Im Führerhaus 65-Jähriger LKW-Fahrer schmuggelt 250 Kilo Drogen
Der Mann steht wegen Drogenschmuggels vor dem Stuttgarter Landgericht. Er erzählt dem Richter offen, wie das Ganze ablief.
Der Mann steht wegen Drogenschmuggels vor dem Stuttgarter Landgericht. Er erzählt dem Richter offen, wie das Ganze ablief.
Der Mann auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts hat schon mit einigen Nackenschlägen im Leben fertig werden müssen. Auch den seit Kurzem gegen ihn laufenden Prozess wegen Drogenschmuggels scheint der Mann mit der Brille und den grauen Haaren mit einer gewissen Gelassenheit anzugehen. „Guten Morgen“, ruft er freundlich in den Gerichtssaal.
Bereitwillig erzählt er später aus seinem Leben, das ihm einige Steine in den Weg gelegt hat, die er aber zum größten Teil auch wieder beiseiteschaffen konnte. Sein Vater starb bei einem Verkehrsunfall, als er elf Jahre alt war. Nach dem Hauptschulabschluss im Raum Göttingen erlernte er bei seinem Onkel den Beruf des Fleischers und ging dann für acht Jahre zur Bundeswehr, wo er in einem Offizierscasino viel Kontakt mit amerikanischen und kanadischen Offizieren hatte. Da er bei der Bundeswehr den LKW-Führerschein machen durfte, begann er Anfang der 1990er-Jahre als LKW-Fahrer bei einer Spedition, die sich auf Autotransporte spezialisiert hatte.
Nachdem ihm der Führerschein ein halbes Jahr lang entzogen worden war, weil ein Auto von seinem Transporter gerutscht war, fing er 2003 bei einer spanischen Spedition als Fahrer an und zog ein paar Jahre später in eine kleine Stadt zwischen Barcelona und Girona, nachdem er dort seine zweite Liebe gefunden hatte. Die Anklagevorwürfe, die die Staatsanwaltschaft ihm machte, und die er auch am ersten Verhandlungstag einräumte, haben allesamt mit seiner Tätigkeit als Kraftfahrer zu tun.
Der 65-Jährige bestätigte, dass er zwischen Juli 2020 und Februar 2021 auf fünf Touren zwischen Spanien und Deutschland insgesamt 240 Kilogramm Marihuana nach Deutschland eingeschleust hat. Angeworben worden war er von einem Mann aus Leonberg, der zusammen mit zwei Komplizen mit Marihuana im zweistelligen Kilogrammbereich Handel getrieben haben soll. Pro transportiertem Kilogramm bekam der Angeklagte 150 Euro, insgesamt für alle Fahrten knapp 39.000 Euro. Der Kontakt lief über sogenannte Krypto-Handys. Dreimal wurde das Marihuana, das der Angeklagte in Taschen im Führerhaus transportierte, in Leonberg an einer Tankstelle übergeben, einmal in Ditzingen und einmal in Baden-Baden.
Der 65-Jährige räumte auch ein, eine Drogeneinfuhr aus Spanien im Wert von knapp 70.000 Euro durch einen Kollegen unterstützt zu haben, indem er diesen vermittelte und bei der Planung half. Der Angeklagte war im vergangenen Jahr mit internationalem Haftbefehl gesucht worden und in Spanien festgenommen worden. Seit Ende Dezember 2025 sitzt er in hierzulande in Untersuchungshaft.
Dem Geständnis vorausgegangen war ein Verständigungsgespräch zwischen Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Demnach wurde dem Angeklagten im Gegenzug ein Strafkorridor zwischen drei Jahren und drei Jahren und neun Monaten angeboten, was alle Prozessbeteiligten akzeptierten.
Der Angeklagte, der unter Herzproblemen leidet und eine Notoperation an der Lunge hinter sich hat, erklärte, er sei der Alleinverdiener, seine Frau könne wegen einer leichten Behinderung nicht arbeiten. Möglicherweise müsse das Haus in Spanien, für das noch ein Restkredit über 60.000 Euro laufe, verkauft werden.
Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil soll voraussichtlich am 1. Juni verkündet werden.