Idee von Stadt und Hochschule Esslingen bekommt eine Zukunftsfabrik für KI-Projekte
Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Die Stadt und die Hochschule Esslingen wollen gemeinsam einen Ort für KI-Projekte etablieren.
Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Die Stadt und die Hochschule Esslingen wollen gemeinsam einen Ort für KI-Projekte etablieren.
Beim Schwörtag hatte es OB Matthias Klopfer bereits angekündigt – nun machen die Stadt und die Hochschule Esslingen Nägel mit Köpfen: In der Weststadt soll – nur einen Steinwurf vom neuen Hochschul-Campus entfernt im früheren Verwaltungsgebäude der Stadtwerke – eine Zukunftsfabrik für künstliche Intelligenz (KI) entstehen. Erklärtes Ziel der Initiatoren ist es, „akademische Forschung, industrielle Anwendung und kommunale Innovationsstrategie eng zu verzahnen“. So solle eine Brücke zwischen Forschung und industrieller Praxis geschlagen und KI „als Schlüsseltechnologie der Zukunft erlebbar, skalierbar und wirtschaftlich nutzbar gemacht“ werden. Stadt und Hochschule haben das Projekt schon seit einiger Zeit in der Pipeline.
Sofern auch das Land dem Projekt zustimmt, investiert die Stadt Esslingen rund 1,86 Millionen Euro in den Aufbau der gemeinsamen Zukunftsfabrik. Die Regionalversammlung hat am Montagabend bereits beschlossen, 900 000 Euro aus ihrem Ko-Finanzierungsprogramm Künstliche Intelligenz beizusteuern.
Matthias Klopfer (SPD), Esslinger OB und Regionalrat, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Mit der Zukunftsfabrik können wir Esslingen gemeinsam mit der Hochschule als Ort für IT-Innovationen an der Schnittstelle zwischen Maschinenbau und Informatik etablieren, der über die Region hinaus sichtbar sein wird. Damit stärken wir Esslingen langfristig als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verband Region Stuttgart für die finanzielle Förderung.“
Christof Wolfmaier, Rektor der Hochschule Esslingen, betont ebenfalls die Bedeutung des Projekts: „Das Konzept der Zukunftsfabrik mit Forschung zu KI passt perfekt zu unserem Hochschulprofil. Mit unserer starken Forschung und dem engen Netzwerk in die Wirtschaft tragen wir als Hochschule entscheidend dazu bei, ein Esslinger Leuchtturmprojekt aufzubauen. Auch für unsere Studierenden wird sich diese Kooperation auszahlen.“
Der Esslinger Regionalrat Tim Hauser kommentiert die Förderung durch die Region so: „Mit der Förderung der Zukunftsfabrik stärkt die Region den Innovationsstandort Esslingen und investiert gezielt in die Zukunft unserer regionalen Wirtschaft. Als Jury-Mitglied für KI-Projekte in der Region Stuttgart war es mir wichtig, dass der Fokus auch auf Projekten liegt, die nicht nur technisch überzeugen, sondern auch strukturell etwas verändern. Die Stadt Esslingen kann so ihre Flächen klug nutzen, Räume für Forschung öffnen, Start-Ups fördern und ein zukunftsfähiges Ökosystem rund um Künstliche Intelligenz schaffen. Das ist Standortpolitik, wie ich sie mir vorstelle.“
Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Esslingen sollen sich auf rund 1800 Quadratmetern fünf Forschungsinstitute beziehungsweise -einrichtungen mit ihren Projekten ansiedeln: das Institut Virtual Automation Lab, das Institut für Technische Zuverlässigkeit und Prognostik, das Institut für Intelligente Systeme, das Labor IT Security und das Labor für additive Fertigung/L3D. „Die gemeinsame Unterbringung dieser Forschungsprojekte in einem Gebäude ermöglicht einen intensiven fachlichen Austausch und eine hohe Flexibilität in den dortigen Experimentier-, Projekt-, Seminar- und Büroräumen“, heißt es im Rathaus.
Zusätzlich entsteht im Dachgeschoss eine gemeinsame „Smart Systems Experimentier- und Demofläche“, die die Forschungsergebnisse der Gruppen und weiterer Unternehmen in gemeinsamen Demonstrationen zeigt. Eng zusammengearbeitet wird mit regionalen und überregionalen Industriepartnern, akademischen Institutionen und staatlichen Organisationen. „So sollen die innovativen Lösungen der Zukunftsfabrik Esslingen schnell in der Praxis zur Anwendung kommen“, betonen die Initiatoren.
Die Flächen im Erdgeschoss will die Stadt Esslingen an Ausgründungen aus der Hochschule, Start-Ups oder Unternehmen mit inhaltlichem Bezug zu den Forschungsbereichen der Hochschule vermieten. „Ziel ist es, damit Synergien zu schaffen und gemeinsame Forschungs-, Entwicklungs- und Anwendungsprojekte zwischen den Mietern und der Hochschule zu ermöglichen“, teilt die Verwaltung mit.
Die aktuelle Planung sieht vor, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Esslingen ab März 2026 umzubauen. Der Umbau soll rund acht Monate dauern – dann könnte die Zukunftsfabrik Esslingen im Oktober 2026 zeitgleich mit dem Einzug der Hochschule Esslingen in den neuen „Campus Weststadt“ bezogen werden.
Förderung
Die Regionalversammlung hat beschlossen, sich mit insgesamt 3,6 Millionen Euro an der Finanzierung von vier innovativen Projekten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) zu beteiligen, die wegweisende Vorhaben, die KI praxisnah und nachhaltig in Wirtschaft und Gesellschaft verankern, verfolgen.
Projekte
Mehr als eine Million Euro fließen nach Göppingen für den Aufbau eines Innovationszentrums, das mittelständischen Unternehmen und Start-Ups einen praktischen Zugang zu KI bietet. Ein mobiles Schulungszentrum, das niederschwellige KI-Schulungen für Unternehmen und Bildungseinrichtungen in der gesamten Region Stuttgart anbieten soll, wird mit 130 000 Euro gefördert. Und mit rund 1,5 Millionen Euro wird ein Projekt des Instituts für Mikroelektronik Stuttgart und des Höchstleistungsrechenzentrums der Universität Stuttgart gefördert, das die Erforschung photonischer Rechentechnik unterstützt, die durch den Einsatz von Licht statt Strom eine umweltfreundlichere und effizientere KI-Verarbeitung ermöglicht.