Ifo-Studie zur Wehrpflicht Mehr Belastung als gut für die Sicherheit

Passt der Helm? Seit Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht vor 13 Jahren ist der Dienst bei der Bundeswehr nur noch freiwillig. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Reaktivierung der Wehrpflicht hätte für die Volkswirtschaft einen hohen Preis, haben Forscher des Ifo-Instituts ermittelt. Die Botschaft ist sicher richtig – und es gibt ohnehin einen besseren Weg, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Der Ukraine-Krieg hat ein tot geglaubtes Thema wiederbelebt: die allgemeine Wehrpflicht. Deren Reaktivierung wird vor allem unter zwei Aspekten diskutiert: einerseits mit Blick auf die Gerechtigkeit unter den jungen Menschen und andererseits auf die Infrastruktur der Bundeswehr, die ihre Strukturen (wie Ausbildungseinheiten, Kasernen, Truppenübungsplätze) längst nicht mehr auf Wehrdienstleistende ausgerichtet hat. Nun hängt das Ifo-Institut als weitere Komponente noch ein Preisschild dran: die mutmaßlichen Kosten für die Volkswirtschaft.

 

Politische Munition für Finanzminister Lindner

Vorsicht! Die potenziellen Milliarden-Verluste durch eine Wehrpflicht erscheinen imposant, doch manches bleibt außen vor oder kann nur bedingt als volkswirtschaftliche Belastung gelten. Zudem haben die Forscher ihre Zahlen zunächst für das Bundesfinanzministerium ermittelt, dessen Chef Christian Lindner als Wehrpflicht-Skeptiker politische Munition gut gebrauchen kann.

Die Botschaft ist dennoch eindeutig: Sollten sich die Befürworter einer Dienstpflicht durchsetzen und sollten dabei sogar noch die Frauen einbezogen werden, wie der Generalinspekteur es fordert, dann würde es aus volkswirtschaftlicher Sicht teuer. Vor allem fragt sich: Wie passt eine Dienstpflicht zum Megathema der Wirtschaft, dem Fachkräftemangel? Die Nachwuchssuche der Unternehmen würde erheblich gebremst, was wohl am schwersten wiegen würde.

Ziel muss eine professionelle Armee sein

Äußere Sicherheit muss mehr wert sein als in der Vergangenheit. Je mehr die Verteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr in Frage gestellt sind, desto mehr schaden politische Spannungen letztlich auch der deutschen Wirtschaft. Nur Stabilität schafft hohe Werte. Statt einer umstrittenen Wehrpflicht braucht es attraktivere Streitkräfte mit professionellen Soldaten – selbst wenn auch diese teurer werden, als sie es schon sind.

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