ICE-Trasse bei Mühlhausen Die Quelle sprudelt wieder

Von sgk 

Das Trinkwasser aus der Todtsburgquelle bei Mühlhausen konnte sechs Jahre lang wegen des Baus der ICE-Trasse von Stuttgart nach Ulm nicht genutzt werden.

Über die Inbetriebnahme der Todtsburgquelle freuen sich (von links) Wassermeister Steffen Ruhland, Bernd Schaefer und Thomas Eppler. Foto: Sabine Graser-Kühnle Foto:  
Über die Inbetriebnahme der Todtsburgquelle freuen sich (von links) Wassermeister Steffen Ruhland, Bernd Schaefer und Thomas Eppler. Foto: Sabine Graser-Kühnle

Mühlhausen - Das Wasser der Haushalte in der Albwasserversorgungsgruppe II kommt wieder aus der Todtsburgquelle. Sechs Jahre lang musste der Zweckverband das Wasser der eigenen Quelle ungenutzt in den Todtsburger Wildbach ablaufen lassen, und die Haushalte erhielten ihr Wasser von der Landeswasserversorgung, also aus dem Langenauer Donauried.

Der Grund waren die Baustellen im Zusammenhang mit dem Neubau der ICE-Trasse Ulm/Wendlingen durch die Deutsche Bahn. Eine Brücke dieser Trasse führt direkt über das Mühlhausener Tal, Pfeiler dieser Brücke mussten in den Karstboden getrieben werden, außerdem führte ein Tunnel zu dieser Brücke. Für den Tunnel und die Brückenpfeiler waren  Sprengungen notwendig –  und das alles im Zustrombereich der Todtsburgquelle. „Unser wichtigstes Anliegen war, dass durch die Sprengungen und die Aufschwemmungen der notwendigen Betonspritzwände für den Tunnel keinerlei Schadstoffe ins Wasser gelangen, das wollte niemand verantworten“, blickt Bernd Schaefer sechs Jahre in die Protokollbücher zurück. Denn der aktuelle Verbandsvorsitzende der Albwassergruppe war seinerzeit noch gar nicht Mitglied, erst später, durch seine Bürgermeisterwahl in Mühlhausen, stieß er hinzu.

Proben waren auffällig

Über den gesamten Zeitraum hinweg hat die Bahn Proben entnommen: „Aber unsere Befürchtungen sind zum Glück nie eingetreten“, erklärt Geschäftsführer Thomas Eppler.   Die Landeswasserversorgung (LWV) ist seit Jahrzehnten der Kooperationspartner des Zweckverbands. Von dort bezieht der Verband zusätzliches Trinkwasser, wenn die Todtsburgquelle nicht genügend liefert (insbesondere in den Sommermonaten), und der LWV obliegt die technische Überwachung.

Der LWV-Wassermeister Steffen Ruhland berichtet über die Abschaltung der Todtsburgquelle seinerzeit, das sei eine technische und bauliche Großleistung gewesen. Unter aufwendigen baulichen Maßnahmen hatte eine neue Schnittstelle erstellt werden müssen,  Pumpen wurden in den Stand-by-Modus gefahren, Filter geleert. Seit Monaten arbeitet die LWV an der Wiederaufnahme des Betriebs in enger Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer Eppler sowie dem Göppinger Gesundheitsamt.

Die Bahn hat die Kosten getragen

Die Schnittstelle wurde geschlossen, Aktivkohlefilter wieder befüllt, die Pumpen für die Hauptlast hochgefahren. Schließlich galt es ebenso, die Elektronik wieder fit für den Betrieb zu machen.  „Momentan ist alles Notwendige getan, um einen sicheren Betrieb garantieren zu können“, versichert Ruhland. Die Mehrkosten, sei es für das Abschalten und wieder Inbetriebnehmen der Quelle sowie den zusätzlichen Wasserbezug bei der LWV, trug die Deutsche Bahn. „Dem Verband sind keine Nachteile dadurch entstanden“, betont Eppler. Knapp 1,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gibt der Verband an seine sieben Mitgliedsgemeinden jährlich ab, 80 Prozent davon liefert die Todtsburgquelle.

Dass das Wasser im Verbandsgebiet nunmehr wieder härter ist als das weiche Donauwasser der LWV, „bringt der hohe Kalkanteil unseres Karstgesteins mit sich“, sagt Bernd Schaefer. Der Verband ist von seinen Mitgliedsgemeinden daher beauftragt zu prüfen, ob der Einbau einer Entkalkungsanlage von Vorteil wäre. „Es geht darum, ob dies sinnvoll und auch wirtschaftlich machbar ist“, meint Schaefer. Das eile zwar nicht, „aber wir müssen uns damit in einer unserer nächsten Sitzungen beschäftigen“. Eine grobe Schätzung, wie sich eine solche  Anlage auf den Bezugspreis auswirkt, liegt schon vor: Circa 40 Cent teurer käme der Kubikmeter Wasser. Vorerst sind alle Beteiligten froh, dass das verbandseigene Wasser aus der Todtsburgquelle wieder sprudelt.

Albwassergruppe nutzt Quelle seit 1906

Geschichte
Einst stand das Kloster „Trutzburg“ am Wildbach, direkt neben der Todtsburgquelle mit ihren vier Quellsträngen. Der Quellenname Todtsburg leitet sich wohl vom Klosternamen ab. Heute erinnert noch ein Bildstock an das Kloster. Die Quelle liegt 60 Meter über Mühlhausen. Der Druck durch den Höhenunterschied wird genutzt, was Strom spart.

Eröffnung
Seit 1906 ist die Quelle durch die Albwassergruppe in Betrieb mit dem Wasserwerk in Mühlhausen.  Eine Triebwasserleitung führt Wasser von der Fils aus Wiesensteig ebenfalls ins Wasserwerk. Der Druck dieser Leitung spart Strom, wenn von Mühlhausen aus das Wasser an den höchsten Punkt im Verbandsgebiet gepumpt wird, zum Hochbehälter Westerheim. Von dort aus verzweigt es sich zu den jeweiligen Hochbehältern.

Albwassergruppe
Die Todtsburgquelle gehört zu den am besten schüttenden Quellen im Kreisgebiet. Der Albwassergruppe II gehören an: Laichingen mit Machtolsheim und Feldstetten, Merklingen, Nellingen mit Oppingen und Aichen, Westerheim, Hohenstadt, die Eselhöfe und Oberdrackenstein.