IBA-Projekt Winnenden Herber Rückschlag für die großen IBA-Pläne

Das Winnender IBA-Quartier will Gewerbe und Wohnen in naturnaher Umgebung zusammenbringen. Illustration: Jott architecture & urbanism GbR

Winnenden stellt aus Finanzgründen das Baugebiet „Untere Schray“ zurück. Folglich wird vom Projekt der „Produktiven Stadt“ zumindest bis zur Internationalen Bauausstellung 2027 wohl nichts Konkretes zu sehen sein. Die Gründe sind vielschichtig.

Das Baugebiet „Untere Schray“ in Winnenden wird bis auf Weiteres zurückgestellt, heißt es lapidar im Beschlussvorschlag, für den sich der Winnender Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag entschieden hat. Das Baugebiet Schray ist aber nicht irgendein Vorhaben, sondern ein nach wie vor von IBA-Intendant Andreas Hofer hoch gelobtes und ambitioniertes Projekt namens „Produktives Stadtquartier“ für die Internationale Bauausstellung Stuttgart und Region (IBA 2027).

 

Zweistellige Millionenbeträge machen die Planung schwierig

Im Jahr 2020 wurde dafür ein internationaler Städtebauwettbewerb ausgeschrieben und Anfang 2021 entschieden. Das Büro Jott Architecture and Urbanism aus Frankfurt am Main wurde mit der Erstellung eines Rahmenplans beauftragt, der im Gemeinderat im Herbst 2022 vorgestellt und im März dieses Jahres auf den Weg gebracht wurde.

Je nach Szenario, so berichtete die Verwaltung jetzt, sei im Jahr 2025 beim „Worst-Case-Szenario“ ein Finanzierungsbedarf von bis zu 16,9 Millionen Euro und beim realistischen Szenario von 12,6 Millionen für eine Zwischenfinanzierung notwendig. Selbst völlig optimistisch gesehen werde der Betrag angesichts der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen bei gut zehn Millionen Euro liegen, sagt auf Nachfrage der Leiter des Stadtentwicklungsamts, Markus Schlecht.

Noch keine Bauträger, kein Investor

Zudem bestehe zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindliche Interessenbekundung eines Bauträgers oder Investors. Der anzunehmende kostendeckende Verkaufspreis für voll erschlossene Grundstücke liegt bei 1230 Euro je Quadratmeter. Vor dem Hintergrund der veränderten immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellten Bauträger derlei Projekte bereits zurück.

Insgesamt sei eine starke Verunsicherung in der Bauwirtschaft zu spüren. Die Einschätzung der Stadtverwaltung: „Die geplante Nutzungsmischung im Baugebiet ‚Untere Schray’ in Winnenden stellt ein weiteres Risiko dar, weil Erfahrungswerte für die Marktfähigkeit der geplanten Wirtschaftseinheiten nicht vorliegen.“

Kosten für die Stadt nicht finanzierbar

Die Idee einer IBA sei zwar, neue Wege zu gehen und neue Produkte am Markt zu erproben. Aber: „Sollte durch den ermittelten Verkaufspreis am Markt kein schneller Abverkauf der Grundstücke möglich sein, wäre dies für die Stadt Winnenden mit hohen finanziellen Belastungen verbunden.“

Das geplante Ergebnis in den Winnender Etats bis 2026 sei tendenziell ohnehin negativ. Die Stadt habe schlicht keine freien Mittel, mit denen zusätzliche Zins- und Tilgungsleistungen finanziert werden könnten. Die Folgerung: „Eine weitere Kreditaufnahme wäre nicht finanzierbar.“ Der Vorschlag für das weitere Vorgehen heißt beobachten, ob und wann sich die Rahmenbedingungen verbessern und im Bereich zwischen Marbacher und Schwaikheimer Straße kostengünstiger und mit weniger Risiko für die Stadt weitergeplant werden kann.

Die Stadt müsste, so erläutert Chef-Stadtplaner Markus Schlecht, im Etat 2025 realistisch gerechnet zwischen acht und zwölf Millionen Euro für Erwerb und Umlegung in den Haushalt stellen. Das sei momentan definitiv nicht machbar, zumal auch die Refinanzierung nicht gesichert sei.

OB Holzwarth: Pause für das Projekt

Allerdings wolle man, da stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung zwar in großer Mehrheit, aber bei einigen kritischen Stimmen bei, an dem ambitionierten Projekt festhalten, betonte Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Klar sei, dass das finanzielle Risiko momentan zu hoch sei. Das Projekt pausiere deshalb, werde aber nicht komplett auf Eis gelegt. Ziel sei es, das Konzept bis zum Start der IBA in dreieinhalb Jahren zur Planungsreife weiter zu entwickeln. Andernfalls wäre auch die knappe halbe Million Euro an bisherigen Planungskosten perdu. Holzwarth: „2027 werden wir Ideen vorzeigen, keine baulichen Fortschritte.“ Stadtplaner Schlecht könnte sich Pop-up-Installationen auf den Äckern im Gebiet „Untere Schray“ vorstellen.

Laut den ins IBA-Programm aufgenommenen Vorstellungen sollen sich dort unter dem Titel „Produktives Stadtquartier Winnenden – am Werkshof zu Hause“ Produktionshallen und Mehrfamilienhäuser zwischen Feldern und Wiesen verteilen. Geplant ist ein „ Areal in der Nähe des Bahnhofs – ein dichtes Quartier, das Gewerbe und Wohnen qualitätvoll und flächensparend zusammenbringt“. Wann dies nun Realität werden könnte? „Das wäre der Blick in Glaskugeln“, sagt Markus Schlecht. Er hofft auf bessere Bedingungen frühestens in zwei bis drei Jahren. OB Holzwarth hätte auch nichts dagegen, wenn IBA-Intendant Andreas Hofer noch einen Investor auftreibt.

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