in der Camping-Szene einen Nerv getroffen.

„Wir haben im Jahr 2021 auf Instagram ein paar Bilder gepostet und wirklich Anfragen aus aller Welt erhalten, aus Australien, Neuseeland und ganz viele aus den USA. Es war verrückt“, berichtet Schneewolf. Er und Blum beschlossen, in die Serienproduktion einzusteigen. Anfangs war noch Markus Gärtner mit im Boot, der vor zwei Jahren verstorben ist, dessen Andenken seine Kompagnons aber weiter hochhalten. Das zweite von der Firma entwickelte Modell auf der Basis von Glasfasergewebe wurde in Anlehnung an Gärtners Spitznamen „Max“ getauft.

Bei „Bruno“, dem ersten Verkaufsschlager, hatte man zunächst keine übermäßigen Erwartungen im Hinblick auf die Stückzahlen. „Wir sind davon ausgegangen, zehn Exemplare pro Jahr verkaufen zu können“, sagt Schneewolf. Tatsächlich orderten die Kunden von März 2021 bis März 2022 rund 100 Mini-Wohnwagen. Dabei sind der 58-Jährige und sein Geschäftspartner keineswegs Pioniere im Fertigen solcher Kleinst-Gefährte. Was sie aber maßgeblich von der Konkurrenz unterscheide, sei die Form, erklärt Schneewolf.

Schon lange gebe es Modelle, die einer überdimensionierten Träne ähnelten, Teardrop genannt. „Die Küche ist dort im Heck angebracht, sodass man um den Wagen herumlaufen muss. Bei uns ist die Küche an der Seite zum Ausziehen, man kann sie innen und außen verwenden und muss nicht außenrumlaufen“, erläutert der Oberstenfelder. Man gewinne den dafür unabdingbaren Platz durch eine quadratischere Bauart. „Wir nennen das Squaredrop“, sagt Schneewolf.

Die Mini-Wohnwagen sind ab 20.000 Euro zu haben

Daniel Blum ist ein Camping-Tüftler, der den Stein mit einer Eigenkreation ins Rollen gebracht hat. Foto: Werner Kuhnle

Die Liegefläche misst 1,40 auf zwei Meter. Die Kuckoos sind alles in allem rund 4,20 Meter lang, etwa zwei Meter breit und vom Boden gemessen etwas weniger als zwei Meter hoch. „Bruno“ bringt etwa 630 Kilo auf die Waage, der allwettertaugliche und isolierte „Max“ nur 500. Je nach Ausstattung muss man zwischen 20.000 und 30.000 Euro investieren. „Der Vorteil gegenüber dem klassischen Wohnmobil ist, dass man auch in der Stadt überall anhalten kann und nicht diese wahnsinnig hohen Anschaffungskosten hat wie bei einem Wohnmobil, wo es bei 60.000 bis 70.000 Euro losgeht“, betont Schneewolf.

Kuckoo hat aktuell mit „Emma“ sogar ein drittes, noch kompakteres und niedrigeres Modell in der Entwicklung, das lediglich 300 Kilogramm wiegen, einen Einstiegspreis von unter 15.000 Euro haben und als Prototyp zum Caravan Salon Ende August in Düsseldorf präsentiert werden soll. „Das ist perfekt für Elektroautos“, sagt Daniel Blum.

Praktisch und schön

Designpreis
Die Firma Kuckoo aus Löchgau hat vier Mitarbeiter, die sich unter anderem um Reparaturen und den Anbau von Markisen oder Fahrradträgern kümmern. Produziert werden die Mini-Wohnwagen in Handarbeit von Partner-Unternehmen in Deutschland. Kuckoo legt neben Praktikabilität viel Wert auf Design, hat auch schon zweimal den internationalen Designpreis Baden-Württemberg erhalten.

Stromverbrauch
Die Mini-Wohnwagen lassen sich laut Geschäftsführer Peter Schneewolf auch problemlos von E-Autos ziehen. Man verbrauche dabei je nach Fahrzeug und Fahrweise rund 25 Prozent mehr Strom. Kuckoo wird auch bei der CMT in Stuttgart vom 17. bis 25. Januar am Start sein, dann erstmals mit einem zum Bierwagen umgebauten Exemplar.

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