IBA 2027 StadtRegion Stuttgart Lust auf die IBA – und offene Fragen

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Nachdem sich Vertreter von Land, Region und Stadt für eine Internationale Bauausstellung 2027 in Stuttgart und der Region ausgesprochen haben, geht es um konkrete Vorarbeiten – beispielsweise die Gründung eines Projektbüros.

OB Fritz Kuhn hat Lust auf die IBA: „Sie ist sogar noch gewachsen.“ Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky
OB Fritz Kuhn hat Lust auf die IBA: „Sie ist sogar noch gewachsen.“ Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Kurz nach halb neun an diesem Abend muss Walter Rogg dringend raus. Vor den Wagenhallen steckt sich der Chef der regionalen Wirtschaftsförderung zufrieden eine Pfeife an. Es ist zwar kein weißer Rauch, der aufsteigt, dennoch signalisiert die entspannte Schmauchpause: Es ist geschafft.

Zwar müssen die Regionalversammlung, der Stuttgarter Gemeinderat und andere Gremien noch offiziell zustimmen, doch an diesem Dienstagabend haben sich Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, Regionalpräsident Thomas Bopp und Oberbürgermeister Fritz Kuhn so klar hinter die IBA gestellt, dass sich kaum einer ein Scheitern noch vorstellen kann. Für viele wird das eine Herausforderung, deren Ausmaß heute noch nicht zu überschauen ist, gilt die IBA doch – oft zitiert – als „Ausnahmezustand auf Zeit“.

„Die Bereitschaft, eine IBA zu machen, ist vorhanden“, bilanzierte Bopp, der im selben Atemzug aber daran erinnerte, dass die IBA keine Immobilienmesse sei, sondern ein zehn Jahre dauernder Prozess. „Wir müssen in der Bevölkerung die Akzeptanz für neue Bauformen wecken“, sagte er, wohl wissend, dass Neubauten heute auf öffentlichen Widerstand stoßen. Es müsse groß gedacht und geplant werden, mit dem Anspruch, Lösungsansätze zu finden, die weltweit einmalig seien, forderten Rogg und Markus Müller, der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg.

„Es geht nicht um ein paar Ökohäuser mehr oder weniger“, sagte Rogg, der die „wagemutige Idee“ formulierte, dass am Ende der IBA eine „Charta von Stuttgart über den Städtebau des 21. Jahrhunderts in polyzentrischen Regionen“ stehen könnte. Müller spannte den Bogen bis nach Afrika. Auch auf das dortige Bevölkerungswachstum und den massenhaften Zuzug in Millionenstädte müsse eine IBA zukunftsweisende Antworten geben, wenn sie das Wort international zurecht in ihrem Namen tragen wolle.

Bis zum Frühjahr 2017 geht es um konkrete Beschlüsse

Doch auch nach innen wirkt der IBA-Prozess bereits. Die intensive Vorarbeit mit mehr als 500 Beteiligten beweise „den Optimismus und die Innovationskraft“, die in der Region eben auch herrschten, sagte Müller. Und selbst der für öffentliche Gefühlsausbrüche nicht bekannte Oberbürgermeister Fritz Kuhn wiederholte sein Bekenntnis, ja, er habe Lust auf die IBA, „sie hat sich gehalten und ist noch gewachsen.“

Wie weit diese Aufbruchstimmung trägt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Bis zum Frühjahr 2017 stehen nicht nur grundsätzliche Entscheidungen pro IBA an, es wird auch um konkrete Beschlüsse gehen. Nachdem die regionale Wirtschaftsfördergesellschaft den bisherigen IBA-Prozess zumindest personell aus dem Bestand stemmen musste, steht nun die Gründung eines Projektbüros bevor. „Darüber werden wir nun reden müssen“, sagte Bopp. Dabei geht es einerseits um die Organsiationsform, in erster Linie also darum, wie Region, Stadt Stuttgart, andere Kommunen, aber auch Dritte wie Architektenkammer, Universitäten, Wirtschaft und die interessierte Öffentlichkeit daran beteiligt werden.

Aber es geht auch um das Personal – und die Finanzierung. Bisher hat nur der Verband Region Stuttgart im noch nicht beschlossenen Etat 2017 dafür Ausgaben in Höhe von 357 000 Euro eingestellt, ob und wie sich die Stadt Stuttgart und Dritte, etwa das Land, beteiligen, ist noch offen. „Wir loten die Möglichkeiten aus, wie das Land die IBA unterstützen kann“, sagte dazu nur Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut, was bei den anderen Beteiligten die Hoffnung nährte, dass namhafte Zuschüsse zu erwarten sind. Da das Projektbüro möglichst rasch seine Arbeit aufnehmen sollte, wird hinter den Kulissen nach einem schnell umsetzbaren Finanzierungsmodell gesucht.

Doch das ist nur eine von vielen Fragen, mit denen sich die IBA-Macher in nächster Zeit beschäftigen müssen. „Die Mühen der Ebene kommen“, weiß Rogg. Die Pfeife bleibt in Gebrauch – auch zur Beruhigung.

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