IHK-Standortumfrage Region Stuttgart Wohnungsnot schreckt Mitarbeiter ab

Von Imelda Flaig 

Die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten in der Region Stuttgart hat aus Sicht der Unternehmen in den vergangenen vier Jahren nachgelassen. Nachholbedarf sehen sie bei bezahlbaren Wohnungen und beim Mobilfunknetz.

Weite Teile der Region Stuttgart haben kein schnelles Internet. Es gibt kaum Glasfaserverbindungen. Dabei sehen Unternehmen in der Region Breitbandanbindung und ein gutes Mobilfunknetz  als wichtigste Standortfaktoren. Foto: dpa
Weite Teile der Region Stuttgart haben kein schnelles Internet. Es gibt kaum Glasfaserverbindungen. Dabei sehen Unternehmen in der Region Breitbandanbindung und ein gutes Mobilfunknetz als wichtigste Standortfaktoren. Foto: dpa

Stuttgart - Die Region Stuttgart steht aktuell sehr gut da, die Wirtschaft brummt, und die wirtschaftlichen Perspektiven bleiben vorerst günstig. Sich in diesem Erfolg zu sonnen und auf dem erreichten Niveau auszuruhen wäre allerdings nicht empfehlenswert, heißt es in der neuesten Standortumfrage der IHK Region Stuttgart. „Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte in der Region aus Sicht der Betriebe nachgelassen hat“, sagt IHK-Präsidentin Marjoke Breuning.

Mit der Gesamtnote 3+ bescheinigen die Unternehmen ihren Standorten im Großraum Stuttgart im Schnitt noch ein ganz passables Wettbewerbszeugnis. Vor vier Jahren vergaben sie aber noch die Gesamtnote 2,5. „Wenn die Region auch in Zukunft ein dauerhaft bedeutender Wirtschaftsraum und international wettbewerbsfähig bleiben soll, muss mehr für gute Rahmenbedingungen getan werden“, so Breuning.

An der Standortumfrage haben sich rund 640 Unternehmen aller Größenklassen und Branchen im Ballungsraum Stuttgart beteiligt. Die Umfrage zeigt auch, dass die Unternehmen in der Region Stuttgart größtenteils zu ihren heimischen Standorten stehen und viele hier weiter investieren wollen. So sieht mehr als die Hälfte der befragten Betriebe die Kommune, in der sie ansässig sind, als gut bis sehr gut für den Standortwettbewerb gerüstet. Rund 250 der Befragten (40 Prozent) bewerten die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit ihres Standortes noch als befriedigend bis ausreichend. Etwa 50 der befragten Unternehmen (acht Prozent) sind mit ihrem Standort hingegen unzufrieden. Wie sich aus der Studie weiter ergibt, sind die Firmen mit den allermeisten Rahmen- und Standortbedingungen unzufriedener geworden.

Auffällig sei vor allem die Bewertung der Breitband-Internetanbindung. Obwohl diesem Standortfaktor schon vor vier Jahren und auch jetzt wieder die höchste Priorität zugesprochen wird, fällt die Zufriedenheit von der Durchschnittsnote 2,2 auf 2,7 ab. „Der Vergleich zeigt, dass die Region noch immer weit von einem flächendeckenden Netz mit genügend Megabit-Versorgung entfernt ist. Der Glasfasernetzausbau muss schneller vorangetrieben werden“, sagt Breuning.

Heinrich Baumann, stellvertretender Präsident der IHK Region Stuttgart und Präsident der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, schlägt in die gleiche Kerbe und betont ebenfalls die Dringlichkeit des flächendeckenden Ausbaubedarfs: „Wenn wir nur darauf schauen, wo bereits ein echter Glasfaser-Breitbandanschluss vorhanden ist, dann haben wir auch im Landkreis Esslingen noch eine Mammutaufgabe vor uns, denn selbst in unseren Großen Kreisstädten gibt es noch eine Menge weißer Flecken.“ Es sei ein wichtiger und guter Schritt, dass die Gesamtregion Stuttgart gemeinsam an einem Glasfaser-Backbone-Netz arbeite. Doch die Kommunen müssten sich rasch an dieses Netz anschließen und den eigenen Ausbau vorantreiben.

Die wichtigsten Faktoren, an denen Betriebe in der Region Stuttgart die Qualität ihres Standorts bemessen, sind Breitbandanbindung und ein gutes Mobilfunknetz. Auch Arbeitskosten, Verfügbarkeit von Fachkräften, eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur, Kundentreue, Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum und Versorgungssicherheit bei Energie spielen bei der Bewertung ihrer Heimatkommune – und damit letztlich bei Investitionsentscheidungen – eine wichtige Rolle. „Die Ergebnisse unserer Umfrage senden ein ganz klares Signal in Richtung Rathäuser und Gemeindeämter“, sagt Breuning.

Einer der wichtigsten und gleichzeitig am schlechtesten bewerteten Standortfaktoren war die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum. Der spiele auch für die Unternehmen eine entscheidende Rolle. „Wie will ich denn in einem Bewerbungsgespräch die Frage nach der Verfügbarkeit von Wohnungen beantworten, ohne rot zu werden“, sagt Baumann, der im Hauptjob geschäftsführender Gesellschafter des Autozulieferers Eberspächer ist.

Versorgungssicherheit mit Energie als wichtiger Standortvorteil

Positiv bewerten die Unternehmen vor allem Versorgungssicherheit bei Energie. Aber auch Natur, Naherholung, Freizeit- und Kulturangebote spielen eine Rolle. Diese Attraktivität könnte aus Sicht der Unternehmen dazu beitragen, dass ihre Mitarbeiter trotz knappen und zu teuren Wohnraums die Region nicht verlassen, heißt es in der Umfrage. Die meisten Betriebe halten der Region trotz Schwächen und der steigenden Unzufriedenheit die Treue. 56 Prozent wollen in den nächsten fünf Jahren keine wesentlichen Veränderungen am Firmensitz vornehmen. Über ein Drittel plant sogar eine Erweiterung.