i-Punkt soll Marktplatz aufwerten „Haus des Tourismus“ im Breitling-Gebäude?
Der Marketing-Chef Armin Dellnitz hofft auf die Realisierung eines großen i-Punkts am Marktplatz. Die bisherige Anlaufstelle könnte ins Bahnhofsgebäude umziehen.
Der Marketing-Chef Armin Dellnitz hofft auf die Realisierung eines großen i-Punkts am Marktplatz. Die bisherige Anlaufstelle könnte ins Bahnhofsgebäude umziehen.
Stuttgart - Das Gebäude der Modefirma Breitling am Marktplatz soll die zentrale Anlaufstelle für Touristen aus aller Welt in Stuttgart werden. Das wünscht sich zumindest Armin Dellnitz, der Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH und der Regio Stuttgart Marketing GmbH. Außerdem soll im „Haus des Tourismus“ auch die Verwaltung mit rund 55 Mitarbeitern untergebracht werden, die derzeit in angemieteten Räumen am Rotebühlplatz arbeitet. Mit dem Besuchermagneten könne man vermutlich auch die Gastronomie in der näheren Umgebung fördern.
Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) stehe dem „Haus des Tourismus“ aufgeschlossen gegenüber, so Dellnitz, der deswegen das Problem etwaiger hoher Mieten für lösbar erachtet. Auch bei den Fraktionen traf er mit diesem Vorhaben zur Belebung des Marktplatzes auf positives Interesse. Ihnen präsentierte er zwei Ideenskizzen, wie das Gebäude mit einem Umbau verändert werden kann. Diese Entwürfe dienten aber nur dazu, „ersten Nutzungsüberlegungen ein Gesicht“ zu geben.
„Sollte die Familie Breitling Interesse haben, mit uns einen Mietvertrag einzugehen, und sollte die Stadt ebenfalls dem Projekt zustimmen, werden wir uns sowieso mit unterschiedlichen Fassadenentwürfen und Gebäudestrukturen beschäftigen“, so Dellnitz auf Anfrage unserer Zeitung. Zunächst benötige er aber die Zustimmung, „erst dann können wir loslegen“. Allerdings sei die Stadt nicht die einzige Bewerberin. Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Firma Breitling, die ihren Geschäftsbetrieb Ende des Jahres nach 71 Jahren beendet, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Aktuell steuern die Touristen und Einheimische, die sich gerade in Corona-Zeiten verstärkt über Attraktionen in der Region und im Land erkundigen, den i-Punkt am Flughafen, vor allem aber jenen in der Königstraße 1 an. Sollte das Projekt am Marktplatz umsetzbar sein, wäre es laut Dellnitz vorstellbar, diese Anlaufstelle zu verkleinern, „ihn somit auf den Servicebedarf am Hauptbahnhof anzupassen“. Der Mietvertrag dort läuft Ende 2022 aus, dort sind der Abriss und ein Neubau vorgesehen. Eine Option sei, mit einem i-Punkt direkt in den Hauptbahnhof hineinzugehen. Das setze aber einen vergleichbar zentralen und stark frequentierten Standort voraus. Er stehe mit der Bahn bereits im Austausch.
Dellnitz sagt, er trage sich seit einem halben Jahr mit der Idee eines zentralen Tourismuszentrums und sei mit der Familie Breitling in konstruktiven Gesprächen. Es gebe aber noch keinen Vertragsentwurf, er brauche erst einmal einen Gemeinderatsbeschluss. Der Marketingchef sagt, er habe den Anspruch, ein „Haus des Tourismus“ zu etablieren, „das es so noch nicht gibt“ – einen Erlebnisbereich, natürlich mit digitalen Elementen, „wandelbar und überraschend“. Auch Einheimischen soll dieser Treffpunkt Impulse für Ausflüge und Besichtigungen in der näheren Umgebung vermitteln. „Die Zeit schreit förmlich nach Naherholung“, sagt Dellnitz. Sein Projekt sei „das Sahnehäubchen“ auf die Neuordnung des Marktplatzes, der derzeit einen neuen Belag bekommt. Und der heute tiefergelegte Brunnen soll angehoben werden.
Die Fläche war seit der Schließung des Café Scholz 2014 und des Ratskellers 2016 gastronomisches Niemandsland. Im Oktober hat die Systemgastrokette Cotidiano eine Zweigstelle in der ehemaligen Landesbankfiliale im Breuninger-Gebäude eröffnet. Wie die Firma Dinkelacker-Schwabenbräu, die den umgebauten Ratskeller betreiben wird, bietet auch das Münchner Franchiseunternehmen Außengastronomie auf dem Marktplatz.
Auf eine Frequenz von 400 000 Besuchern im Jahr würde Dellnitz die Frequenz in seinem Touristikzentrum schätzen, wo alle Fremdenführungen beginnen und enden würden. Allein damit könnte man die Gastronomie in der näheren Umgebung glücklich machen.
Auch die Wirte rund um den Hans-im-Glück-Brunnen würden wohl jubeln, vor allem aber Matthias und Lorenz Grohe (Vater und Sohn), die wenige Meter vom Marktplatz entfernt im Erdgeschoss des an der Stelle der Rathausgarage errichteten Gebäudes ihr Restaurant Malo betreiben wollen. Der Wirtschaftsausschuss hat – gegen die Stimmen des Linksbündnisses und der Puls-Fraktion – einem Zuschuss von 377 000 Euro für den eine Million Euro teuren Innenausbau zugestimmt. In den Bewerbergesprächen sei deutlich geworden, dass die Gastronomen nicht in der Lage seien, die geforderten Investitionen für den Ausbau und die Ausstattung der Gastrofläche vollständig zu übernehmen, begründet die Stadt die Finanzspritze.
Sie präferierte bei der Vergabe Grohe, weil er als früherer Betreiber der Großraumdiskothek Marquardts am Schlossplatz mit Stuttgart vertraut sei und als einer von drei Geschäftsführern des Turmbräus am Freudenstädter Marktplatz über langjährige Erfahrung verfüge.
Das Restaurant (europäische Küche mit regionalen Produkten) in der Eichstraße verfügt innen und außen über je 150 Plätze. Den Stadträten wurde eine Animation mit vielen Pflanzen im Restaurant präsentiert. Die Staffelmiete beträgt anfangs 7000 Euro monatlich, ab dem dritten Jahr sind dann 16 790 Euro fällig. Das Mietverhältnis beginnt am 2. Januar, die erste Miete ist dann im August fällig.