IHK-Umfrage im Kreis Göppingen Unternehmen klagen über Bürokratie

Ein funktionierendes Mobilfunknetz steht bei den befragten Unternehmen an erster Stelle, wenn es um Standortfaktoren geht. Foto: dpa/Jens Büttner

Ein gutes Mobilfunknetz und stabiles Internet sind die Top-Standortfaktoren für Firmen. Den Verwaltungen stellt die Wirtschaft im Landkreis Göppingen ein miserables Zeugnis aus. Dies geht aus einer Umfrage der IHK und der Kreishandwerkerschaft hervor.

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen. Würden nicht nur Kinder und Jugendliche in der kommenden Woche ein Zeugnis erhalten, sondern auch Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie das Landratsamt, bekämen sie denkbar schlechte Noten. Geht es um unbürokratische Verfahren beziehungsweise die Bearbeitungsdauer von Projekten, ist die Unzufriedenheit der Unternehmen im Kreis enorm. „Die Ergebnisse sind ernüchternd“, fasste Gernot Imgart, Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Göppingen, zusammen. Die Wirtschaft vermisst transparente Entscheidungen und ein investitionsfreundliches Klima. „Viele Unternehmen haben das Gefühl, man ist gar nicht mehr willkommen“, fügte Kammer-Präsidentin Edith Strassacker hinzu. Den Menschen sei offenbar nicht mehr bewusst, woher Arbeitsplätze und Gewerbesteuer kämen, meint sie.

 

„Wie zufrieden sind die Unternehmen mit dem Standort Kreis Göppingen?“ So lautete der Titel einer gemeinsamen Umfrage der IHK-Bezirkskammer und der Kreishandwerkerschaft Göppingen. Die letzte Umfrage mit Analyse stammt aus dem Jahr 2016, „das Update war also dringend notwendig“, so Imgart. Die fünf wichtigsten Standortfaktoren sind für die Unternehmen ein verfügbares und qualitätvolles Mobilfunknetz. Hier scheint es noch viele Lücken zu geben, denn zufrieden sind die Betriebe mit der Ist-Situation nicht. Auf Platz zwei rangiert das Glasfaser- beziehungsweise Breitband-Internet, gefolgt von den hochaktuellen Themen Energiepreise („das ist eine Zeitbombe, die da tickt“) und Versorgungssicherheit.

Unzufriedenheit mit der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität

Auf Platz fünf der wichtigsten Standortfaktoren landet das Thema Kundenbindung beziehungsweise Kundentreue. Das ist den Betrieben nicht nur wichtig, sie sind auch insgesamt zufrieden mit der aktuellen Situation. Aktuell glücklich sind die Firmen auch mit der Nähe zu Beschaffungsmärkten und Zulieferern, mit Kaufkraft und Absatzpotenzial sowie dem Weiterbildungsangebot.

Die Anbindung an die Fernstraßen bewertet die heimische Wirtschaft als insgesamt sehr gut. Mit der Leistungsfähigkeit des innerörtlichen Straßenverkehrs sind die Betriebe sehr unzufrieden. „Tempo 30, Durchfahrtsverbote, Kreisel, Stopper. Das wurde in den letzten Jahren sehr forciert“, verdeutlichte der IHK-Chef. „Das Thema autofreie Innenstadt in Göppingen wird für den Einzelhandel ein spannender Punkt“, warf Imgart ein. Auffällig: Die nahezu größte Unzufriedenheit – nach der Bearbeitungsdauer in Verwaltungen – herrscht in puncto Ladeinfrastruktur für Elektromobilität.

Wichtig ist den Unternehmen auch die Aussicht auf geeignete Gewerbeflächen und die Möglichkeit zur Erweiterung und Nachverdichtung. Doch hier sieht es eher mau aus, so das Ergebnis der Umfrage. „Das ist ein Thema in der Breite und betrifft nicht nur die Industrie“, betonte Gernot Imgart. Sorgen bereitet der Wirtschaft auch der Fachkräftemangel. „Hier herrscht eine extreme Unzufriedenheit“, sagt der IHK-Geschäftsführer. Ähnlich sieht es bei den hohen Immobilienpreisen aus. Um Mitarbeiter zu gewinnen, sei bezahlbarer und bedarfsgerechter Wohnraum das A und O. Beim Thema Kosten schlagen natürlich die Energiepreise voll durch, gefolgt von der Höhe der Gewerbe- und Grundsteuer sowie den Lohnkosten.

Für zwei Drittel der Befragten stehen keine Standortentscheidung an

Abschließend baten IHK und Kreishandwerkerschaft, einen Blick in die Zukunft zu werfen: Welche Anforderungen stellt man in zehn Jahren an den Wirtschaftsstandort? Steht eine grundlegende Standortentscheidung an? Nein, sagen zwei Drittel der Unternehmen. Das heißt, ein Drittel der Betriebe beschäftigt sich in den kommenden fünf Jahren mit einer Erweiterung (18,8 Prozent), Verkleinerung beziehungsweise Aufgabe (8,7 Prozent) und einer Verlagerung innerhalb Deutschlands (3,7 Prozent). Nur 2,8 Prozent der Firmen denkt über einen Umzug ins Ausland nach. Für zwei Drittel der Unternehmen spielt dabei die Standortqualität eine wesentliche Rolle. Das „Mega-Thema“ der Zukunft ist für viele Unternehmen die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter.

Und was nun? Für Imgart ist die Lage nicht so schlecht. Zu den Punkten, bei denen die Unzufriedenheit groß ist, sagt er: „Es sind oft Faktoren, die hier geändert werden können und vor Ort beeinflussbar sind.“

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