Im Ludwigsburger Stadtbad soll ein offener Treff entstehen Nachwuchsstadträte kämpfen um Jugendzentrum

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Die neue Mensa im Ludwigsburger Stadtbad wird schon gebaut, nun soll auch noch ein Jugendzentrum kommen – in der alten Sauna nebenan. Für die Jugendgemeinderäte ist es ein Herzensangelegenheit.

Schwimmen, das war einmal: Hinter der Fassade hat die Verwandlung des ehemaligen Stadtbads begonnen. Auf eine neue Mensa, soll ein Jugendtreff folgen. Foto: factum/Granville
Schwimmen, das war einmal: Hinter der Fassade hat die Verwandlung des ehemaligen Stadtbads begonnen. Auf eine neue Mensa, soll ein Jugendtreff folgen. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Ein zentraler Treff für Jugendliche in der Stadtmitte? Damit würde dem noch relativ neuen Ludwigsburger Jugendgemeinderat ein großer Coup gelingen. Entstehen könnte dieses Jugendhaus im ehemaligen Stadtbad. Die Verwaltung hat gemeinsam mit den Jugendbetreuern ein Konzept entwickelt. Nun wird erwartet, dass der Sozialausschuss im Gemeinderat am Mittwoch dafür grünes Licht gibt.

Wo früher geschwommen wurde, sollen schon vom Herbst 2019 an Campusschüler ihr Mittagessen einnehmen. Und wo früher sauniert wurde, könnten sich bald auch Jugendliche zum Lernen, zu kleinen Konzerten oder einfach zum Chillen treffen. „So etwas gibt es bisher in der Stadtmitte nicht und der Ort wäre optimal“, sagt Hannah Junginger, die im Fachbereich Bildung und Familie für die Beteiligung von Jugendlichen zuständig ist. Das Stadtbad liegt am Schulcampus und in der Nähe des Akademiehofes, wo sich auch abends viele Jugendliche treffen.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

„Der Jugendtreff ist uns eine extreme Herzensangelegenheit“, sagt Jugendgemeinderätin Vanessa Buchmann (18). Deshalb sei das Thema schon beim ersten großen Treffen des Jugendparlaments im Mai 2017 auf die Tagesordnung gekommen. Von dem Projekt hänge inzwischen auch die Glaubwürdigkeit des Gremiums ab, „weil wir vielen gesagt haben, dass das kommen wird“. Ein Scheitern wäre auch mit Blick auf die Neuwahlen im kommenden Jahr fatal, meint die Studentin. Wer sollte schon für den Jugendgemeinderat kandidieren, wenn er ohnehin nichts umsetzen könne?

Zugleich aber stehe auch die Glaubwürdigkeit der Stadträte und der Rathausspitze auf dem Prüfstand. Schließlich habe man die Jugendlichen darin bestärkt, jugendrelevante Themen voranzubringen. „Und ein Jugendhaus ist doch wohl das klassische jugendrelevante Thema“, sagt Vanessa Buchmann, die befürchtet, dass das Projekt, selbst wenn es im Ausschuss wohlwollend diskutiert wird, erst mal für lange Zeit in der Schublade verschwinden könnte.

Tatsächlich ist der Umbau der Sauna als gesonderte Baumaßnahme geplant. Mit ihr soll frühestens nach der Fertigstellung der Mensa 2019 begonnen werden. Zwar sollen schon im kommenden Jahr 50 000 Euro für die Planung bereitgestellt werden, die für den Umbau nötige Summe – geschätzt: eine Million Euro – soll jedoch erst in der Zeit von 2020 bis 2022 gesammelt werden.

Länger als jede Legislaturperiode

Das mag zwar dem üblichen Zeitplan für öffentliche Bauvorhaben entsprechen, aber für Jugendliche ist das eine kleine Ewigkeit. Zumal eine Legislaturperiode für den Jugendgemeinderat nur zwei Jahre dauert. Patrick Burtchen, der bei der Stadt für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist, spricht denn auch von „einem großen Projekt“. So strategisch gut die Lage des ehemaligen Stadtbads sei, so hoch seien die Hürden, die die Denkmalpflege und der Brandschutz auftürmten. Noch fehle eine konkrete Planung, noch sei unklar, wie teuer das Ganze am Ende werde.

Trotz allem gelte, dass ein solches Angebot für Jugendliche in Ludwigsburg überfällig sei. Ein solcher Treff sei eine wunderbare Ergänzung zur Villa Barock. Er könne Chancen für ganz neue Felder in der Jugendarbeit eröffnen. Einerseits böte sich eine Vernetzung mit den bestehenden Einrichtungen an den Schulen an – etwa die Schulsozialarbeit oder dort ein Andocken an laufende Schulprojekte in Sachen Medien oder Suchtverhalten. Andererseits sollte über dem Erzieherischen aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen. „Es geht um eine ansprechende Freizeitgestaltung“, sagt Burtchen. Die jungen Leute sollten kreativ sein und etwa Filme machen können. Wichtig sei jedenfalls, dass sie vieles in Eigenregie unternehmen könnten.