Die IG Metall und ihre Betriebsräte wollen Standorte sichern. Das wird aber zunehmend schwerer. Foto: dpa
Der Preisdruck in der Automobilbranche führt bei den Zulieferern im Kreis Ludwigsburg zu Stellenstreichungen. Betriebsräte stoßen laut eigenen Aussagen oft auf taube Ohren.
Es sind schwere Zeiten für die Autobranche. Das trifft die Region und die im Kreis Ludwigsburg ansässigen Zulieferbetriebe besonders hart. Keine schöne Zeit für Betriebsräte. Das wurde beim Treffen der Betriebsräte der IG Metall am Mittwoch in Remseck deutlich.
Statt über Forderungen in der nächsten Tarifrunde zu diskutieren, müssen viele Betriebsräte gegen Stellenstreichungen, Werkschließungen und Gehaltskürzungen kämpfen. Und die Kritik der Betriebsräte richtet sich oft nicht an Regierungen sondern an Geschäftsführungen.
Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall, war auf Einladung der lokalen IG-Metall-Geschäftsführerin Susanne Thomas angereist. Er warnte davor, dass die aktuelle Entwicklung mit Stellenabbau und Verlagerungen der Produktion zu einer Deindustrialisierung führe. „Vorstände sollten auf die Belegschaft zugehen und nicht altes Klassenkampfdenken hervorholen“, kritisierte Urban.
Hans-Jürgen Urban war in Remseck bei der IG Metall Ludwigsburg und Waiblingen zu Gast. Foto: IG Metall/Alexander Paul Englert
Die Betriebsräte aus den Kreisen Ludwigsburg und Rems-Murr gaben Beispiele für die aktuelle Misere. Grund sei meist der Preisdruck. Dieser werde vom Autobauer auf die Zulieferer und deren Zulieferer weitergegeben, so dass am Ende die kleinsten Firmen nicht mehr rentabel arbeiten könnten.
Innovationen bleiben auf der Strecke
Das ist den Betriebsräten zu einfach gedacht. Der Reflex, erst einmal an den Personalkosten zu schrauben, führe nicht zu Innovation. Deutlich wurde etwa Sabine Grau, die Betriebsrätin bei einem Unternehmen in Bietigheim-Bissingen war. In ihren 25 Jahren habe sie durchweg mit der Unfähigkeit von Geschäftführern zu kämpfen gehabt. „Die Aufgabe ist bei denen meist, so viel Geld aus der Belegschaft herauszupressen, wie möglich“, beschreibt Grau die Konfliktsituation zwischen Geschäftsführern und Betriebsräten.
„Oft werden Ideen der Betriebsräte gelobt, dann aber ignoriert.“
André Kaufmann, Gewerkschaftssekretär
Oft, so ist in Remseck bei den Betriebsräten zu hören, kommen Geschäftsführer, die nur für die Abwicklung eines Standorts eingesetzt werden. Die seien dann wenig empfänglich für neue Ideen. Das ist in der Krise aber eine der Hauptaufgaben vieler Betriebsräte: Strategien zum Überleben entwickeln. Seien es neue Produkte oder eine andere Vermarktung, nicht selten bringen Betriebsräte Lösungsvorschläge für bedrohte Standorte ein.
60 Prozent günstiger werden
Gehört zu werden ist dabei aber laut IG Metall oft genau so komplex, wie die Strategien selbst zu entwickeln. „Oft höre ich, dass die Geschäftsführer die Ideen loben, sie dann aber komplett ignorieren“, sagt Gewerkschaftssekretär André Kaufmann.
Der Preisdruck mache vieles kaputt. Und er sei gerade noch extremer als sonst. Kaufmann berichtet aus der Praxis von klaren Ansagen an einen Zulieferer von dessen Auftraggeber, 60 Prozent günstiger zu werden, sonst werde man nach Serbien verlagern.
Die Verlagerung und der Abbau von Arbeitsplätzen führt laut Urban zu einem noch größeren Fachkräftemangel. Er warnt vor der Entwicklung, die kaum mehr umkehrbar sei. Auch Ingenieure sind davon betroffen, wie Betriebsrätin Anika Holtermüller erklärte.
Oft würde erst das Know-how in andere Länder gehen und dann die Aufträge. Ein Problem sei dabei, dass Ingenieurleistungen für ein Unternehmen in Deutschland, die etwa in Polen erbracht würden, steuerlich günstiger seien, als etwa Maurerleistungen, die eine polnische Firma erbringe.