Susanne Herre sagt, die Erhaltung des Wohlstands braucht Platz. Ihr Gehalt will die Hauptgeschäftsführerin offenlegen. Auch auf die Kakteengruppe will sie zugehen.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Die Schaffung von mehr Platz für Unternehmen sieht Susanne Herre als einen der Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit an. „Wir brauchen in der Region Stuttgart dringend neue Gewerbeflächen“, sagte Herre unmittelbar nach ihrer Wahl zur künftigen Chefin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart im Gespräch mit unserer Zeitung. So brauche etwa die Industrie gerade im Zeichen der Transformation etwa der Autoindustrie auch Platz für die Entwicklung neuer Produkte. Der Bevölkerung an den jeweiligen Orten müsse deutlich gemacht werden, dass nur eine gute wirtschaftliche Entwicklung den Wohlstand erhalten könne.

Neue Akzente will Herre in der beruflichen Bildung setzen. Die duale Ausbildung in Betrieb und Schule müsse noch stärker digitalisiert und zudem internationaler werden, meinte die künftige Hauptgeschäftsführerin. Denkbar sei auch ein fachgebundenes Abitur oder Studium, das mit einem gleichzeitigen dualen Berufsabschluss verbunden werden könne. Weiter will sie sich für einen Abbau der Bürokratie, der ihr zu langsam vorangehe, und für schnellere Verwaltungsprozesse einsetzen. „Die Verwaltung muss dringend schneller werden.“ Es sei auch nicht sinnvoll, dass Gastwirte in Stuttgart die Genehmigung für eine Außenbestuhlung jedes Jahr neu beantragen müssten, kritisiert sie.

Gehalt soll kein Geheimnis sein

Ihr Gehalt will Herre, die ihr Amt zum 1. November antritt, offenlegen. Noch sei dieses aber nicht fest vereinbart. Es dürfte aber etwa in der Größenordnung der Bezüge des im Herbst ausscheidenden Hauptgeschäftsführers Johannes Schmalzl liegen. Dieser bezieht aktuell ein Jahresgehalt von 210 000 Euro. Schmalz geht zum 1. November als Vorsitzender zur Würth-Stiftung nach Künzelsau. Die 1969 in Stuttgart geborene Herre wurde von der Vollversammlung bei zwei Gegenstimmen und mehreren Enthaltungen mit großer Mehrheit zur neuen Hauptgeschäftsführerin bestellt. „Sie kennt die IHK bestens“, sagte Präsidentin Marjoke Breuning. Mit der Kakteengruppe strebe sie einen Dialog an, sagte die künftige IHK-Chefin. „Es kommt aber darauf an, dass die Kritik konstruktiv ist.“

Kammer bleibt auf Sparkurs

Herre ist bisher als stellvertretende Hauptgeschäftsführerin für Personal und Finanzen zuständig. Der bei der Kammer maßgeblich von ihr eingeleitete Sparkurs werde konsequent weitergeführt. „Dabei kann es etwa um Reisekosten oder Sachausgaben gehen“, sagte sie. Ihre Tätigkeit bei der IHK hatte sie Ende 1996 als Trainee angefangen. Promoviert hat die Juristin über Methoden zur Erstellung von Bewährungsprognosen bei Verurteilten. „Dieses Wissen brauche ich bei der IHK nicht“, sagt sie scherzend.