Hyundai i30 Bitte nicht auffallen

Von Paul-Janosch Ersing 

Mit dem i30 will Hyundai sein Stückchen vom Golf-Kuchen vergrößern. Der Fünftürer orientiert sich am Platzhirsch von Volkswagen. Das ist kein Fehler.

Der neue i30 von Hyundai wird in Tschechien gebaut. Foto: Hersteller
Der neue i30 von Hyundai wird in Tschechien gebaut. Foto: Hersteller

Die Zeiten, in denen die südkoreanische Marke ihre Autos ausschließlich über den Preis verkaufte, sind längst vorbei. Schon im Jahr 2013 ergaben Kundenbefragungen, dass der Kaufgrund Nummer eins hierzulande das Design sei. Doch wie verlässlich sind solche Erkenntnisse der Marktforschung? Design ist bekanntlich Geschmacksache, über Design lässt sich trefflich streiten. Zweifellos hat das Team um GestaltungsGuru Peter Schreyer, verantwortlich für die Pinselstriche bei Hyundai und Kia, ein ansehnliches Fahrzeug auf die Straße gestellt – aber ein besonders herausragendes Stück Automobildesign ist der i30 nicht. Er glänzt eher verdächtig durch Unauffälligkeit.

Die herausgearbeitete Schulterlinie an den Flanken erinnert an die nüchterne Designsprache der Volkswagen-Konzernmarken. Dem Kundenkreis, für den der i30 gemacht ist, dürfte das gefallen. Nicht ohne Grund bewirbt die Hyundai-Europazentrale das neue Modell mit dem Slogan „The new people’s car“, auf gut Deutsch „Der neue Wagen des Volkes“.

Schar von Assistenten zu Hilfsdiensten bereit

„Wenn uns Menschen auf der Liste haben, die sich einen Golf kaufen wollen, sind wir zufrieden“, macht Markus Schrick, Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland, keinen Hehl aus der ziemlich durchschaubaren Wir-hätten-da-eine-Alternative-Strategie seines Unternehmens: „Wir wollen eine echte Alternative zu Volkswagen sein.“ Der Plan scheint aufzugehen: Hyundai hat sich trotz leicht rückläufiger Verkaufszahlen im vergangenen Jahr unter den Importeuren einen Podestplatz gesichert und steht in Deutschland derzeit hinter Skoda und Renault auf Rang drei.

Fast zehn Zentimeter breiter als bisher kommt der neue Fünftürer daher. Die übrigen Außenmaße bleiben gegenüber dem Vorgänger nahezu unverändert, der Radstand ist mit 2,65 Metern sogar identisch. Mit 4,34 Meter Länge überragt der i30 den Golf um acht Zentimeter, beim Gepäckraum liegt er mit 395 Litern immerhin 15 Liter über dem Wert des VW.

Ähnlich wie bei den kompakten Modellen von Mercedes-Benz thront auf der Armaturentafel ein zentraler Bildschirm für Bordunterhaltung und Navigation im Sichtfeld des Fahrers – jedoch mit einem feinen Unterschied: Er ist berührungsempfindlich und kann wahlweise über die rechts und links angebrachten Drehknöpfe und Tasten oder per Fingerzeig bedient werden. Logische Menüführung und flüssig laufendes System machen den Umgang mit ihm angenehm. Die Klimaanlage wird über ein eigenes Bedienfeld mit klassischen Schaltknöpfen gesteuert. Eine Schar elektronischer Assistenten steht zu Hilfsdiensten bereit, viele davon zählen bereits beim Basismodell zur Serienausstattung: Müdigkeitswarner, aktive Spurhaltehilfe, Fernlichtautomatik, Berganfahrhilfe sowie eine kamerabasierte CityNotbremsfunktion (bis Tempo 75 km/h). Für die höheren Ausstattungen mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis 1900 Euro) bietet Hyundai einen radargestützten Abstandstempomat, der das Auto im Stop-and-go-Verkehr bis zum Stillstand abbremsen und wieder beschleunigen kann. Der neu entwickelte 1,4-Liter-Turbobenziner (103 kW/140 PS) ließ auf ersten Testfahrten erfreulich wenig von sich hören und sorgte auch auf ansteigenden Strecken für ausreichend Schub. Lediglich die nicht ganz so knackige Sechsgang-Schaltung trübte die ansonsten tadellosen Fahreindrücke. Der mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gut harmonierende 1,6-Liter-Diesel mit 100 kW (136 PS) Leistung klang auf den ersten Metern etwas kernig, ging aber nach dem Warmwerden zurückhaltend zu Werke.

Hyundai nutzt den Modellwechsel zu einer sanften Preiserhöhung: Verglichen mit dem Vorgänger werden für den neuen i30 – je nach Ausstattung – mindestens 300 Euro mehr verlangt. Markus Schrick hat dafür eine einfache Erklärung: „Das neue Auto kostet mehr, aber es ist ja auch mehr drin.“ Künftig beginnt die Preisliste bei 17 450 Euro für das Basismodell mit einem 73 kW (100 PS) starken 1,4-Liter-Benzinmotor. Klimaanlage, Radio sowie Sicherheits- und Fahrassistenzsysteme gehören hier schon zum Serienumfang. Der günstigste Diesel (70 kW/95 PS) kostet 21.300 Euro. Das kleine i in der Modellbezeichnung steht laut Hyundai übrigens für Inspiration, könnte im Falle des i30 aber auch ebenso für indiskrete Nachahmung stehen.

HYUNDAI

Bei den Verkaufszahlen 2016 führt das Kompakt-SUV Tucson vor dem Winzling i10, der nun abgelösten i30-Modellgeneration und dem Kleinwagen i20. Das vergangene Jahr war für die deutsche Hyundai-Zentrale kein leichtes, denn mit 107.228 Neuzulassungen wurden 1200 Autos weniger angemeldet als im Vorjahr. Geschäftsführer Markus Schrick erkennt darin keinen Abwärtstrend: „Mit dem neuen i30 werden wir unsere Bekanntheit steigern und noch mehr Menschen für unsere Marke interessieren.“

In der Tat hat Hyundai trotz millionenschwerer Werbeverträge mit FußballGroßveranstaltungen wie der Weltmeisterschaft noch Nachholbedarf beim Thema Bekanntheitsgrad: Lediglich 18 Prozent der Bundesbürger geben an, Hyundai zu kennen. Im weiteren Jahresverlauf ergänzen ein Kombi, ein PS-starkes N-Modell und eine als Fastback bezeichnete Karosserievariante die i30-Familie. Auf der IAA in Frankfurt wird Hyundai zudem einen kleinen Hochbeiner sowie die Plug-in-Version des Ioniq präsentieren.