Im Kreis Ludwigsburg Deutlicher Anstieg – immer mehr Familien benötigen psychologische Beratung
Der Bedarf an Angeboten im Kreis Ludwigsburg steigt, die Themen werden immer komplexer. Die Beratungsstellen stoßen an ihre Grenzen.
Der Bedarf an Angeboten im Kreis Ludwigsburg steigt, die Themen werden immer komplexer. Die Beratungsstellen stoßen an ihre Grenzen.
Immer mehr Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche benötigen psychologische Beratung. Allein in der psychologischen Beratungsstelle des Landkreises Ludwigsburg sind die Fallzahlen seit dem Jahr 2020 um 65 Prozent angestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht für 2025 hervor. Insgesamt waren es fast 2500 Beratungsfälle.
Die Zuständigen sehen vor allem zwei Ursachen. Einerseits nehmen die gesellschaftlichen Belastungen zu, andererseits besteht weiterhin ein Mangel an Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche. Hinzukommt ein immer größeres Spektrum an Themen, „die Beratungsanlässe sind zunehmend komplexer“, heißt es in dem Jahresbericht. Familiäre Konflikte bleiben das häufigste Thema, jedoch zeigen sich verstärkt „psychische Belastungen wie Ängste, depressive Symptome und soziale Auffälligkeiten“.
Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich bei der psychologischen Familien- und Lebensberatung Ludwigsburg von der Caritas. Viele Hilfesuchenden haben weit mehr als nur ein Päckchen zu tragen: psychische Erkrankungen, Trennung in der Familie, Belastungen durch Flucht, bei den meisten kommt vieles zusammen. „Dies führt zu höherem Beratungsaufwand, längeren Verläufen und größerem Bedarf an qualifizierten Ressourcen.“ Um dem entgegenzuwirken organisieren die Beratungsstellen regelmäßig Präventionsangebote an Kindergärten und Schulen.
Die Folgen liegen auf der Hand: Die Beratungsstellen stoßen „angesichts der hohen Fallzahlensteigerungen und zunehmender Komplexität vermehrt an ihre strukturellen Grenzen“, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht.
Nicht leichter wird die Situation dadurch, dass infolge der Sparmaßnahmen des Landkreises, bedingt durch die stetig wachsenden Ausgaben, auch soziale Hilfsangebote zum Teil eingeschränkt oder sogar ganz eingestellt werden mussten, weil die notwendigen Zuschüsse fehlen.
Das Projekt Stellwerk, das mit Jugendlichen arbeitet, die sexuelle Grenzen überschritten haben, hatte aufgrund des steigenden Beratungsbedarfs auf eine Erhöhung der Fördergelder gehofft, aufgrund des Sparzwangs blieb diese aber aus. Die Beratungsstelle der Caritas für Menschen mit Essstörungen musste zum Jahreswechsel sogar komplett schließen.