Die großen Pläne für eine Aufwertung der Esslinger Ritterstraße stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Was spricht dafür – und was haben Esslinger dagegen?

Esslingen: Sebastian Xanke (xan)

Die Ritterstraße in Esslingen soll schöner werden – eine historische Flaniermeile will die Stadt aus ihr machen. Geplant sind mehr Bäume, hübschere Baumbeete und eventuell sogar ein Zugang zum Rossneckar. Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten wird im Esslinger Rathaus über diese Aufwertung diskutiert. Nun soll es in der Sache vorwärtsgehen, um genau zu sein nach dem Stadtjubiläum 2027.

 

Doch längst nicht jeder ist ein Fan der Pläne. Unter unseren Beiträgen in den sozialen Medien wird über das Für und Wider kräftig debattiert. Denn in den vergangenen Jahren haben die knappen Esslinger Haushaltskassen immer wieder eine Umgestaltung in die Ferne rücken lassen. Der deshalb häufigste Vorwurf: „Von welchem Geld? Ich glaube es ja nicht. Kein Geld aber große Projekte“, schreibt eine Userin. „Ich dachte, Esslingen ist pleite“, fragt eine andere Kommentatorin. Und auch im zuständigen Ausschuss des Esslinger Gemeinderats kam das Thema trotz einhelliger Zustimmung zur Sprache.

Immerhin sieht die Haushaltskasse düster aus. Erst brechen die Gewerbesteuereinnahmen ein, dann teilt die Stadt mit, sie müsse hohe Gewerbesteuervorauszahlungen für das Jahr 2025 an lokale Unternehmen zurückzahlen. Woher kommt also das nötige Geld für eine Aufwertung der Ritterstraße?

Das Geld in Esslingen ist knapp

Finanzbürgermeister Ingo Rust versucht zu beruhigen: Die Umgestaltung koste voraussichtlich fünf Millionen Euro, 3,2 Millionen Euro werde die Stadt wohl aus staatlichen Zuschüssen erhalten. Ein offizieller Förderantrag muss dafür allerdings erst noch eingereicht werden. Die Stadt ist ob einer Zusage optimistisch. Im Notfall könne das Projekt bis zur förmlichen Ausschreibung der Bauarbeiten 2027 gestoppt werden.

Viele Kommentatoren und Kommentatorinnen in den sozialen Medien fordern bereits jetzt eine andere Herangehensweise: „Es müssen Prioritäten gesetzt werden! Erst das, was muss und wenn das bezahlt ist, kann man an solche verschwenderischen Prestigeprojekte denken“, schreibt ein Esslinger. Andere User stimmen zu und verweisen auf die marode Adenauerbrücke: „Ich finde, die Ritterstraße sieht doch ganz gut aus. Kann man so lassen. Es gibt Wichtigeres, wie zum Beispiel die Adenauerbrücke.“

Die Adenauerbrücke in Esslingen hat schon bessere Jahre gesehen. Foto: Roberto Bulgrin

Wegen neu entdeckter Schäden könnte die Adenauerbrücke bald teilweise oder im schlimmsten Fall sogar komplett für den Verkehr gesperrt werden. Die Stadt lässt den hoch frequentierten Überweg derzeit eingehend untersuchen – wie lang das dauert, ist auf Nachfrage unklar. Ungewiss ist auch, wie es um einen möglichen Ersatzneubau der Adenauerbrücke steht. Eigentlich will die Stadt die Brücke möglichst lange nutzen.

Freude über Umgestaltung der Ritterstraße in Esslingen

Einen positiveren Blick auf die Aufwertung der Ritterstraße haben zwei Unternehmen, die unter unseren Beiträgen kommentieren: „Endlich! Die Küferstraße wartet schon ewig darauf“, schreibt der dort ansässige Concept-Store Pimpinelle und weiter: „Den hässlichen Parkplatz am Eingang zu unserer Altstadt noch schön gestaltet – und wir werden eine wirklich schöne Spaziermeile mit Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit haben.“ Der Rossneckarplatz am Eingang zur Ritterstraße, auf dem derzeit Autos Platz haben, soll nach dem Willen der Stadt ebenfalls lebendiger werden. „Für meinen geplanten Hundeladen hinterm Rewe in der Strohstraße wäre das auch richtig schön und eine tolle Aufwertung“, kommentiert eine andere Unternehmerin.

Mehrere Userinnen und User sehen es zwar positiv, dass die Ritterstraße verschönert werden soll, hätten sich aber einen anderen Schwerpunkt gewünscht. „Da die Ritterstraße abseits der stärksten Laufachsen liegt, wäre es aus städtebaulicher Sicht sinnvoller, die Aufenthaltsqualität im hoch frequentierten Bereich rund um den Schelztorturm zu stärken und dort unter den Kastanienbäumen durch Sitzgelegenheiten und eine zukunftsfähige Gestaltung einen lebendigen Stadtraum zu schaffen“, schreibt eine Nutzerin.

Wie belebt ist die Ritterstraße?

Eine andere stimmt zu: „Sieht schön aus und hört sich interessant an. Stellt sich die Frage, wer dort flanieren wird? Der Einzelhandel ist dort nicht so stark vertreten.“ Widerspruch folgt direkt: „Ich finde die Ritterstraße ist sehr belebt. Das Parkhaus an der alten Feuerwache ist hoch frequentiert, die Küferstraße und der Maille-Park sehr beliebt.“ Mindestens bis zu einem möglichen Baustart steht also eines fest: Über die Aufwertung der Ritterstraße wird nicht nur im Rathaus weiter diskutiert.