Die evangelische Kirche befindet sich mitten in der Umstrukturierung. Vor allem die stark sinkenden Mitgliederzahlen, zurückgehende Kirchensteuern und reduzierte Pfarrstellen machen es notwendig, sich auch von einigen Immobilien zu trennen und sich in den Gemeinden neu aufzustellen.
So auch in Stuttgart-Feuerbach. Mitte/Ende der 1970er Jahre zählte man noch rund 15 000 Mitglieder. Aktuell sind es etwa 5000. Und bis zum Jahr 2035 rechnet man mit nur noch 3400. Deshalb machen sich die Verantwortlichen vor Ort schon seit dem Jahr 2010 Gedanken, wie man sich in Feuerbach für die Zukunft wappnen kann.
Der Sanierungsstau bei den kirchlichen Gebäuden betrug 2018 über fünf Millionen Euro. „In einem schwierigen und sehr schmerzhaften Prozess wurde ein Gebäudekonzept entwickelt, das langfristig den Bestand und die finanzielle sowie personelle Arbeitsfähigkeit der Kirchengemeinde sichert. Festgelegt ist, von welchen Gebäuden die Kirchengemeinde sich trennen muss und welche saniert werden“, heißt es auf der Internetseite der Feuerbacher Gemeinde. Erhalten bleiben die Gustav-Werner- und die Stadtkirche. Letztere soll der Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde in Feuerbach werden. Verkauft sind inzwischen die Luther- und die Föhrichkirche.
Ein Ort für alle Menschen soll entstehen
Der Erlös wird investiert. Das stark sanierungsbedürftige Gemeindehaus an der Stadtkirche soll in neuem Glanz erstrahlen. Die Kirche St. Mauritius wurde erstmals im Jahr 1075 urkundlich erwähnt und ist somit die älteste Kirche in Feuerbach. Nach mehrmaligen Beschädigungen, Ausbesserungen und Umbauten wurde 1789 der Abbruch der Kirche beschlossen. Ein Neubau folgte, der mittlerweile unter Denkmalschutz steht. 1932 wurden schließlich Gemeinderäume angebaut, die 1971 nochmals um einen zweigeschossigen Flachbau erweitert wurden. Dort, in der obersten Etage, liegt der Gemeindesaal mit seinen Nebenräumen, die alle nicht barrierefrei zugänglich sind.
Dieser Zustand wird sich ändern. Entstehen soll nicht nur ein neues Gemeindehaus, mit Saal für 100 Personen, in dem gesungen, getanzt und kleinere Gottesdienste abgehalten werden sollen, sondern „ein Ort für alle Menschen. Offen, freundlich, einladend: ein Zentrum, an dem Spiritualität, Kultur und Gemeinschaft, Zukunft und Tradition zusammentreffen“, formulierten im Jahr 2019 Gemeindemitglieder und das Projektteam ihre Wünsche.
Abriss oder Kernsanierung?
„Uns ist es wichtig, dass das Gemeindehaus ein Haus der Begegnung mit Strahlkraft für alle Feuerbacherinnen und Feuerbacher wird“, sagt Karen Wittmershaus, Vorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinde Feuerbach. Die bestehenden Räume können dieser Rolle nicht gerecht werden.
Ob nun abgerissen, neu gebaut oder im Bestand kernsaniert wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Entscheidung fällt im weiteren Prozess. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgelobt, in dem abgewogen wird, ob der Erhalt von Gebäudeteilen möglich und sinnvoll ist, um den ökologischen, baulichen Fußabdruck minimal zu halten. „Wir treten für die Bewahrung der Schöpfung und somit für einen angemessenen Umgang mit der Umwelt ein“, sagt Pfarrer Jens Keil. Die Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg habe sich verpflichtet, bis Ende 2040 die Netto-Treibhausgas-Neutralität zu erreichen.
Ein Vorreiterprojekt für andere Kirchengemeinden, die sich ebenfalls neu aufstellen müssen? Für die Verantwortlichen der Internationalen Bauausstellung 2027 in Stuttgart (IBA’27 GmbH) trifft das zu. Der ehemalige Bezirksvorsteher von Feuerbach, Johannes Heberle, hatte den Kontakt hergestellt. „Auch für die IBA’27 sind nachhaltige und innovative Architektur, Orte der Begegnung sowie die Einbindung der Öffentlichkeit in den Planungsprozess feste Größen in der heutigen Stadtentwicklung, und so freuen wir uns, dass wir nun Teil des IBA-Netzwerkes sind“, sagt Keil.
Einweihung könnte 2028 gefeiert werden
Bei der evangelischen Kirche ist man sehr froh, die Unterstützung der IBA-Mannschaft zu haben. Unter anderem hilft sie fachlich bei der Betreuung des Projekts und moderiert den Beteiligungsprozess des Architekturwettbewerbs, der Anfang des Jahres gestartet ist und im Juli enden wird. Zunächst haben zehn Architekturbüros Skizzen eingereicht, aus denen die Jury vier Büros für die nächste Runde auswählt. In der zweiten Phase arbeiten diese ihre Konzepte weiter aus, bevor die Jury den Gewinner kürt. Vor den beiden Jury-Sitzungen werden die Skizzen und Konzepte jeweils etwa 60 interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Diese können die Entwürfe diskutieren, ihre Meinungen einbringen und so aktiv zur Gestaltung des neuen Gemeindehauses beitragen. Die Ergebnisse der Diskussionen werden dokumentiert und der Jury übermittelt.
„Mein Traumziel wäre es, am 1. Advent 2027 die Einweihung feiern zu können“, sagt Keil. Realistisch sei allerdings eher ein Termin im Jahr 2028. Aktuell geht man in Feuerbach davon aus, dass das neue Gemeindehaus rund sechs Millionen Euro kosten wird. „Wir haben das Geld noch nicht zusammen“, betont der Pfarrer. Eine Fundraising-Kampagne soll dabei helfen, weitere finanzielle Mittel zu erwirtschaften.