Im Kunstverein Wagenhalle: David Baur Dildos für den guten Geschmack

Von Armin Friedl 

Statt auf Malerei konzentriert sich David Baur derzeit auf die Entwicklung und Produktion von Sexgegenständen aus Silikon. Teil 2 unserer Serie über die Menschen von den Stuttgarter Wagenhallen.

David Baur mit seinen Prototypen und weiteren zeichnerischen Entwürfen. Foto: Friedl/Friedl
David Baur mit seinen Prototypen und weiteren zeichnerischen Entwürfen. Foto: Friedl/Friedl

Stuttgart - Ziemlich düster sieht es in den Bildern von David Baur aus, viele Wolken in schwarz, grau und erdig. Einige Schemen sind zu erkennen, dazu viel Fragmentiertes: Eine düstere Welt voller Zerstörung, Gewalt und Gefahr stellt Baur da dar. Als „hehre Kunst“ bezeichnet das Baur selbst, die er ja auch studiert hat, an der Stuttgarter Kunstakademie und in Nürnberg bei Professoren wie Sotorius Michou, Alexander Roob oder bei Georg Winter.

So repräsentativ wie eine Skulptur

Doch in seinem Wagenhallen-Atelier steht anderes im Zentrum: Sex-Toys, vor allem Dildos. Baur redet da ziemlich schnell und ohne Umschweife: „Es geht hier ums Geld verdienen“. Aber dann doch auch wieder um Kunst: „Ich will da nicht nur irgendwas machen. Sondern das sollen auch Dinge sein, die für sich selbst stehen können, die man auch repräsentativ in ein Regal stellen kann wie eine Skulptur.“

Dann soll es also doch was Besonderes sein: „Ich verwende ausschließlich zu 100 Prozent zertifiziertes klinisches Qualitätssilikon aus Deutschland ohne Weichmacher und ohne Farbstoffe. Alles ist ausschließlich selbst gefertigt in kleiner Stückzahl. Jeder Produktionsschritt wird genau von mir überwacht. Silikon ist äußerst sensibel, es verzeiht nicht einmal kleinste Fehler.“

Viel Lob, aber keine Bestellungen

Der Weg von der hehren Kunst zum Sexspielzeug – da schwingt bei Baur schon etwas Enttäuschung mit. Und mühsam scheint der eine wie der andere zu sein. Doch da tritt wieder der Tatmensch Baur auf: „Das war schon sehr schwierig: Die Korrespondenz darüber führen, den richtigen Partner suchen. Überhaupt: Was geht da, was wollen die Leute wirklich“. Viel Lob hat Baur für seine Ideen bekommen, auch für seine ersten Produktbeispiele – doch die Bestellungen blieben aus.

Denn wie auch sonst gibt es bei qualitätsbewussten Produkten einen Hauptkonkurrenten: Den Billigheimer. Den gibt es schon für unter zehn Euro und der kommt wohl vor allem aus China. Baur: „Das ist so ein schlabbriges Irgendwas, wo man nicht weiß, was da alles drin ist, aus was der überhaupt gemacht ist.“ Und noch billiger wird es, wenn ein Elektromotor drin ist. Dann ist es ein Vibrator. Wobei Baur prinzipiell auch nichts gegen Vibratoren hat. „Aber sehen Sie sich diesen Motor an“ – Baur hat so einen in einem der Regale – „der ist nur ganz billig gemacht“ und stammt vermutlich auch aus China. Baur: „Es ist sehr schwierig, hier einen wirklich guten Elektromotor zu bekommen.“

Preislich in der Oberklasse

Also zurück zum Dildo: Für 50 Euro ist bei Baur einer zu bekommen. Und ja: Das ist Oberklasse in diesem Segment. Und da türmt sich schon das nächste Thema auf: Wer macht den Preis, wer verdient am meisten daran? – Der Hersteller, der Verkäufer, derjenige, der diese Dinge vertreibt?. – Da singen viele Selbstständige, die etwas eigenes anbieten wollen, ein leidvolles Lied zu singen vom ganz geringen Material- und Arbeitseinsatzpreis und dem, was dies dann beim Endverbraucher kostet. Ein eigener Vertrieb muss also auch her, und der geht heute natürlich digital als Onlineshop. Auch das ist ein weiteres Arbeitsfeld von Baur. Demnächst soll er fertig sein.

Viele weitere Modelle sind denkbar

Und dann bleibt noch die eigentliche Arbeit am Objekt: Verschiedene Größen, Formen und Farben – das gehört natürlich zur Grundauswahl in diesem Genre. Baur arbeitet außerdem noch gerne mit Noppen dran, mal viele kleine und perlige, dann größere, unregelmäßiger verteilt, andere wirken wie verdreht, und die Farben sind durchaus extravagant. Wer dies bestellt, bekommt den Dildo in einem Baumwollsäckchen geliefert, drumherum umgeben von einer hochwertigen Verpackung. Noch bietet er nur die drei Grundmodelle Sisko, Sali und Samson an, in schwarz oder in weiß. Auch die Namen wollen gut überlegt sein.

Jetzt wird dann eine regelrechte Produktionsstraße in das Künstleratelier eingebaut. Bei so viel Baustellen ist es müßig, von Baur wissen zu wollen, auf welche Stückzahl er kommen muss, damit sich der ganze Aufwand rechnet: „Im Herbst gibt es jetzt eine Fachmesse, dann kommt das Weihnachtsgeschäft. Dann hat sich das amortisiert“, so Baur entschieden. Die Malerei, auch das Comicbuch Gott 2000 mit vielen eigenen Zeichnungen und humorvollen bis nachdenkenswerten Aphorismen muss noch eine Weile warten.

Sonderthemen