Die IG Metall verstetigt ihren Mitgliederzuwachs und geht mit noch mehr Selbstbewusstsein in die Auseinandersetzungen mit Bundesregierung und Arbeitgebern. Unter anderem soll es der Leiharbeit an den Kragen gehen.
Frankfurt - Nach einem viele Jahre anhaltenden Abwärtstrend hat die IG Metall zum zweiten Mal in Folge einen Mitgliederzuwachs erreicht. 2012 legte die größte europäische Gewerkschaft um fast 18 000 auf 2,26 Millionen Beitragszahler zu. Damit sei die Durchsetzungsfähigkeit im Betrieb, in der Tarifpolitik und in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung weiter verbessert worden, betonten IG-Metall-Chef Berthold Huber und sein Vize Detlef Wetzel in Frankfurt.
Die Zahl der Neuaufnahmen sei 2012 um 7,4 Prozent auf 123 000 erhöht worden. „Wir haben in einem Jahr mehr Mitglieder gewonnen, als FDP und Grüne zusammengerechnet im Bestand haben“, frohlockte Wetzel. Ausgebaut habe die IG Metall ihre Position als „größte politische Jugendorganisation in Deutschland“ mit nunmehr 223 000 Mitgliedern unter 27 Jahren.
Ein Report soll schwarze Schafe öffentlich machen
Vor allem die Kampagnen und tariflichen Resultate im Bereich der Leiharbeit zahlen sich aus: Dort konnten 14 700 neue Mitglieder gewonnen werden, so dass sich in der Metall- und Elektroindustrie nunmehr gut 44 100 Leiharbeiter der Gewerkschaft angeschlossen haben. Damit kommt sie laut Wetzel auf einen Organisationsgrad von 20 bis 25 Prozent. Im Vorjahr hatte die IG Metall als erste Gewerkschaft sowohl Branchenzuschläge für Leiharbeiter als auch einen Pilottarifvertrag im Südwesten durchgesetzt, der den Betriebsräten mehr Kontrollrechte beim Einsatz von Zeitarbeit einräumt. Zudem gibt es in mittlerweile mehr als 1200 Betrieben Vereinbarungen, die Leiharbeiter besser stellen als zuvor.
Nach Einschätzung der Verwaltungsstellen versuchen jedoch etliche Unternehmen, sich um die neue Zuschlagsregelung zu drücken. „Diese Umgehungstatbestände werden wir im Frühjahr in einem Report veröffentlichen“, kündigte Wetzel an. Er warnte die Arbeitgeber: Wenn es sich nicht nur um einige „schwarze Schafe“, sondern um ein Mengenproblem handele, „wird das weitreichende politische Konsequenzen für diese Republik haben müssen“. Die Namen der betroffenen Unternehmen sollen in dem Report ausdrücklich genannt werden, drohte der Vize. Allerdings erhielten die Arbeitgeber, „die einen Lernprozess brauchen, wie man einen Tarifvertrag umsetzt“, in den nächsten zwei Monaten noch eine Chance, dies zu tun.