Im ersten Durchgang Kretschmann zum Ministerpräsidenten gewählt

Von dpa 

Bei der Wahl zum Ministerpräsidenten bekam Winfried Kretschmann auch Stimmen aus dem Lager der früheren schwarz-gelben Regierung.

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Stuttgart - Knapp sieben Wochen nach dem grün-roten Sieg bei der Landtagswahl ist der historische Machtwechsel in Baden-Württemberg perfekt: Der Landtag wählte am Donnerstag Winfried Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten in Deutschland. Der frühere Grünen-Fraktionschef erhielt in Stuttgart 73 von 138 Stimmen. Da die grün-rote Koalition 71 Abgeordnete hat, bekam der 62-Jährige mindestens zwei Stimmen aus den Reihen der Opposition von CDU und FDP. 65 Abgeordnete stimmten mit Nein. Mit Kretschmanns Wahl ist die 58 Jahre lange Dominanz der CDU in Baden-Württemberg durchbrochen.

Kretschmann sagte auf die Frage von Landtagspräsident Willi Stächele (CDU), ob er die Wahl annehme: „Herr Präsident, ich nehme die Wahl an und danke für das große Vertrauen des Hohen Hauses.“ Anschließend leistete der gläubige Katholik seinen Amtseid mit der Formel „so wahr mir Gott helfe“. Grün-Rot löst somit die langjährige schwarz-gelbe Regierung ab. Der frühere Grünen-Fraktionschef und Ethiklehrer Kretschmann übernimmt das Amt von Stefan Mappus (CDU), der den Posten nur gut ein Jahr innehatte. Am frühen Nachmittag sollten die Minister im Landtag vereidigt werden.

Gisela Erler wird Staatsrätin

Kurz vor seiner Wahl hatte Kretschmann eine letzte größere Personalie geklärt: Als Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung stellte er die Sozialwissenschaftlerin Gisela Erler vor. Die 65-Jährige ist die Tochter des prominenten SPD-Politikers Fritz Erler (1913-1967) aus den Gründungsjahren der Bundesrepublik.

Grün-Rot hatte bei der Landtagswahl am 27. März vier Sitze mehr im Parlament als CDU und FDP erobert. Gründe für den Wahlsieg von Grün-Rot waren unter anderem der massive Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Grüne und SPD hatten bereits am Montag den Koalitionsvertrag unterschrieben, der zuvor von Parteitagen gebilligt worden war. Die Vereinbarung trägt den Titel „Der Wechsel beginnt“.