IG-Metall-Forderung Signal der Konfrontation
Acht Prozent höhere Löhne peilt die Große Tarifkommission der IG Metall in der Tarifrunde an. Die Gewerkschaftsführer lassen sich von den betrieblichen Vertretern antreiben, meint Matthias Schiermeyer.
Acht Prozent höhere Löhne peilt die Große Tarifkommission der IG Metall in der Tarifrunde an. Die Gewerkschaftsführer lassen sich von den betrieblichen Vertretern antreiben, meint Matthias Schiermeyer.
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, welchen Einfluss die betriebliche Basis auf die Geschicke der IG Metall hat, dann ist es die Lohnforderung von acht Prozent. Unter dem Druck von unten sendet die Gewerkschaft damit ein klares Signal der Konfrontationsbereitschaft an die Arbeitgeber.
Selbst der Vorstand hatte sich zuvor etwas vorsichtiger gezeigt – wohl auch in der Sorge, dass sich eine überhöhte Forderung in der momentan fragilen und für etliche Betriebe auch besorgniserregenden Wirtschaftslage nicht durchdrücken lässt. Doch nun ist die Richtung erst einmal vorgegeben, und die Kampftruppen werden nur mit Mühe wieder zurückzuholen sein, wenn sich die geopolitische Situation weiter verschärft.
Umso mehr führt die Forderung zu Verrenkungen in der Begründung: etwa dass diesmal zwei Jahre (2022 und 2023) in den Blick zu nehmen sind statt nur die folgenden zwölf Monate – oder dass die Lohnzuwächse durch dauerhafte Einmalbeträge, wie sie in vorigen Tarifrunden durchgesetzt wurden, die Einkommen nicht maßgeblich erhöhen.
Im Kern wird es in der Tarifrunde um die Frage gehen: Wie lassen sich die Verluste der Beschäftigten durch die schmerzhaft hohe Teuerungsrate am ehesten ausgleichen? Gemessen an der Lohnforderung sind dafür nun ausschließlich die Arbeitgeber zuständig, obwohl die IG Metall ja selbst monatelang festgestellt hat, dass Tarifpolitik allein die Inflation nicht bekämpfen könne und dass es dafür die Unterstützung des Staates brauche. Weil die Regierung diese Rolle offenbar nicht wie erhofft ausfüllen will, setzt die IG Metall nun auf eigene Stärke – mit allen Risiken, die dieser radikale Kurs mit sich bringt.