IBM-Zentrale in Vaihingen Unterhalt für Eiermann-Gebäude eingestellt

Von von unserer Redaktion 

Der Finanzbürgermeister Michael Föll hofft, dass sich eine Lösung für die frühere IBM-Zentrale findet - auch wenn der Insolvenzverwalter die Zahlungen nun eingestellt hat. Meldungen über den Ausstieg eines aussichtsreichen Investors dementiert der Kämmerer.

Die Zukunft der denkmalgeschützten Gebäude von Egon Eiermann ist ungewiss. Der Insolvenzverwalter stellt die Zahlungen für Schutz und Erhalt ein. Foto: Achim Zweygarth
Die Zukunft der denkmalgeschützten Gebäude von Egon Eiermann ist ungewiss. Der Insolvenzverwalter stellt die Zahlungen für Schutz und Erhalt ein. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Fortbestand der ehemaligen IBM-Zentrale in Vaihingen ist erneut in Gefahr. Wie Stuttgarts Erster ­Bürgermeister Michael Föll (CDU) auf Anfrage bestätigt, werden die Unterhaltszahlungen für das Gelände und die denkmalgeschützten Gebäude des berühmten Architekten Egon Eiermann mit dem heutigen Tag eingestellt. Meldungen, dass ein vielversprechender Kaufinteressent abgesprungen sein soll, dementiert Föll jedoch.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte klare Ziele in Zusammenhang mit dem Eiermann-Campus formuliert. Eines davon wird er nach jetzigem Stand nicht erreichen. Kuhn wollte nach eigener Aussage vermeiden, dass öffentliche Gelder für Erhalt und Schutz der Gebäude ausgegeben werden müssen. Auch aus diesem Grund wurde die Frist, während der die Hauptgläubigerbank DG Hyp für die Bewachung des Areal monatlich rund 100 000 Euro bezahlt hat, immer wieder verlängert. „Der Insolvenzverwalter hat kein Geld mehr“, sagt Föll nun, „Ende des Monats werden die Zahlungen eingestellt.“ Das Gelände soll dann durch die Polizei gesichert werden.

Föll: Investor ist nicht abgesprungen

Das Branchenmagazin „Immobilienbrief“ hatte zudem berichtet, dass die Verhandlungen mit dem bislang vielversprechendsten Investor gescheitert seien. Demnach soll es bereits den Entwurf eines Kaufvertrags mit einem Konsortium aus Züblin und FOM aus Heidelberg gegeben haben. Die Namen einzelner Interessenten will die Stadt nicht kommentieren. Nur so viel: „Es ist falsch, dass irgendein Investor ­abgesprungen ist“, erklärt der Finanzbürgermeister. Und: es bestehe nach wie vor Interesse, so Föll. Woher die Gerüchte über das Scheitern der Verhandlungen stammen, könne er sich nicht erklären, sagt Föll.

Ein kurzer Rückblick: im Spätsommer vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Stadt unter Leitung von OB Kuhn zwischen Juli und September ein Kolloquium zum Eiermann-Areal veranstaltet hatte. „Damit haben wir das tote Pferd erst wiederbelebt“, sagt Michael Föll. Dort wurde ein Kompromiss ausgehandelt: Die denkmalgeschützten Gebäude von Egon Eiermann aus den späten 1960er Jahren sollen saniert werden. Der Aufwand liege bei etwa 100 Millionen Euro, so Kuhn damals. Um diese Kosten zu finanzieren, wird das Areal mit 13 Gebäuden bebaut, geplant sind rund 140 000 Quadratmeter Geschossfläche. Der OB räumte im September ein, dass die Bebauung in diesem Umfang notwendig sei, um das Gesamtprojekt wirtschaftlich zu machen. Es soll ein modernes Stadtviertel, eine Mischung aus Wissenschafts- und Wohnstandort, entstehen.

Kosten im dreistelligen Millionenbereich

2009 hatte IBM seinen Deutschlandsitz von Stuttgart-Vaihingen nach Ehningen im Landkreis Böblingen verlagert. Bereits 2007 hatte der Investor CB Richard Ellis das Gelände für 83 Millionen Euro gekauft, scheiterte jedoch daran, die Gebäude zu vermarkten. 2011 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Seitdem bemühen sich die Insolvenzverwalter um den Verkauf des Areals. Dabei wurde bemängelt, dass der Denkmalschutz dies erschwere. Auch ein Abriss der historischen Gebäude stand zur Debatte. Mehrfach verschoben die Banken die Frist, zu der sie die Zahlungen für den Unterhalt des Geländes einstellen wollten. Dieser Punkt ist nun erreicht.

Das Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt ist enorm. Für die Sanierung der rund 46 000 Quadratmeter Bürofläche in den Bestandsgebäuden sowie für den Neubau der geplanten Wohn- und Büroeinheiten wurden Summen von bis zu einer halben Milliarde Euro diskutiert. „Ein ­hoher dreistelliger Millionenbetrag ist ­sicherlich nicht falsch“, bestätigt Finanzbürgermeister Michael Föll.

Das gesamte Areal hat eine Fläche von knapp 20 Hektar und wurde, finanziert durch die Zahlungen der DG Hyp, von einem Sicherheitsdienst bewacht und in der Nacht beleuchtet. Das abgelegene Grundstück solle nicht dem Vandalismus preisgegeben werden. Nun fehlt dieses Geld.

Die Strategie der Polizei wird noch entwickelt

„Wir sind zur Gefahren­abwehr verpflichtet“, erklärt ­Michael Föll. „Die Polizei wird die vorbeugende Sicherung übernehmen“, fügt er hinzu. Eine Strategie dafür müsse ­jedoch erst noch erarbeitet werden, so der Erste Bürgermeister. Mit einem Gebiet dieser Größe ­habe man bislang keine Erfahrungen.

Fest steht, die Stadt muss großes Interesse daran haben, Schäden an den denkmalgeschützten Gebäuden zu vermeiden. Zusätzliche Reparaturen würden die Kosten des Gesamtprojekts in die Höhe treiben. Die Gespräche mit Investoren und Bürgern sollen weitergeführt werden, erklärt Michael Föll. „Da wir aber eine seriöse Lösung anstreben, dauert das alles eben seine Zeit“, erklärt der Kämmerer.

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