Ludwigsburg - Keiner will sie, und doch haben alle dafür gestimmt: Entlang der Ludwigsburger Schlossstraße sollen Filtersäulen aufgestellt werden. Die Rede ist von bis zu 15 voluminösen Kästen, die den von den Autos produzierten Feinstaub wieder aus der Luft saugen sollen. Oberstes Ziel sei es, ein Fahrverbot zu verhindern, sagte Bürgermeister Michael Ilk im Mobilitätsausschuss. Und Matthias Knobloch, der Experte für Nachhaltige Mobilität, ergänzte: „Wir haben schon viel unternommen, um die Luft zu verbessern, aber wir sind verpflichtet, noch mehr zu tun.“ Wolle man die Schadstoffe schnell unter die Grenzwerte drücken, sei der Einsatz von Filtersäulen der beste Weg.
„Ganz grauenvoll“
Stadträtin Stefanie Knecht (FDP) findet die Säulen „ganz grauenvoll“, Silke Gericke (Grüne) sprach von einer Symptombehandlung, weil die Stadt zu lange nicht gehandelt habe, und Jürgen Müller (Linke) fragte, was die Anschaffung von Filtersäulen mit Nachhaltigkeit zu tun habe, denn die Stadt bestreitet ihren Anteil an den Kosten aus dem Fonds Nachhaltige Mobilität: „Das ist doch nur ein großer Reparaturversuch“, schimpfte Müller.
Die Säulen seien tatsächlich „keine städtebauliche Schönheit“, meinte auch Bürgermeister Ilk. „Aber sie erzielen offenbar den Wirkungsgrad, den wir gern hätten.“ Das in Ludwigsburg ansässige Unternehmen Mann + Hummel, das diese Spezialfilter herstellt, verspricht eine Absenkung der Schadstoffwerte um bis zu 15 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Ungenaue Messergebnisse
Damit könnten die Werte, die zurzeit entlang der Schlossstraße gemessen werden, vermutlich unter die kritische 40er- Marke gesenkt werden. Allerdings tappe die Stadt da noch im Dunkeln, sagten Ilk und Knobloch. Denn die Schadstoffe werden zurzeit nur aus sogenannten Sammlern gemessen. Und für diese fehlten nicht nur Vergleichswerte über einen längern Zeitraum, sie gäben auch nur einen Durchschnittswert pro Monat an. „Darum können wir auch nicht exakt sagen, was unsere bisherigen Maßnahmen gebracht haben“, sagte Ilk. Gemeint sind die Einführung von Busspuren auf der Stuttgarter- und der Schorndorfer Straße, die Einführung von Tempo 40 auf der Stuttgarter- und der Friedrichstraße sowie die Verbesserung des Busverkehrs.
Bis Herbst 2019 gab es in Ludwigsburg eine zentrale Messstelle an der Friedrichstraße, doch diese wurde von der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ersatzlos abgebaut. Seither gibt es nur noch die kleineren Messeinheiten zwischen Sternkreuzung und Schloss. Galt bis dato die Luft in der Friedrichstraße als die schädlichste in der Stadt, wird seither die Schlossstraße als Feinstaub-Hotspot betrachtet.
Angst vor Katz-und-Maus-Spiel
Stefanie Knecht befürchtet denn auch ein weiteres Katz-und-Maus-Spiel. Sie wollte ebenso wie Margit Liepins (SPD) wissen, was denn passiere, wenn der LUBW nach der Installation der Filter einfalle, erneut an einer ganz anderen Stelle in der Stadt zu messen? Das wäre natürlich „ein Horrorszenario“, sagte Knobloch. Aber Ilk meinte: „Wenn wir das am Schloss im Griff haben, haben wir das Schlimmste geschafft.“ Man müsse den Verkehr „verflüssigen“, sagte Klaus Herrmann (CDU). „Außerdem muss unser Baustellenmanagement besser werden.“ Auch damit ließe sich die Luft verbessern.
Die Säulen und ihre Montage kosten 1,35 Millionen Euro. Ludwigsburg muss davon 100 000 Euro zahlen. „Wir konnten dem Regierungspräsidium klar machen, dass in der Coronakrise nicht mehr geht“, sagte Ilk. Den Restbetrag steuert das Verkehrsministerium bei.