Hypnose Erklärungsversuche für die Wirkung der Hypnose

Von Christine Schickl 

Auf der Suche nach einer Erklärung, was genau während der Hypnose passiert, tappen die Forscher noch im Dunkeln. Seit ­etwa zehn Jahren kann man aber mit Geräten wie dem Magnetresonanztomografen (MRT) beobachten, welche Teile im Gehirn in der Trance beteiligt sind: in Hypnose ist der vordere zinguläre Kortex aktiv, der für die Aufmerksamkeit zuständig ist. Eher heruntergedimmt geht es im vorderen Gehirnlappen, dem präfrontalen Kortex zu: hier spielen sich Denken und Planen ab, die im Zustand der Hypnose weniger kritisch und offener für Suggestionen sind. Zusätzlich schaltet sich der Hinterhauptslappen ein, der visuelle Kortex, da während der Suggestion in der Hypnose Bilder angesprochen werden. Und es reagiert der Teil des Gehirns verändert, der für das Ich-Gefühl zuständig ist: der Präkuneus auf der Mitte des Schädels.

Anstelle des Alltags-Ichs kann ein anderes Ich aus dem Unterbewussten mobilisiert werden, das das Problem löst, wozu sich das Alltags-Ich außerstande sah. Unter Hypnose reagiert das Gehirn nicht mehr auf tatsächliche Reize, sondern auf Suggestionen und Imagination des Patienten.

Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung lassen sich sehr tief hypnotisieren. Besonders trancefähig sind all jene, die etwa beim Lesen alles um sich herum vergessen können. Etwa 60 bis 70 Prozent können in eine mitteltiefe Trance gehen, die für die Therapie ausreicht. Einige schaffen es erst nach einiger Übung, in Trance zu fallen. Und fünf Prozent gelten als gar nicht hypnosefähig. Die Prognosen für die Trancefähigen sind jedoch generell gut. 50 Prozent aller Patienten, die bei Revenstorf eine Raucherentwöhnung unter Hypnose gemacht haben, sind nach einem Jahr nicht rückfällig geworden. Nach einem Monat sind es fast 60 Prozent. „Das ist höher als bei den meisten anderen Methoden wie etwa der Akupunktur.“ Experten geben den Nadeln eine Erfolgsquote von 10 bis 15 Prozent.

Man kann auch an zwielichtige Trance-Therapeuten geraten

Wer in Trance ist, verlässt sein Alltagsbewusstsein, Suggestionen von außen werden leichter wahrgenommen. Im Körper entspannen sich die Muskeln, der Blutdruck und die Atemfrequenz sinken. Gegen Schmerzen hilft die Hypnose Revenstorf zufolge gut. Bei Alkoholikern ist die Therapie hingegen nicht angeraten. „Das ist zwar auch eine Sucht wie Nikotin, aber die Betroffenen sind meist nicht in einem stabilen sozialen Umfeld, sie können viele Dinge nicht mehr alleine meistern und haben ganz andere Baustellen“, sagt Revenstorf.

Bei der hypnotischen Trance wird die Ich-Struktur teilweise aufgelöst, sie wird durchlässiger für Erinnerungen aus der Vergangenheit. Gerät man in die falschen Hände, kann die Hypnose Schäden anrichten. „Menschen sind in diesem Zustand positiv zu beeinflussen, wenn es um die Heilung eines Traumas geht. Die Forschung aber zeigt, dass Erinnerungen manipulierbar sein können“, sagt Revenstorf.

Hypnose steigert daher keinesfalls die Verlässlichkeit von Erinnerungen, wohl aber die Illusion des Klienten, dass die Erinnerung korrekt ist – was bedenklich sein kann, wenn ein zwielichtiger Trance-Regisseur zugange ist. Hypnose kann also Zugang zu allem bieten, was wir im Gedächtnis gespeichert haben – auch zu traumatischen Erinnerungen. Das kann schwerwiegende Folgen haben. „Kurze Zeit nach einer Bühnenhypnose starb 2003 in England beispielsweise eine traumatisierte Frau, die als Kind einen schweren Stromschlag erlitten hatte, weil sie der Hypnotiseur mit den Worten retraumatisierte: ,Und nun fühlen Sie sich, als ob 12 000 Volt durch Ihren Körper jagen‘“, erzählt Revenstorf. Der Fall ging damals durch die bunten Blätter. Ein Gericht, das sich mit dem Fall beschäftigte, konnte den Zusammenhang zur Showhypnose jedoch nicht eindeutig nachweisen. „Dennoch sollte man sich nur von klinisch geschulten Therapeuten behandeln lassen, die eine diagnostische Einschätzung vornehmen können“, sagt Revenstorf. Jeder seiner Hypnosen geht zwingend eine ausführliche Anamnese voraus.

Seit den 50er Jahren gibt es Wirksamkeitsstudien zur Hypnose. Aber erst seit 2006 gilt die Methode für bestimmte Anwendungsgebiete als offiziell anerkannt. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und der Milton-Erickson-Gesellschaft für klinische Hypnose wurde 2003 beim wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie der Bundesregierung ein Antrag zur Anerkennung der Hypnotherapie eingereicht, der von der Arbeitsgruppe von Dirk Revenstorf an der Universität Tübingen erstellt wurde. Seitdem ist sie etabliert.

Hypnosekritiker gibt es dennoch. Dirk Revenstorf ist zu entspannt, um sich darüber zu ärgern, wenn er in die Esoteriker-Ecke gestellt wird. Sein Vater war Heilpraktiker, der Großvater Arzt. „Und ich war Chemiker, dann Statistiker und habe dann Psychologie studiert.“ Innerhalb der Psychologie sei Hypnose eine Art Naturheilverfahren. „Ich habe sozusagen eine Delegation meiner Vorfahren übernommen, und bin Psychotherapeut geworden“, sagt er. Dazu braucht er kein Pendel, kein Räucherstäbchen und kein Publikum.