Alles schön und bunt bei der Eröffnung des Technologiecampus im November – nun mischt sich wieder etwas Grau hinzu.. Foto: Stefanie Schlecht
Die neue IBM-Zentrale in Ehningen sorgt wieder für Schlagzeilen. Die Neubau-Projektgesellschaft hat erneut Insolvenz angemeldet. Was das für den Campus bedeutet.
Robert Krülle
02.03.2026 - 11:58 Uhr
Bei der Eröffnung des IBM-Campus im vergangenen November war die Erleichterung spürbar. Nach etlichen Verzögerungen in der Bauphase war der Neubau, die Deutschlandzentrale des Konzerns, endlich fertig geworden. Doch nun gibt es wieder einen Rückschlag. Die Projektentwicklung Technologiecampus Großraum Stuttgart GmbH, die den Neubau verantwortet hat und Eigentümerin ist, hat Insolvenz angemeldet – und das bereits zum zweiten Mal.
Schon im Sommer 2023, als das mehrteilige Gebäude noch am Werden war, hatte die Gesellschaft ihre Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen. Für einige Monate herrschte Stillstand auf der Baustelle in Ehningen. Damals konnte der amerikanische Großinvestor Oaktree Capital gewonnen werden, als Mitfinanzierer einzusteigen, wie die Dachgesellschaft Development Partner damals mitteilte – ab Frühjahr 2024 gingen die Bauarbeiten weiter.
Doch an diesem Mittwoch ist erneut ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Was aber dem Vernehmen nach weniger mit der finanziellen Lage als mit Konflikten hinter den Kulissen zu tun hat.
Wie zu hören ist, seien interne Streitereien zwischen den ursprünglichen und den neuen Finanzparteien und Gesellschaftern eskaliert. Offenbar konnte man sich unter anderem nicht einigen, wer wie viel vom Erlös abbekommen würde, wenn die Immobilie in Ehningen weiterverkauft worden wäre. Als Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Biner Bähr von der Kanzlei White & Case in Düsseldorf bestellt.
Gut für die IBM: Die Bauarbeiten am Campus sind quasi abgeschlossen, nur noch überschaubare Restarbeiten harren jetzt der Erledigung. Das Mietverhältnis läuft weiter und wird nun eben vom Insolvenzverwalter betreut. Der Arbeitsalltag in der Deutschland-Zentrale ist also von den Entwicklungen in der Projektgesellschaft nicht direkt betroffen – immerhin.
Das Projekt der IBM, in Ehningen die Deutschlandzentrale und das Forschungslabor in einem Neubau zusammenzuführen, ist von einigen Schwierigkeiten begleitet worden. Als die Bauarbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf dem rund sieben Hektar großen Grundstück begannen, sah noch alles gut aus. Die Vorfreude auf den Technologiecampus mit seinen vier Gebäudeteilen und einer Geschossfläche von insgesamt rund 56 000 Quadratmetern war groß.
IBM in Ehningen: Alte Deutschlandzentrale wird abgerissen
Für die benachbarte alte Deutschland-Zentrale gab es große Umbau-Pläne: „Quantum gardens“ sollte das neue Wohn- und Geschäftsviertel heißen. Doch dann setzte die US-Regierung den afghanischen Investor Haji Ajmal Rahmani und seine Ozean Group auf eine Sanktionsliste. Die Gemeinde Ehningen nahm Abstand von den Umgestaltungsplänen, die IBM verließ fluchtartig die alten Gebäude – die Mitarbeiter zogen vorübergehend ins Forschungslabor am Rauhen Kapf in Böblingen. Doch der geplante Umzug von Böblingen in den Neubau nach Ehningen verzögerte sich – unter anderem wegen der vorübergehenden Insolvenz der Projektgesellschaft. Die Belegschaft musste länger als gedacht am Rauhen Kapf ausharren.
Seit Jahresende ist die IBM dort ausgezogen. Damit ist eine bedeutende Ära Böblinger Industriegeschichte zu Ende: 65 Jahre lang befand sich am Rauhen Kapf eines der größten Entwicklungslabore der IBM außerhalb der USA. Demnächst kommen die Abrissbagger.
Alte IBM-Zentrale in Ehningen: Gigantisches Lego
Dann soll dort ein neuer Stadtteil entstehen. Der aus Böblingen stammende Investor Norbert Ketterer plant eine der größten Fertigbausiedlungen Deutschlands in Holz-Hybrid-Bauweise zu errichten. Dahinter steht das von Ketterer gegründete Unternehmen Nokera mit Sitz in Magdeburg: Dort werden die Gebäudeteile für die drei-, vier- und fünfgeschossigen Gebäude vorgefertigt und vor Ort in kurzer Zeit aufgebaut.
„Man muss sich das Prinzip vorstellen wie gigantisches Lego, aus dem sich verschiedene Gebäude erstellen lassen“, erläuterte Ketterer gegenüber unserer Zeitung. Rund 1000 Wohnungen will er dort in relativ kurzer Zeit hochziehen.