Stadtkind Stuttgart

Illegale Graffiti Das Virus und die Polizei – ein Sprayer erzählt

Von Matthias Ebbertz 

Der Stuttgarter DJ und Künstler Crypt hat illegale Graffitis gesprüht. Dafür wurde er mehrmals von der Polizei belangt. Sprühen sei für ihn wie ein Virus, sagt er. Dann machte er sich als Designer selbstständig. Wir haben mit ihm über die Lust am Kick gesprochen.

Ein Graffiti von DJ Crypt in New York. Heute sprüht er nur noch legal. Früher nicht. Foto: StZ
Ein Graffiti von DJ Crypt in New York. Heute sprüht er nur noch legal. Früher nicht. Foto: StZ

Stuttgart - Als der Stuttgarter Künstler und DJ „Crypt“ 15 Jahre alt war, da hat ihn das Virus infiziert. Das war auf einer HipHop-Jam, 1996, dort war er fasziniert von den Sprayern, die ihre Kunst zeigten. Sein nächster Gang war der zu einem Graffiti-Laden, wo er sich die nötige Ausrüstung kaufte.

Sprayen – ein Hobby am Rande der Illegalität. Bis heute hat ihn das Virus nicht mehr losgelassen: „Manchmal schlummert es, aber es kann immer wieder voll ausbrechen“. Crypt suchte den Kick beim illegalen Sprühen. Heute empfängt er in seiner gerade bezogenen Parterre-Wohnung in einem schicken Neubau in Stuttgart-West.

Niemals im Suff sprühen

Früher hatte Crypt oft Probleme mit der Polizei, obwohl er bei seinem ersten Kontakt mit der Strafverfolgung seiner Mutter versprochen hatte, mit dem Sprühen aufzuhören. Das Virus hatte ihn infiziert. Als er zum ersten Mal erwischt wurde, war er noch minderjährig, 15 Jahre alt, hatte grade angefangen, war noch unerfahren. „Klar, mit der Zeit wirst du erfahren, kennst die Tricks, weißt dich zu schützen“.

Niemals im Suff sprühen, sagt er. Denn illegal sprühen ist ein Hochleistungssport. Es ist Katz und Maus mit der Polizei. Dem Anderen immer einen Schritt voraus sein. Je erfolgreicher man das schafft, desto angesehener wird man in der Szene. Je öfter man seinen Namen an einer Wand hinterlassen konnte, taggen genannt im Graffiti-Jargon, desto größer der Respekt der Anderen. „Bei mir war es primär die Sucht, den eigenen Namen zu verbreiten“, sagt er, „Irgendwann kamen die Leute dann auf den Trichter: auf Zügen sehen das ja noch mehr“. Natürlich taggt niemand seinen bürgerlichen Namen, jeder hat ein Künstlerpseudonym.

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