IG-Metall-Chefin Benner Vager Maßhalteappell an die Aktionäre
Die Forderung nach geringeren Dividenden in der Automobilindustrie dürfte zunächst folgenlos bleiben. Dennoch hat IG-Metall-Chefin Benner einen Punkt, meint unser Autor.
Die Forderung nach geringeren Dividenden in der Automobilindustrie dürfte zunächst folgenlos bleiben. Dennoch hat IG-Metall-Chefin Benner einen Punkt, meint unser Autor.
Hohe Dividenden sind der IG Metall ein Dorn im Auge, seitdem sich die Industrie auf Talfahrt befindet – also seit Jahren. Alle soften Vorstöße, an der besonderen Behandlung der Aktionäre etwas zu ändern, sind gleich wieder im Sande verlaufen. Mitten in der Automobilkrise und zudem in einer nachrichtenärmeren Zeit stößt die Anregung von Gewerkschaftschefin Christiane Benner, dass die Shareholder kürzer treten sollen, immerhin auf erhöhte Aufmerksamkeit.
Es handelt sich auch diesmal nur um einen Appell und den Versuch, die Debatte zu beeinflussen – eine wirksame Handhabe hat die IG Metall weiterhin nicht. Den Großaktionären dürfte es nicht schwer fallen, das Aussetzen oder die wenigstens deutliche Kürzung von Ausschüttungen zu verhindern. Schließlich hat die Kritik etwa an VW im vorigen Jahr auch nicht zu breitem Verzicht geführt.
Nachvollziehbar sind die Unternehmen an stabilen Beziehungen zu ihren Kapitalgebern – auch den Kleinsparern unter ihnen – interessiert. Das System verträgt keine starken Brüche. Trotzdem liegt es auf der Hand, dass die noch stattlichen Dividenden nicht zu dicken Sparpaketen passen. Die Gewinne sind noch da, aber stark geschrumpft – die Perspektiven sind ungünstig. So müssten alle gleichermaßen an der Behebung der Not beteiligt werden: Manager, Beschäftigte und eben auch die Anteilseigner. Allerdings haben es die lange Zeit hohe Margen den Vorständen erleichtert, sich selbst und alle anderen in einer falschen Sicherheit zu wiegen. Umso schmerzhafter nun das Erwachen.
Nicht vergessen ist, dass die Beschäftigten vormals mit teils üppigen Boni an den Gewinnen beteiligt wurden. Dennoch ist es verständlich, dass die Belegschaften nicht allein die Rechnung der Krise zahlen wollen. Entsprechend sollten die Unternehmen künftig bei den Dividenden Zeichen setzen und weniger von dem Geld verteilen, das sie in der Transformation selbst benötigen.