IAA in Frankfurt Die Autobranche zeigt Selbstbewusstsein

Es wird eine starke IAA, sagt Matthias  Wissmann, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Foto: dapd 47 Bilder
"Es wird eine starke IAA", sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Foto: dapd

Mit einem „Feuerwerk an Innovationen“ wollen die Automobilhersteller auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) der Krise trotzen.

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Frankfurt a. M. - Matthias Wissmann strahlt, wie immer. Obwohl außerhalb der Frankfurter Messehallen die Sorgen um Griechenland und den Zusammenhalt der Eurozone gerade die Aktienmärkte wieder einmal auf Talfahrt schicken, präsentiert sich der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA) in bester Laune. "Es wird eine starke IAA", weiß Wissmann, dessen Verband zum 64. Mal die "weltweit wichtigste Mobilitätsmesse" veranstaltet, schon jetzt. Offiziell wird sie am Donnerstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet, bis zum 25. September werden mindestens 800.000 Besucher erwartet.

Mit einem "Feuerwerk an Innovationen", 89 Weltpremieren der Autohersteller und 94 Weltpremieren der Zulieferer will die Branche beweisen, dass sie gewillt ist, der Krise zu trotzen. Der schnelle Wiederaufstieg nach der Krise vor zwei Jahren hat vor allem den deutschen Autobauern neues Selbstbewusstsein gegeben

Keiner rechne in der Industrie gegenwärtig mit einer neuen tiefen Rezession, betont Wissmann. Und selbst wenn der Absatz in Westeuropa oder den USA wieder ins Stocken geraten sollte, dann sind zumindest die Autos made in Germany in vielen Ländern der Welt so sehr gefragt, dass BMW, Mercedes, Audi, Porsche oder VW sich keine großen Sorgen um ihre nähere Zukunft machen müssen.

Weltweit ist die Autoindustrie zuversichtlich

Bis jetzt jedenfalls läuft der Motor auf Hochtouren. Im ersten Halbjahr sind die Exporte um 10,2 Prozent auf 2,3 Millionen Neuwagen gestiegen - und dies, nachdem die Ausfuhren schon 2010 um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009 gewachsen waren. Vor allem die Chinesen sind der große Wachstumsträger für die deutschen Autobauer.

Zwar rangiert China mit 151.000 verkauften deutschen Fahrzeugen im ersten Halbjahr der Menge nach nur auf Platz fünf der Absatzstatistik, doch gibt vor allem die wachsende Mittelschicht dort überdurchschnittlich viel Geld aus, um ein deutsches Auto zu fahren. 37.000 Euro ist den Chinesen ein Mercedes, Audi oder VW im Durchschnitt wert, US-Amerikaner geben im Schnitt knapp 26.000 Euro für einen "German car" aus. Dem Wert nach liegt China deshalb auf Rang drei der Exporthitliste der Automobilfirmen.

Auch weltweit ist die Autoindustrie durchaus zuversichtlich. Insgesamt soll die Zahl der weltweit verkauften Pkws nach Expertenschätzungen in diesem Jahr um gut zwei Millionen auf rund 70 Millionen steigen. Die Hersteller rund um den Globus dürften dabei laut Unternehmensberatung McKinsey erstmals wieder so viel Gewinn einfahren wie 2007: fast 60 Milliarden Dollar (rund 42 Milliarden Euro). Eine Abschwächung in der zweiten Jahreshälfte wäre keine Überraschung, denn allein aus statistischen Gründen werden die Zuwächse nach dem starken Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2010 bis zum Jahresende geringer ausfallen.

Die Besucher erwarten viele Teststrecken

Durchwachsener sind die Aussichten allerdings für 2012. Während etwa der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in seiner Prognose davon ausgeht, dass das nächste Jahr zum einem Jahr der Stagnation wird, halten andere Fachleute nur eine weitere Abschwächung des Wachstums für wahrscheinlich. Willi Dietz vom Institut für Automobilwirtschaft geht davon aus, dass der weltweite Automobilmarkt bis zum Jahr 2025 weiter um vier Prozent pro Jahr im Schnitt wachsen wird. Allerdings wird sich das Schwergewicht dabei noch stärker in Richtung Asien verschieben. 2025 würden mehr als die Hälfte der Pkws auf asiatischen Märkten verkauft, während der Anteil Europas von heute 29 auf 18 Prozent sinken wird, schätzt Dietz.

Auf der IAA werden die Hersteller zeigen, mit welchen Konzepten sie die Mobilität der Zukunft gestalten wollen. "Wir wollen deutlich machen, dass die Mobilität von morgen einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, die weit über die bisherigen Grenzen von einzelnen Industriezweigen hinausführt", betont VDA-Präsident Matthias Wissmann. Es reicht eben nicht, wenn die Autohersteller neue Antriebe wie den Elektromotor entwickeln. Um die Elektromobilität voranzubringen, sind sie nicht nur auf die Zusammenarbeit mit den Zulieferern, sondern auch auf die Kooperation mit Energiekonzernen, der Chemieindustrie, Technologiefirmen oder Hochschulen angewiesen.

Damit die Besucher, die von Samstag an aufs Messegelände strömen dürfen, möglichst viel von der Zukunft der Automobilität "erfahren" können, haben so viele Hersteller wie nie zuvor Teststrecken auf dem Gelände eingerichtet. An Spektakel soll es bei der Frankfurter Schau um das liebste Kind der Deutschen natürlich auch nicht fehlen. Von Politikern bis zu Formel-1-Größen oder Showtalenten hat sich viel Prominenz angekündigt. Und die Messegastronomie hat sich ebenfalls auf den Ansturm vorbereitet: 300.000 Würstchen, 150.000 Kilo Pommes frites und 150.000 Liter Bier warten auf die Autofans.

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