IBM-Campus in Stuttgart-Vaihingen Es gibt einen Publikumsliebling

Die Moderatorin Ute Kinn und der Geschäftsführer Markus Pärssinen informierten die Besucher in der ehemaligen IBM-Kantine unter anderem über das weitere Vorgehen im städtebaulichen Ideenwettbewerb. Foto: Alexandra Kratz
Die Moderatorin Ute Kinn und der Geschäftsführer Markus Pärssinen informierten die Besucher in der ehemaligen IBM-Kantine unter anderem über das weitere Vorgehen im städtebaulichen Ideenwettbewerb. Foto: Alexandra Kratz

Etwa 250 Bürger sind zur Dialogveranstaltung am Samstagnachmittag auf den IBM-Campus gekommen.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Vaihingen - Der Entwurf des Architekturbüros Steidle gefiel den Teilnehmern der zweiten Bürgerinformationsveranstaltung am besten. Nachdem die vier Büros, die es in den Vorentscheid geschafft hatten, ihre Pläne präsentiert hatten, durften die Teilnehmer mit roten Punkten deutlich machen, ob die Modelle aus ihrer Sicht „insgesamt gelungen“, „teilweise gelungen“ oder „nicht gelungen sind“. Das Münchner Büro hatte von zwei Ausreißern abgesehen nur rote Punkte in der Kategorie „überwiegend gelungen“.

Der Entwurf sieht eine geschwungene Lärmschutzbebauung entlang der Autobahn vor. Diese dient nach Innen gerichtet gleichzeitig als Wohnschleife. Nach der Vorstellung der Architekten könnten so ein Studentenwohnheim oder Hotel entstehen. Im Zentrum des Geländes befindet sich ein Park. Der Clou: in der Mitte könnte sogar ein See angelegt werden. Ein ökologisches Waldfreibad mit Seebühne schwebt den Planern vor. In der Diskussion mit den Bürgern wurde aber deutlich, dass diese sich nicht sicher waren, ob ein Freibad inmitten von Wohnungen funktionieren kann. Außerdem muss geprüft werden, ob eine zum Wohnen ausgebaute Lärmschutzwand überhaupt möglich und genehmigungsfähig ist. Schließlich würde der Riegel direkt an den Wald grenzen.

Alle Büros planen mit mindestens einem Hochhaus

Das Kölner Büro Astoc möchte so viele Wohnungen wie möglich bauen, damit das Quartier funktionsfähig ist. Es schlägt eine Kette von Wohnblöcke vor. In der Mitte soll es eine Art Lichtung geben, im Westen sind Büros, im Osten Gewerbe geplant. Das IBM-Hauptgebäude wird eine Art Stadtteilzentrum mit Schule, Kindertagesstätte und Bibliothek. Die ehemalige Kantine wird ein Veranstaltungszentrum.

Die Bürger lobten am Samstag, dass es so einen gesunden Mix an Bewohnern geben könnte und keine Monokultur. Sie wünschten sich allerdings, dass die Architekten die grüne Mitte noch stärker herausarbeiten.

Das Berliner Büro Cobe plant ausschließlich Solitärbauten, die wie auf einem Schachbrett versetzt zueinander stehen. In der Mitte ist ein Hochhaus, nach außen flachen sich die Höhen der umliegenden Gebäude terrassenartig ab. Es gibt einen zentralen Platz und eine zentral gelegenen Kita. Ansonsten verfolgen die Cobe-Architekten das Prinzip der Fünf-Minuten-Städte. Das bedeutet, dass es auf dem Areal mehrere kleine in sich weitgehend geschlossene, autofreie Quartiere gibt, in denen die Menschen wohnen, arbeiten und einkaufen.

Eine Seilbahn ist denkbar

Das Berliner Büro Kleihues und Kleihues schlägt gleich zwei Hochhäuser vor, eines im Südwesten und eines im Nordosten. Dazwischen gibt es Gebäudekomplexe mit jeweils zugeordneten Plätzen und thematisch gestalteten Innenhöfen. Es soll sowohl kleine Appartements als auch große Familienwohnungen geben.

Allgemeine Skepsis herrschte darüber, wie der abgelegene Eiermann-Campus an den Vaihinger Ortskern angebunden werden kann und ob die im Quartier geplanten Läden wirklich überleben können. Das größte Thema war aus Sicht der Bürger aber freilich der Verkehr. Markus Pärssinen, der Geschäftsführer der Seyler + Pärssinen Projektpartner GmbH, erklärte, dass eine Seilbahn durchaus denkbar wäre. Derzeit gebe es Voruntersuchungen mit ersten konzeptionellen Überlegungen und Kapazitätsberechnungen. Allerdings gebe es noch keine Wirtschaftlichkeitsanalysen.

Bürgervertreter nehmen an Jurysitzungen teil

Fast 250 Bürger waren zu der Veranstaltung am Samstag gekommen. Allerdings hielten nur wenige bis zum Ende durch. Bei denen, die es taten, bedankte sich die Moderatorin Ute Kinn nach mehr als vier Stunden für die angenehme Gesprächsatmosphäre. Der Vaihinger Peter Müller-Rockstroh verwies als sogenannter Bürgervertreter darauf, dass die Vaihinger ihre Anregungen im weiteren Verlauf des Verfahrens direkt an das Bezirksamt schicken können. „Wir leiten das dann weiter“, sagte Müller-Rockstroh. Die Bürgervertreter nehmen an den Jurysitzungen teil, allerdings nicht unbedingt mit Stimmrecht.




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