ICE 5 Bahn vergibt Milliardenauftrag
Die Bahnbranche wartet mit Spannung auf die Ausschreibung der nächsten Fernzug-Modellreihe für den Deutschland-Takt. Als Favorit gilt DB-Hauptlieferant Siemens – doch Überraschungen kann es immer geben.
Die Bahnbranche wartet mit Spannung auf die Ausschreibung der nächsten Fernzug-Modellreihe für den Deutschland-Takt. Als Favorit gilt DB-Hauptlieferant Siemens – doch Überraschungen kann es immer geben.
Es könnte ein spannendes Rennen werden. Der Startschuss dafür soll noch in diesem Sommer fallen, wie aus Bahn-Kreisen verlautet. Dann wird die Deutsche Bahn AG nach Informationen unserer Redaktion den Milliardenauftrag für die ICE-5-Modellreihe ausschreiben. Der künftig modernste Hochgeschwindigkeitszug des Staatskonzerns soll Anfang des nächsten Jahrzehnts starten und im Europaverkehr sowie beim Deutschland-Takt das Bahnfahren noch schneller und attraktiver machen.
Die Zeit drängt. Acht Jahre sind für Entwicklung, Produktion und Tests einer neuen Modellreihe mit vermutlich mehr als 100 Zügen knapp bemessen, zumal die Lieferprobleme wegen der Coronapandemie und des Ukraine-Kriegs auch die Bahnhersteller treffen. Der DB-Konzern arbeitet seit Jahren an Konzepten für den Hochgeschwindigkeitsverkehr 3.0. „Es geht darum, mehr Fahrgäste unterzubringen und dabei Komfort und Nachhaltigkeit zu kombinieren“, betonte Fernverkehrschef Michael Peterson schon im vergangenen Jahr im Interview mit unserer Redaktion.
Am Mittwoch stellten Peterson und DB-Chef Richard Lutz in Berlin zunächst einmal das Design des neuen ICE 3neo vor, der Ende des Jahres auf die Schiene kommen soll und von dem 73 Stück beim Lieferanten Siemens bestellt sind. Allein die ICE-Flotte soll so bis Ende 2029 auf 450 Züge wachsen.
Mit bis zu Tempo 320 und 439 Sitzplätzen werde der ICE 3neo mehr Komfort und zahlreiche Neuigkeiten bringen, verspricht die DB. So soll sich der Mobilfunkempfang durch spezielle Scheiben verbessern, es gibt Beleuchtung in wechselnden Farbtönen, neue Gepäckregale, Tablet-Halter sowie Steckdosen an allen Plätzen und – anders als im ICE 1 bis 3 – auch acht Radstellplätze.
Künftig sollen die Züge anders aufgeteilt werden, mehr wie private Räume gestaltet sein – jedoch ohne dass Abteile wieder eingeführt werden, die zu viel Platz kosten, heißt es beim Konzern. Familien- und Kinderbereiche sollen die Fahrt für Kunden mit Nachwuchs attraktiver machen. Zwölf statt bisher zehn Türen pro Seite sollen beim ICE 3neo den Ein- und Ausstieg beschleunigen und ein Hublift den Zugang für Menschen mit Handicap erleichtern.
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Der DB-Konzern baut den Fernverkehr massiv aus und hat in Deutschland bisher bis auf Flixtrain kaum Konkurrenz bei längeren Distanzen auf der Schiene. Ziel der Politik ist, die Fahrgastzahlen bis 2030 auf 260 Millionen zu erhöhen; das wäre nach den Rückgängen wegen Corona eine Verdreifachung. Dafür sind neben Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur mehr Zugkapazitäten eine zwingende Voraussetzung.
In den DB-Konzepten wird deshalb immer wieder auch der Einsatz zweistöckiger Hochgeschwindigkeitszüge geprüft, die in Frankreich mit dem TGV Duplex längst Alltag sind. 100 Züge des Nachfolgemodells Avelia Horizon baut Siemens-Konkurrent Alstom für die Staatsbahn SNCF derzeit in La Rochelle an der Atlantikküste und hofft, auch in Deutschland ins Geschäft zu kommen.
Spannend wird daher sein, ob die erwartete Ausschreibung die Möglichkeit zur Lieferung von Doppelstöckern offenlässt. Die Züge bieten zwar mehr Platz und im Obergeschoss schöneren Ausblick, die Treppen sind aber für Senioren und Rollstuhlfahrer ein Hindernis. Im Regionalverkehr und mit dem Intercity 2 setzt die DB bereits Doppelstöcker ein, und es „könnte auch beim ICE in diese Richtung gehen“, kündigte Peterson vor einem Jahr an.
Alstom könnte auch mit seinen einstöckigen Highspeed-Zügen ein ernsthafter Konkurrent des DB-Hauptlieferanten Siemens werden, der die ICE unter dem Modellnamen Velaro produziert und damit auch einige Exporterfolge landete. Beim Milliardenauftrag für den ICE 4 vor einem Jahrzehnt zog Alstom am Ende jedoch mit seinem Highspeed-Modell AGV den Kürzeren.
Chancen im Rennen um den ICE-5-Milliardenauftrag könnte auch der spanische Hersteller Talgo haben, der überraschend von der DB den Zuschlag für eine neue Reisezug-Generation als Nachfolger der betagten Intercity-Züge bekommen hat. Als eher unwahrscheinlich gilt, dass Hersteller aus Asien zum Zuge kommen, obwohl in China der größte Bahntechnikhersteller der Welt deutlich billiger produziert.
Bei neuen Zugreihen spielen indes Liefertreue, Qualität und penible Einhaltung von Techniknormen eine entscheidende Rolle. Diesbezüglich hat der DB-Konzern bei einigen Herstellern schlechte Erfahrungen gemacht. Besonders der kanadische Bombardier-Konzern, der nach dem Mauerfall ostdeutsche Bahnwerke wie das in Hennigsdorf bei Berlin übernommen hatte, enttäuschte und wurde später von Alstom geschluckt. Dort wird die Werksstruktur nun neu ausgerichtet, was auch zu Stellenabbau führt.