In Winnenden soll zwischen Bahnhof und B 14 für die Internationale Bauausstellung im Jahr 2027 ein produktives Quartier entstehen. Studenten zeigen nun erste Entwürfe dazu.

Region: Anja Tröster (aja)

Mit dem Baustoff Holz alleine, so der Architekturprofessor Tom Kaden von der TU Graz, lässt sich die Welt zwar nicht retten. Aber sie lässt sich mit Holz – vorausgesetzt, genug davon ist lieferbar – nachhaltig und schön zugleich gestalten.

Ein Gewerbegebiet mit viel Grün und Platz für Erholung

Wie das aussehen könnte, zeigte eine Gruppe von Tom Kadens Studenten am Donnerstag in der Aula der Albertville-Realschule in Winnenden. Dort präsentierten sie anhand eines detaillierten Modells ihre Ideen für ein neues „produktives Quartier“, das auf dem 5,5 Hektar großen Areal zwischen Bahnhof und B 14 entstehen könnte. Der preisgekrönte Rahmenentwurf für das Areal stammt von dem Frankfurter Büro Jott architecture and urbanism. Die Studenten durften ihn im Rahmen eines Projektes der Internationalen Bauausstellung mit Leben füllen.

Rund 300 Wohneinheiten sieht der Entwurf vor, dazu bis zu 3000 Arbeitsplätze. Zugleich aber soll das Viertel weitgehend autofrei bleiben. Für die Studenten ist das kein Widerspruch: Werkhallen für lautere Produktionsstätten platzierten sie von der Stadt weit entfernt am Rand der B 14. Besucher, die von der Innenstadt über den Bahnhof ins Viertel kommen, gelangen – wie Studentin Nele Göpfert erläuterte – zunächst auf einen belebten Platz, an dem sich ein Bürgerhaus und Bürogebäude befinden könnte. Von diesem Platz aus erschließt dann eine breite Flaniermeile das Viertel, in dessen Zentrum die Studenten auch ein Heim für betreutes Wohnen und eine Kita platziert haben. Zwei weitere Plätze, Dachgärten und mehrere große grüne Binnenflächen bieten Platz für Erholung. Ein Teil der Nahrung, die die Bewohner und die Restaurants brauchen, soll direkt im Viertel angebaut werden.

Handwerkerhöfe wie im Stuttgarter Altbauviertel

Die vielleicht ungewöhnlichste Idee steckt im Detail: Gewerberäume sind beispielsweise in einem der Entwürfe nach innen angeordnet. So entstehen Innenhöfe, in denen man Handwerkern beim Arbeiten zuschauen könnte. Die Wohnungen in den Stockwerken darüber orientieren sich dagegen nach außen ins Grüne – so wollen die Studentinnen mögliche Konflikte wegen Lärm von vorneherein minimieren.

Für Andreas Hofer, Intendant der IBA, ist der Entwurf eine gelungene Auseinandersetzung mit der Frage, wie Leben in der Zeit nach der Pandemie aussehen könnte. Das „produktive Viertel“ werde deshalb in ganz Europa diskutiert, sagt Hofer. Mit der IBA habe die Region die Chance, eine ganz eigene Antwort auf diese Frage zu finden – eine, die Industrie und Natur zugleich gerecht werde.

Die ersten Einzugswilligen haben schon ihr Interesse bekundet

Zwar zeigten sich manche Anwohner aus der Schwaikheimer Straße angesichts des zu erwartenden zusätzlichen Verkehrs am Donnerstag skeptisch. Aber es können sich offenbar auch viele Winnender gut vorstellen, in solch ein Viertel zu ziehen. Markus Schlecht, Leiter des Stadtentwicklungsamtes, verzeichnete schon Anfragen von einzugswilligen Bürgern. Wann die Kräne stehen werden, steht aber noch nicht fest. Der Gemeinderat muss den Bebauungsplan erst noch beschließen. Sollte das wie geplant klappen, könnte laut Schlecht 2025 mit dem Bau der ersten Gebäude begonnen werden. Zur Eröffnung der IBA im Jahr 2027 könnte das Leben mit kurzen Lieferketten dann für einige Bewohner bereits Alltag sein.

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Wer die Ausstellung sehen möchte, hat dazu am Donnerstag, 19. Mai, sowie Dienstag, 24. Mai, jeweils um 19 Uhr die Möglichkeit (Voranmeldung an iba@winnenden.de)