Hype um Sportart erreicht Stuttgart Warum spielen jetzt alle Padel-Tennis?
Padel-Tennis boomt. Wir haben uns mit Maximilian Scholl und Yannick Maden vom TSV Büsnau getroffen. Was ist das Besondere an dem Sport und für wen ist er geeignet?
Padel-Tennis boomt. Wir haben uns mit Maximilian Scholl und Yannick Maden vom TSV Büsnau getroffen. Was ist das Besondere an dem Sport und für wen ist er geeignet?
Der Mexikaner Don Enrique Corcuera soll im Jahre 1956 den Wunsch nach einem eigenen Tennisplatz auf seinem Grundstück gehabt haben. Leider reichte die Fläche hierfür nicht aus. Daraufhin ließ er ein etwas kleineres Feld errichten. Die Betonmauern, die an einen Teil des Platzes angrenzten, wurden bald nicht weiter als Hindernisse gesehen, sondern von den Spieler:innen raffiniert in die Ballwechsel integriert, so dass Corcuera kurzerhand den gesamten Platz ummauern ließ. Wegen der verkleinerten Maße des Spielfeldes nahm er zudem einige Änderungen an den Spielregeln vor und begeisterte damit nicht nur seine Freunde, sondern erfand so den Padel-Sport, so heißt es zumindest auf der Webseite des Deutschen Padel-Verbandes. Ob das die echte Entstehungsgeschichte des Padel-Tennis ist, lässt sich schwer überprüfen, nett zu erzählen ist sie in jedem Fall.
Fest steht, dass sich die Sportart inzwischen in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas und insbesondere in Spanien zu einem äußerst beliebten Breiten- und Wettkampfsport etabliert hat. Neben Spanien zogen auch andere europäische Länder wie Schweden nach. Mittlerweile ist der Hype auch in Deutschland und in Stuttgart angekommen. „Im Ruhrgebiet sind sie schon etwas weiter als hier im Südwesten“, sagt Maximilian Scholl, der gemeinsam mit Yannick Maden beim TSV Büsnau für den Padel-Sport zuständig ist. „Aber auch in Stuttgart wächst die Nachfrage seit diesem Jahr extrem.“
Der TSV Büsnau ist einer der ersten Anbieter für Padel-Sport in Stuttgart. Seit März 2023 kann auf drei Plätzen dem Trendsport nachgegangen werden. Bei dem Mix aus Tennis und Squash ist das Feld nur halb so groß wie ein Tennisplatz und ähnlich wie beim Squash werden die Wände, die aus Glas und Drahtgitterelementen bestehen, mit ins Spiel einbezogen. Üblicherweise wird zu viert, also im Doppel gespielt. „Padel ist für jede:n etwas“, ist Maximilian überzeugt. „Es ist einfacher als Tennis, da die Schläger und die Laufwege kürzer sind.“ Die Bälle könnten dank der Wände schließlich nicht so weit wegrollen. Es würde sich schnell ein Erfolgserlebnis einstellen, erklärt der 27-Jährige - auch bei Menschen, die keine Vorerfahrung mit Tennis oder Squash hätten, obwohl diese natürlich von Vorteil sei.
Auf den drei Plätzen in Büsnau wird das ganze Jahr über gespielt, auch im Winter, es sei denn, es liegt Schnee oder ist durch Regen arg rutschig. Immer Dienstag- und Donnerstagmittag trainiert der Hochschulsport der Uni Stuttgart mit Trainer Dominik Sülzle. Ansonsten kann sich jede:r über die Webseite einen Platz buchen. Vor 16 Uhr kostet das 24 Euro pro Platz, danach 30 Euro. Bei gutem Wetter sei es, laut Maximilian, ratsam bereits eine Woche im Voraus zu buchen.
Sobald es dunkel wird, beleuchtet Flutlicht die Plätze. „Das sind die coolsten Stunden“, sagt Maximilian, der eigentlich vom Tennis kommt. „Die Leute sind nach ihrem Feierabend entspannt, es ist gute Stimmung.“ Sogar Spieler vom VfB seien schon mal da gewesen und hätten eine Runde gezockt. In einem Automaten stehen Schläger und Bälle sowie kalte Getränke zur Verfügung, die geliehen und gekauft werden können. „Man muss wirklich nichts mitbringen außer Sportklamotten“, so der 27-Jährige, der sogar seine Abschlussarbeit über Padel-Tennis in Deutschland geschrieben hat.
Neben der Anlage in Büsnau gibt es Indoor-Padel-Plätze in Filderstadt und Ostfildern und einen einzelnen Outdoor-Platz beim HTC Stuttgarter Kickers in Degerloch.