Im Dekanat Ludwigsburg Weniger Mitglieder und Geld – aus 33 Kirchengemeinden werden zwei

von links die Dekanatsreferentinnen Birgitta Negwer und Anne Braun sowie Dekan Alexander König. Foto: Arnd Bäucker

Im katholischen Dekanat Ludwigsburg müssen sich die Gemeinden über einschneidende Strukturreformen Gedanken machen. Denn die „Kirche der Zukunft“ bringt viele Veränderungen mit sich.

Seelsorge in neuen Strukturen“ – das soll die Kirche der Zukunft im katholischen Dekanat Ludwigsburg ausmachen. Denn auch künftig will „die Kirche nah bei den Menschen sein“, betonte Dekan Alexander König bei einem Pressegespräch zu geplanten Strukturreformen. Doch diese werden das Gesicht der Kirche nachhaltig verändern.

 

König umriss die drei großen Herausforderungen. Bis 2040 rechnet man mit einem Rückgang der Mitglieder zwischen 23 und 32 Prozent. Dazu schrumpfen die Finanzmittel: Hier erwartet die Kirche bis 2035 ein Minus zwischen 24 und 27 Prozent, bis 2040 könnten es sogar bis zu 36 Prozent sein. Und schließlich wird es auch ein großes Defizit der pastoralen Berufsgruppen geben: Bis 2040 summiert sich der Rückgang auf 50 Prozent. Die Ursachen für diese Entwicklung sind bekannt: Austritte, die Demographie, und „die großen Jahrgänge gehen in den Ruhestand, es kommen lange nicht so viele nach,“ sagte König.

Hoffnung ruht auch auf dem Ehrenamt

Angesichts dieser Trends hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart im März vergangenen Jahres einen Prozess „Kirche der Zukunft“ gestartet. Die Vorgaben klingen ambitioniert. Die 1020 Kirchengemeinden der Diözese sollen zusammenwachsen auf nur noch 50 bis 80 – das bedeutet, im Schnitt wird aus 15 Gemeinden nur noch eine. Die Verwaltungsaufgaben der Gemeinden sollen bei einer Person, die fachlich kompetent ist, gebündelt werden. Damit, so der Dekan, entspreche man einem Anliegen vieler Ehrenamtlicher. Die wollten sich gerne engagieren, aber vor allem inhaltlich, weniger bei Zeit fressenden Verwaltungsaufgaben. Überhaupt hofft die Kirche, dass Ehrenamtliche sich stark einbringen.

Was bedeutet das für das Dekanat Ludwigsburg? Dekanatsreferentin Anne Braun machte deutlich: „Derzeit haben wir 33 Gemeinden, die in 13 Seelsorgeeinheiten organisiert sind.“ Daraus würden dann zwei Kirchengemeinden, möglicherweise, falls das Dekanat Mühlacker noch mit Ludwigsburg zusammenkäme, drei. Im Pressegespräch wurde deutlich, dass Ludwigsburg und Bietigheim favorisierte Standorte für die neuen Gemeinden wären.

Gemeinden werden zu „Kirchorten“

Allerdings hat man sich das nach den Planungen nicht so vorzustellen, dass dann ein totaler Kahlschlag zugunsten dieser „neuen Raumschaften“ droht. Derzeit stehen für die 13 Seelsorgeeinheiten noch zehn Pfarrer und einige Vikare zur Verfügung. Die bisherigen Gemeinden werden zu „Kirchorten“, an denen es immer noch kirchliche Angebote, auch Gottesdienste, geben wird. Aber, so Anne Braun, „es muss nicht mehr immer alles sein.“ Gedacht ist an „Netzwerke“, die dann Kirchort-übergreifend entstehen könnten, dabei spielen Themen-Teams und die Caritas eine Rolle – um weiter „Kirche bei den Menschen“ zu sein.

Derzeit ist der Prozess in der Diskussion. Im Ludwigsburger Dekanat ist eine Steuerungsgruppe verantwortlich, zu der unter anderen Dekan König und Dekanatsreferentin Braun gehören. Anne Braun unterstrich: „Der Prozess setzt auf Beteiligung.“ Bis April sollen die Gemeinden erste Vorschläge machen, welche Möglichkeiten es für Zusammenschlüsse gibt. In mehrmaligem Austausch und Feedback auch mit dem Diözesanrat soll dann im Herbst ein gemeinsamer Vorschlag für die sogenannten „Raumschaftsumschreibungen“ stehen; die letzte Entscheidung trifft im Dezember der Bischof.

Der Dekan sieht auch Chancen

Das heißt aber nicht, dass die neue Struktur ab Januar 2027 in Kraft tritt. Es ist eine Übergangszeit bis Januar 2029 oder Januar 2030 vorgesehen. In jedem Fall liegt dem Prozess eine durchdachte Strategie zugrunde. Anne Braun hat beobachtet: „Ich freue mich, dass viele Menschen mit Offenheit diesem Prozess begegnen, und ihre Ideen, Fragen und Anliegen mit großem Engagement einbringen.“

Dekan König hob die Chancen hervor: „Kirche wird künftig in weiteren Räumen denken… Wenn die Verwaltung in den neuen Körperschaften gut abgedeckt ist mit Gremien und Fachkräften, dann entsteht künftig mehr Raum, am Ort Neues auszuprobieren.“ Ehrenamtliche und Hauptberufliche bekämen mehr Freiheit, das zu tun, woran sie wirklich Freude haben.

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