Sie hat ein Herz für Igel: Silke Staiger mit einem der sieben Tierchen, die sie aktuell aufpäppelt. Foto: Simon Granville
Silke Staiger versorgt in ihrer Wohnung verletzte und geschwächte Igel. Doch der neue Vermieter möchte keine Wildtiere in seinem Haus. Die die Pflegestelle sucht neue Räumlichkeiten.
„Wir nehmen nur noch sehr eingeschränkt Igel an“, sagt Silke Staiger von der Igelhilfe Leonberg. Denn das Haus, in dem sie die Pflegestelle betreibt, gehört einem neuen Vermieter – und der möchte dort keine Wildtiere haben. Daher ist die Eltingerin auf der Suche nach einem neuen Standort. Aktuell muss sie immer wieder Menschen, die mit Igeln zu ihr kommen, an andere Stellen verweisen.
Ortsnahe Alternativen sind jedoch rar: In der Umgebung bleiben meist nur das Tierheim in Ludwigsburg oder die mobile Tiernothilfe mit Sitz in Bietigheim-Bissingen. Dabei sind viele Igel auf Hilfe angewiesen: „Täglich rufen mich mehrere Leute an, die unterstützungsbedürftige Tiere abgeben wollen“, erzählt Staiger. Aktuell leben noch sieben der putzigen Tiere in ihrem Garten, zu Spitzenzeiten waren es bereits 20. Ehrenamtlich päppelt die medizinische Fachangestellte kranke, verletzte und schwache Igel auf. Wenige Wochen bis monatelang werden die stacheligen Vierbeiner von ihr gefüttert, gewaschen und medizinisch versorgt.
Pflege mit Herzblut rund um die Uhr
So wie „Igor“, Staiger schätzt sein Alter auf fünf bis sechs Monate. Anja Schmeisl aus dem Haldengebiet fand den kleinen Igel Anfang Mai hustend in ihrem Garten. Als das Tier bei Staiger ankam, war sein Zustand kritisch: voller Parasiten und mit unzähligen Zecken übersät. Durch intensive Pflege, Medikamente und Behandlung mit Kokosöl erholte sich Igor jedoch schnell.
Zehn Tage nach seiner Aufnahme holt ihn seine Finderin ab, um ihn wieder auszuwildern – und freut sich: „Du siehst ganz anders aus, hast viel mehr Stacheln und wieder Haare im Gesicht“.
Neue Räume für die Pflegestelle gesucht
Mehrere Igel gleichzeitig zu versorgen, sei ein Vollzeitjob, sagt Staiger. Und die Versorgung läuft auf eigene Kosten: Auf 800 bis 1000 Euro pro Monat schätzt die Igelmama ihre Ausgaben. Dazu zählen Medikamente, Futter, Wasser für die Reinigung der Boxen und Schalen sowie Heizkosten. Geschwächte Igel benötigen Temperaturen von etwa 20 Grad, damit sie Medikamente gut vertragen.
Der kleine Igor ist wieder gesund und darf zurück in seinen natürlichen Lebensraum. Foto: Simon Granville
Trotz aller Belastungen denkt Staiger nicht ans Aufgeben. „Man entwickelt eine Nähe und Liebe zu ihnen“, sagt sie. Gleichzeitig sei der Bedarf enorm. Deshalb hofft sie sehr, die Pflegestelle bald in neuen Räumlichkeiten weiterführen zu können. Über soziale Medien hat die Igelpflegerin bereits einen Aufruf gestartet – mit viel Zuspruch und Spenden aus der Bevölkerung. Eine feste Lösung gibt es bislang jedoch nicht.
Wunsch nach Unterstützung für Igel
Staiger ist bewusst, dass es für viele nicht vorstellbar ist, in ihren Mieträumen eine Igel-Pflegestelle zu beherbergen. Ihre Anforderungen an neue Räume seien aber überschaubar: fließendes Wasser, Tageslicht und beheizbare Räume. Der Platz selbst sei zweitrangig. Miete könne sie wegen der hohen Versorgungskosten allerdings nicht zahlen – und hofft auf jemanden mit Tierherz. Auch Unterstützung von der Stadt, vor allem finanzieller Art, wünscht sie sich. Schon heute engagiert sich Staiger in Schulen und Kindergärten mit Aufklärungsarbeit rund um den Igel.
Auf lange Sicht hat Silke Staiger eine größere Vision: „Mein Traum wäre eine Art Wildtiergnadenhof in Naturnähe rund um Leonberg.“ Ergänzend würde sie gerne eine Beratungs- und Schulungsstelle aufbauen, in der Menschen mehr über verschiedene Tiere lernen können. Doch bevor dieser Traum Wirklichkeit werden kann, braucht ihre Igelhilfe erst einmal ein neues Zuhause.