Illegales Baumhaus in Althütte Futterplatz für Vögel droht der Abriss

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Ein ohne Genehmigung gebautes Baumhaus im Wald dient allerlei Tieren als Refugium – doch ausgerechnet der Naturschutz könnte die Futter- und Wohnstätte zu Fall bringen.

Das Baumhaus in gut zehn Metern Höhe ist eine imposante Erscheinung. Foto: Gottfried Stoppel
Das Baumhaus in gut zehn Metern Höhe ist eine imposante Erscheinung. Foto: Gottfried Stoppel

Althütte - Zurzeit, da die Bäume ihr Laubkleid abgelegt haben, ist das ungewöhnliche Bauwerk im Wald bei Althütte-Lutzenberg, kurz hinter der Abzweigung in Richtung Auenwald, schon von der Straße aus zu erkennen. In gut zehn Metern Höhe ist um den Stamm einer Buche ein Baumhaus gezimmert worden, das in der Art und Ausführung wohl in der Region seinesgleichen suchen dürfte: Fünf Räume mit Fenstern und Türen sind auf einer Grundfläche von sechs mal sieben Metern zu einem formschönen, überdachten Ensemble zusammengefügt. Mehrere Flaschenzüge mit Betongewichten hängen von der Plattform herab, auf der es errichtet ist, vermutlich, um Mensch und Material bei Bedarf in luftige Höhen zu befördern.

Mehrere Behörden sind eingeschaltet

Wann genau der private Bauherr sein kleines architektonisches Meisterwerk fertiggestellt hat, ist nicht so genau nachvollziehbar, es soll aber schon vor einiger Zeit in Betrieb genommen und über Jahre stetig verbessert worden sein, heißt es in der Gemeinde. Seit November vergangenen Jahres beschäftigt es nun allerdings offiziell nicht nur die örtliche Verwaltung und das Ratsgremium der Kommune, sondern auch das Backnanger Baurechtsamt, den Verband Region Stuttgart, das Regierungspräsidium und das Waiblinger Landratsamt.

Der Grund für den Behördenmarathon ist, dass der Bauherr, der bisher davon ausgegangen war, ein nicht genehmigungspflichtiges Vorhaben verwirklicht zu haben, notgedrungen ein nachträgliches Baugesuch eingereicht hat – für einen ganz besonderen Zweck: Die Anlage soll demnach zumindest über die Wintermonate als Futterplatz für heimische Vogelarten und Waldbewohner dienen, so die Begründung in dem Antrag, dem auch Grundrisse und Seitenansichten mit detailgetreuen Aufmaßen und Nutzungsangaben beigefügt sind.

Siebenschläfer unterm Dach

Auch die Schar der aktuellen Restaurantbesucher ist im Genehmigungsantrag dokumentiert: Neben gängigen Vogelarten wie Sperling, Rotkehlchen oder Amsel sind allein vier verschiedene Meisen- und zwei Finkenarten aufgeführt. Auch flügellose Tierarten wie Waldmaus, Eichhörnchen oder Siebenschläfer sollen sich einquartiert haben. Letzterer logiere unter den Dachsparren. Am und um das Häuschen herum seien zudem eigens Nistkästen für Höhlen- und Baumbrüter, Baumläufer und Fledermäuse angebracht.

Ihnen droht indes der Zwangsauszug. Zwar hat der Bauherr die erste Hürde im Nachgenehmigungsverfahren bereits genommen. Das Baurechtsamt der Stadt Backnang als zuständige Genehmigungsbehörde hat die eingereichten Unterlagen für die planungsrechtliche Beurteilung für ausreichend befunden, die betroffenen Nachbarn schriftlich informiert und innerhalb einer Vier-Wochen-Frist keinerlei Einwände zurückbekommen.

Mitten im Naturschutzgebiet

Dennoch hängt das mit Stahlseilen festgezurrte Baumhaus im übertragenen Sinn an einem seidenen Faden. Ausgerechnet der Naturschutz könnte als Grund herangezogen werden, um dem Häuschen die Daseinsberechtigung zu versagen. Das Baugrundstück nämlich befindet sich nicht nur inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und am Rande eines Biotops, es unterliegt auch den Maßgaben der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH).

Dennoch hat der Althüttener Gemeinderat unter Vorsitz des Bürgermeisters Reinhold Sczuka der umstrittenen Nachgenehmigung des Tierrefugiums vorab mehrheitlich seinen Segen erteilt – auch wenn den Räten insbesondere einige Sorgen bereitet, inwieweit das Konstrukt den menschlichen Sicherheitsansprüchen Genüge leistet. Dies freilich nur unter dem Vorbehalt, dass nach Einholung sämtlicher Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange keinerlei Einwände aus diesen hervorgingen, wie der Bürgermeister betont. „Aber“, sagt Reinhold Sczuka, und relativiert so die gerade erteilte vermeintliche Absolution: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der Fall sein wird.“




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