Igelstation in Esslingen Hier wird den stachligen Vierbeinern geholfen

Von Lena Hummel 

25 Igel leben zur Zeit in der Aufpäppelstation von Anette Lampart in Esslingen. Wir haben nachgefragt, warum sie dort landen und was im Umgang mit Igeln beachtet werden muss.

Der jüngste Bewohner in der Esslinger Igelstation ist erst zwei Wochen alt. Foto: Ines Rudel 14 Bilder
Der jüngste Bewohner in der Esslinger Igelstation ist erst zwei Wochen alt. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Ob unterernährt, unterkühlt oder verletzt – Anette Lampart nimmt alle hilfsbedürftigen Igel auf. In ihrer Pflegestation im Keller ihres Wohnhauses versorgt sie die Tiere rund um die Uhr. Aktuell leben rund 25 Igel bei ihr, in der Zeit zwischen August und September waren es sogar 40 Tiere.

„Am Dienstag ist ein 14 Tage altes Igelbaby bei mir eingezogen“, erzählt Anette Lampart. „Es ist extrem selten zu dieser Jahreszeit noch ein so junges Tier zu finden“, erklärt sie weiter. Eigentlich kommt der Igelnachwuchs in der Zeit zwischen August und September zur Welt. Ende Oktober sind die Igel in der Regel zu Jungtieren herangewachsen. „Die sind of neugierig oder ziehen mit ihrer Mutter um“, so die Igelexpertin. Deshalb seien gerade jetzt besonders viele Igel unterwegs.

Anette Lamparts kleiner Neuankömmling wiegt nur 60 Gramm – viel zu wenig, um den bevorstehenden Winterschlaf zu überstehen. Hierzu müssen die Tiere mindestens 500 Gramm wiegen, so Lampart. Deshalb päppelt die Tierfreundin den Nachwuchs bei sich zu Hause auf. Wichtig sei vor allem, dass es der Babyigel schön warm hat. „Die Kleinen sind auf ihre Mutter angewiesen, weil sie ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln können und schnell unterkühlen“, erklärt sie.

Bloß keine Milch

Jetzt übernimmt Lampart die Mutterrolle: Mit einem Heizkissen hält sie den Igel warm, Milch gibt es aus dem Fläschchen. Wer einen Igel findet, sollte ihm allerdings auf keinen Fall Milch geben. „Das ist leider immer noch in den Köpfen der Menschen, dass Igel Milch trinken“, so Lampart. Normale Milch ist aber gefährlich, weil Igel laktoseintolerant sind und von der Milch Durchfall bekommen. Die Milch für die Jungigel ist jedoch eine spezielle Hundeaufzuchtmilch, die sehr teuer und nur beim Tierarzt erhältlich ist.

Findet man einen Igel, sind andere Dinge wichtig: Körpertemperatur prüfen und bei Unterkühlung warm einpacken, sagt die Igelfreundin. Ein gesunder Igel habe eine Körpertemperatur von 36 Grad. „Das entspricht in etwa der Körpertemperatur des Menschen“, so Lampart. Nimmt man den Igel auf die nackte Hand, merkt man schnell, ob der Igel unterkühlt ist. Ist das der Fall, sollte der Finder eine Wärmflasche mit heißem Wasser füllen, ein Handtuch darum wickeln, den Igel darauf setzen und ein zweites Handtuch um Igel und Wärmflasche legen. Füttern sei in diesem Moment zweitrangig. „Wenn ein Igel unterkühlt ist, ist er wie weggetreten und kann sowieso nicht richtig schlucken“, erklärt Lampart. Doch auch ein „warmer“ Igel kann hilfsbedürftig sein. Bewegt er sich seltsam oder macht einen kranken Eindruck, sollte ein Tierarzt oder eine Igelstation aufgesucht werden, rät die Expertin.

Rührei schmeckt den Igeln

Auch unterernährte Igel werden in der Aufpäppelstation von Anette Lampart versorgt. In der freien Natur fressen die stachligen Vierbeiner alles, was krabbelt und kriecht: Insekten, Schnecken und Würmer. Ziehen sich Insekten im Herbst zurück, finden Igel häufig wenig zu fressen. Dann kümmert sich Lampart um die Igel: Sie füttert sie mit Katzennassfutter oder eingeweichtem Trockenfutter. Auch Rührei schmeckt den Tieren, trinken sollten sie nur Wasser. Bei aufgeblähtem Bauch darf es auch mal abgekühlter Fencheltee sein.

Geht es den Igeln besser, sind sie in ihren Kisten kaum mehr zu halten. Im Schnitt bleiben die Vierbeiner rund vier Wochen in der Igelstation in Esslingen. Danach werden sie für ein bis zwei Wochen in ein Außengehege des Tierschutzvereins Esslingen umgesiedelt. „Hier lernen sie wieder richtig laufen, bevor sie freigelassen werden“, erklärt Lampart.

Die 47-Jährige betreibt ihre Igelstation seit fünf Jahren – ehrenamtlich, wie sich versteht. Drei weitere Helfer greifen Anette Lampart dabei unter die Arme. Die Igelstation ist wie das Außengehege eine Einrichtung des Tierschutzvereins Esslingen. Dieser bezahlt den Tierarzt und das Futter für die Vierbeiner, Lampart gibt ihnen im Keller ihres Wohnhauses ein Zuhause. „Das Problem ist, dass der Tierschutzverein dabei auf Spenden angewiesen ist“, so die Igelexpertin. Neben dem Tierschutzverein Esslingen kümmert sich die Igelhilfe Stuttgart um hilfsbedürftige Igel. Beide Einrichtungen freuen sich über Spenden.