IHK Rems-Murr Kommt die Werkswohnung wieder?

Vorne Weinprobierstand, im Hintergrund die Podiumsrunde: In einem Studio in Kernen aufgenommen ging der IHK-Neujahrsempfang erstmals virtuell über die Bühne. Foto: Gottfried Stoppel

Beim ersten virtuellen Neujahrsempfang der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr ist die Wohnungsnot das große Thema – das Podium denkt über unkonventionelle Lösungen nach.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Waiblingen - Wenn es nach Claus Paal geht, sind lokale Unternehmer mit Weitblick künftig auch beim Wohnungsbau ihres eigenen Glückes Schmied. Denn wer für seinen Betrieb gut ausgebildete Fachkräfte an Land ziehen will, muss mit Blick auf einen ebenso hochpreisigen wie hart umkämpften Immobilienmarkt in der Region möglicherweise umdenken. „Das Thema Wohnen zählt zu den größten Herausforderungen der nächsten Jahre – auch für die Wirtschaft“, stellte der Kammerpräsident beim digital übertragenen Neujahrsempfang der IHK Rems-Murr am Montagabend fest.

 

Ohne die Chance, auch ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu finden, werde es in naher Zukunft jedenfalls immer schwieriger, neue Mitarbeiter in den Ballungsraum Stuttgart zu lotsen – ein Standpunkt, dem die illustre Runde auf dem Podium beipflichtete. Neben Paal waren die fürs im Südwesten neu geschaffene Ressort Landesentwicklung und Wohnungsbau zuständige Ministerin Nicole Razavi, Rems-Murr-Landrat Richard Sigel und Immobilienexperte Axel Ramsperger bei der Diskussion vertreten.

Eine günstige Wohnung ist so wichtig wie ein gutes Einstiegsgehalt

Einig war sich die Runde nicht nur, dass die Aussicht auf eine preisgünstige Unterkunft für nach einem neuen Job im Ballungsraum Stuttgart suchende Menschen mindestens so wichtig ist wie ein attraktiver Arbeitsplatz und ein adäquates Einstiegsgehalt. Konsens war auch, dass es nach wie vor deutlich zu wenig Wohnungen in der Region gibt. Während Razavi von einer Herkulesaufgabe sprach und Ramsperger einen Nachholbedarf bei den für Gewerbe und Wohnbau zur Verfügung stehenden Flächen bemängelte, nahm Paal die Firmen in die Pflicht: „Unternehmer können einen Beitrag leisten, wenn ihre Mitarbeiter eine Wohnung suchen – vom guten Wort beim Vermieter bis zur Vermarktung eigener Grundstücke für den Wohnungsbau“, so der Kammerpräsident.

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Dass die längst vergessene Idee von der firmeneigenen Werkswohnung ein Revival erleben könnte, hat der Rems-Murr-Kreis vorgemacht. Fürs Personal der Kreiskliniken sind hundert Appartements entstanden, die sich auch Pflegekräfte und angehende Ärzte leisten können sollen. Auf dem regulären Wohnungsmarkt, betonte Landrat Sigel, hat das Klinikpersonal nämlich auch wegen der überschaubaren Bezahlung kaum eine Chance. „Auch im Rems-Murr-Kreis sind zweistellige Quadratmetermieten mittlerweile an der Tagesordnung“, stellte er fest. Nicht umsonst liege die Region Stuttgart im Ranking der teuersten deutschen Städte hinter München und Frankfurt auf Platz drei.

Gute Tropfen aus dem Remstal und ein Bassist als Stimm-Talent

ine Lösung fürs Dilemma mit der Wohnungsnot, so viel darf verraten werden, fand die Podiumsrunde am Montag in der Kürze der Zeit nicht. Schließlich war das Schwerpunktthema Immobilien beim virtuellen Neujahrsempfang nur einer der Bausteine für einen möglichst kurzweiligen Abend. Eingebunden war die Veranstaltung in eine virtuelle Weinprobe, der Winterbacher Weinhändler Daniel Hasert stellte drei gute Tropfen vom Weinstädter Weingut Leon Gold, vom Korber Albrecht Schwegler und vom Fellbacher Rainer Schnaitmann vor. Und: Mit mehreren Gesangseinlagen durfte auch der aus Berlin zugeschaltete Benjamin Jud, eigentlich ein Künstler am Bass, seine stimmliche Qualität unter Beweis stellen.

Ebenfalls zum Rahmenprogramm des von Michael Antwerpes gekonnt moderierten Abends gehörte ein bereits im Vorfeld aufgenommener Videobeitrag, in dem Kammerpräsident Paal in die Luft ging – und bei einem Start- und Landemanöver am Flugsimulator von seiner Faszination für Technik, aber auch seinem Faible für innovative Lösungen plaudern durfte. „Wir waren auch in der Krise ein Ansprechpartner für Unternehmen – und haben als IHK einen guten Job gemacht“, konstatierte der 54-jährige frühere Landtagsabgeordnete.

Die IHK spricht von „guten Zahlen für ein Online-Format“

Mit dem Verlauf des erstmals virtuell über die Bühne gegangenen Neujahrsempfangs war die IHK Rems-Murr am Dienstag übrigens sehr zufrieden. In der Spitze sahen sich bis zu 200 Teilnehmer die in einem Studio in Kernen aufgenommene Übertragung an, eine Mitarbeiterin der Geschäftsstelle in Waiblingen sprach von „guten Zahlen für ein Online-Format“. Froh war die IHK Rems-Murr vor allem, die Traditionsveranstaltung nicht erneut abgesagt zu haben. „Mit dem Termin zwischen der Deltawelle und der Omikronwelle haben wir auch ein gutes Zeitfenster erwischt“, hieß es am Dienstag.

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