Schülerinnen auf Erkundungstour in den neu gestalteten Mädchentoiletten. Links der „Schminktisch“ mit Spiegel und Hygieneartikeln. Foto: Stefanie Schlecht
Für insgesamt rund 1,8 Millionen Euro hat das Max-Planck-Gymnasium Böblingen neue Bio- und Physikräume erhalten. Auch die Schultoiletten erstrahlen nach über 50 Jahren in neuem Glanz.
Vorbei sind die Zeiten, als man in den alten Schulklos im Gebäude den Toilettenflair der 1970er Jahre genießen durfte oder wie zuletzt sich für eine kurze Pinkelpause draußen auf dem Hof an den Containerhäuschen anstellen musste. Seit Montagmittag stehen die sanierten und farbig gestalteten Jungs- und Mädchen-Toiletten den rund 800 Schülerinnen und Schülern des Max-Planck-Gymnasiums (MPG) in Böblingen wieder offen.
Rund sechs Monate später erstrahlen die Toiletten nun in neuem Glanz. Entsprechend frenetisch feierten die Kinder und Jugendlichen mit tosendem Applaus und Jubelpfiffen den Moment, als MPG-Schulleiterin Veronika Belle-Häsler vor den Augen einiger Lehrerkollegen und des Ersten Bürgermeisters Böblingens, Tobias Heizmann, das rote Samtband durchschnitt. Nicht aber ohne den Schülern mit auf den Weg zu geben: „Behandelt die Toiletten pfleglich! Ich gönne sie euch. Ich gönne den Toilettenräumen aber auch ein gutes Aussehen!“
Schulleiterin Veronika Belle-Häsler durfte die neuen Räumlichkeiten feierlich eröffnen. Foto: Stefanie Schlecht
„Die Toiletten stammten aus 1972. Seitdem ist baulich nicht viel passiert. Die Infrastruktur konnte nun auf den neusten technischen Stand gebracht werden“, erklärt Belle-Häsler und betont: „Ich denke immer auch, das Wohlbefinden eines Menschen fängt bei den biologischen Bedürfnissen an.“ Positiv auf das Stimmungsbild sollen nun die bunten Wände und Fliesen wirken – auf der Mädchentoilette in Rosé-Dunkelrot und bei den Jungs in Aquamarin-Grau. Die Schülerinnen verfügen noch über einen Spiegel („Schminktisch“) mit Ablage und Schränkchen, in denen Tampons und Binden enthalten sind.
Die Jungstoiletten erstrahlen in verschiedenen Blautönen. Foto: Stefanie Schlecht
Die beiden Schülersprecher Ella Tresp und Filippo Longo zeigen sich erfreut über die nagelneuen Toilettenräume. „Endlich ist es so weit. 50 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Man hat den Toiletten angesehen, dass sie alt waren. Nicht immer funktionierte alles gut. Es gab auf dem Mädchenklo Kabinen, die man nicht abschließen konnte“, sagt die Zehntklässlerin. Filippo Longo freut sich, dass die SMV im Entscheidungsprozess zu den Farben beteiligt wurde und „sich gerade in der Zehn-Minuten-Pause keine Schlangen mehr an den provisorischen Toilettenhäuschen im Schulhof bilden“. Jetzt, wo die Container der Vergangenheit angehören, sind auch die Wege zur Toilette wieder kürzer.
Bio- und Physikunterricht mit modernen Mitteln
Rund ein halbes Jahr dauerte der Umbau der Biologie- und Physikräume. Auch die Unterrichtsräume der beiden naturwissenschaftlichen Fächer stammen aus dem Jahr 1972. Entsprechend in die Jahre gekommen waren die Säle, wie Veronika Belle-Häsler erzählt: „Es gab noch Uni-Hörsaalreihen, die nach hinten immer höher wurden. Die Holzbänke waren veraltet. Gruppenarbeit war kaum möglich, weil dies immer Bewegungsfreiheit braucht.“ Die Monate der Renovierung erforderte Flexibilität, wie die Rektorin erläutert: „Wir haben während des Umbaus den Chemie- und Natur-Wissenschaft-Technik-Bereich genutzt. Dadurch lief statt Experimenten eben häufiger mal ein Film.“
Seit einigen Tagen verfügen die Schüler nun über mehr Mobilität, bequemere quietschgrüne Stühle, Mikroskope in Griffnähe, bewegliche Steckdosenblöcke und ein digitalisiertes Whiteboard. „Das ist eine deutliche Verbesserung“, findet auch Biolehrerin Emily Binder. Ebenfalls renoviert: Das Bio-Labor. „Das Labor ist eines der Sicherheitsstufe 1. Dort können wir dank der Ausstattung und der strengen Regeln sogar genetisches Material verändern“, sagt Binder. Nicht nur Schülergenerationen werden von der modernen Infrastruktur profitieren, selbst die Ausstellungsstücke im Vorbereitungsraum wie das Modell eines menschlichen Herzens, getrocknete Bienen oder die Tierschädel haben räumlich eine Aufwertung erfahren.
„Nötig, aber nicht ausreichend“
Rund 1,8 Millionen Euro haben die Modernisierungsarbeiten für die neuen Räume und die Toilettenanlagen gekostet. Geld, das auch nach Ansicht des Ersten Bürgermeisters Tobias Heizmann dringend investiert werden musste: „Dass gerade in Zeiten knappen Budgets solche Projekte umgesetzt werden, ist umso schöner. Hier sieht man, die Investitionen kommen an.“ Heizmann betont aber auch: „Natürlich wären überall viel mehr Investitionen nötig. Rund 15 bis 20 Millionen fließen in Schulen. Das reicht aber nicht aus. Wir müssen aber durch die angespannte Haushaltslage stärker priorisieren.“
Ausgaben für die Infrastruktur
Investitionen Die Stadt Böblingen hat für Investitionen rund 76,6 Millionen Euro zur Verfügung. Entscheidungen, wie die Sanierung der Bio- und Physiksäle und der Toiletten im Max-Planck-Gymnasium, wurden bereits 2023 gefasst und werden nun schrittweise umgesetzt.
Sparzwang Auch finanziell vergleichsweise gut aufgestellte Kommunen wie Böblingen müssen wegen Haushaltsdefizite den Rotstift ansetzen. Für 2026 sollen 6,5 Millionen Euro eingespart werden, für 2027 dürften die Zahlen noch schlechter ausfallen, so OB Belz kürzlich im Böblinger Gemeinderat.