Marjoke Breuning von Maute Benger IHK-Präsidentin sorgt in Stuttgart für Diskussionen

Marjoke Breuning will bis zum Ende ihrer Amtsperiode an der Spitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart stehen. Foto: IHK Region Stuttgart

Ihr Traditionsgeschäft Maute Benger wird nächstes Jahr geschlossen. Marjoke Breuning hat dennoch kein Problem damit, bei der IHK im Amt zu bleiben. Die Hintergründe, warum das so ist – und weshalb die Kakteen dies kritisieren.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, Marjoke Breuning, will ihre komplette Amtszeit absolvieren. Dies erklärte Breuning gegenüber unserer Zeitung. Die angekündigte Schließung des gemeinsam mit ihrer Schwester Anneke geführten Stuttgarter Traditionsunternehmens Maute Benger sei kein Grund, ihre Ehrenämter abzugeben, sagte Breuning. Das Stuttgarter Wäsche- und Miederwarengeschäft soll spätestens im Sommer 2023 schließen. Die Amtszeit von Breuning dauert noch bis 2025.

 

Kritik der Kakteen

„Eine IHK-Präsidentin, die gewerblich nicht mehr aktiv ist, ist nicht unbedingt dafür prädestiniert, in der ersten Reihe zu stehen“, meinte Kai Boeddinghaus, einer der Sprecher der kammerkritischen Kakteen-Gruppe und Mitglied der Vollversammlung der IHK Stuttgart. Ohne eigenes Geschäft werde Breuning „noch mehr zur Marionette der großen Unternehmen“, meinte Boeddinghaus. „Es ist die Frage, ob sie jetzt ihren Job noch gut erledigen kann“, sagte Clemens Morlok, ebenfalls ein Sprecher der Kakteen, „ihr Gewicht in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik wird geringer.“

Breuning sieht die Schließung von Maute Benger indes nicht als Handicap für ihre Arbeit an der Spitze der IHK. „Ich mache weiter, wenn gewünscht wird, dass ich meine Amtszeit erfülle“, sagte sie. Bisher jedenfalls habe sie viel Zuspruch erhalten. Natürlich werde sie sich auch noch mit dem Präsidium der IHK austauschen. Mit einer Schwächung der Stellung der Kammer angesichts der Geschäftsaufgabe rechnet sie nicht. „Die Position der IHK gegenüber der Politik kann ich auf jeden Fall weiter vertreten“, sagte sie. Claus Paal, Vizepräsident der IHK, stärkte Breuning den Rücken und lobte ihre Arbeit. Die Frage, wie es nach ihrer Geschäftsaufgabe 2023 weitergehe, „stellt sich derzeit nicht“, erklärte er. „In den kommenden Monaten werden wir dies mit der notwendigen Ruhe besprechen und entscheiden.“

„Politisch ist die Aufgabe der Firma und der Wille, als Präsidentin weiterzumachen, für die Kammer eine Katastrophe“, sagte ein mit IHK-Fragen vertrauter Beobachter.

Gründe für Geschäftsschließung

Die Schließung war von Breuning neben einem sinkenden Umsatz auch mit einer Mieterhöhung durch das Land begründet worden. „Ein großes Problem ist die Mietpolitik unseres Vermieters“, hatte sie Ende Juli in einem Brief an Weggefährten geschrieben, über den unsere Zeitung berichtete. So sei eine weitere Mieterhöhung angekündigt worden. Das Finanzministerium hatte die Vorwürfe mit dem Hinweis auf Mietstundungen und befristete Minderungen der Miete zurückgewiesen. Breuning wollte sich zu dieser Auseinandersetzung aktuell nicht mehr äußern.

Mitglied in der Vollversammlung und damit auch Präsidentin könne sie bleiben, da sie nach wie vor unternehmerisch tätig sei, meinte Breuning. Nach Auskunft des Deutschen Industrie- und Handelskammertags in Berlin ist für die „Unternehmereigenschaft“ die Tätigkeit in einem Betrieb nötig, der zur Gewerbesteuer veranlagt wird. Zudem muss dieser Mitglied der IHK sein, wenn jemand dort ein Ehrenamt ausüben will. Breuning sagte, sie werde auch ihr bis 2024 dauerndes Amt als Vizepräsidentin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags und die bis November laufende Vizepräsidentschaft des Baden-Württembergischen IHK-Tags weiter ausüben.

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