Im Schlossgarten Ludwigsburg True Crime: Das spurlos verschwundene Mädchen

Zuletzt wurde die kleine Monika im Bereich des – seinerzeit noch ziemlich zugewachsenen – Schüsselessees gesehen. Hier ein Foto aus den späten 1930er Jahren Foto: privat

Bevor aus dem Ludwigsburger Schlossgarten das Blühende Barock wurde, ist dort eine Siebenjährige verschwunden. Der Fall wurde nie aufgeklärt.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Einen solch gepflegten Eindruck wie heute haben die Grünanlagen rund um das Ludwigsburger Schloss nicht immer geboten. Bevor aus dem Schlossgarten das Blühende Barock wurde, war vor allem der untere Bereich stark verwildert, wozu auch der Zweite Weltkrieg seinen Teil beitrug. Doch auch nach dessen Ende hatten die Menschen erst noch andere Sorgen, als sich um den vernachlässigten Park zu kümmern. Für spielende Kinder waren die Anlagen dennoch attraktiv – und, wie ein tragischer Fall aus dem Jahr 1950 zeigt, mitunter auch gefährlich.

 

Am 6. Juni 1950 verschwand dort ein siebenjähriges Mädchen spurlos. Die kleine Monika Gwinner, so berichteten Zeugen damals, soll zunächst noch mit anderen Kindern gespielt haben und mit diesen vom Schüsselessee aus in Richtung Schloss gegangen sein. Ein fremder Mann, berichteten zwei der Kinder später, habe ihnen Kirschen angeboten. Ob Monika mit diesem mitging, blieb unklar, auch fand die Polizei keinen, der der Beschreibung entsprochen hätte.

Halb Ludwigsburg half bei der Suche

Das Kind blieb verschwunden, obwohl die Polizei jeden Stein umdrehte, die beiden Seen im Schlossgarten und das Neckarufer abfischte, Suchhunde zum Einsatz kamen, zahlreiche Freiwillige sich auf die Suche nach der Siebenjährigen machten und Mitarbeiter des Tiefbauamts sogar die Abwasserkanäle überprüften. Als man nicht weiterkam, wurden alle Grundstücksbesitzer aufgerufen, ihren Grund und Boden zu durchsuchen. Doch auch das fruchtete nicht.

Auch im Bereich des Karussells standen viel mehr Bäume als heute. Foto: privat

Zwar gab es mehrere Verdächtige – unter anderem einen Mann, der Monikas Vater von der Arbeit kannte und wegen des Verdachts der Unzucht mit Minderjährigen festgenommen wurde –, aber keinen Verurteilten. Irgendwann griffen die ratlosen Polizeibeamten auf die Hilfe des Freiburger Parapsychologie-Professors Hans Bender zurück. Das war damals keineswegs unüblich. Bender arbeitete gut mit verschiedenen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften zusammen – und mit einem Hellseher, wenn es um vermisste Personen ging. Doch die beiden hatten ebenso wenig Erfolg wie andere, die meinten, Monikas Aufenthaltsort in der Schweiz dank der Hilfe eines Pendels entdeckt zu haben.

Größte Suchaktion der Bundesrepublik

Als vier Jahre nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens die Arbeiten für das Blühende Barock begannen und dazu die Böden umgegraben wurden, sah die Polizei eine Chance, doch noch einen verborgenen Hinweis auf ein mögliches Verbrechen zu finden. Doch obwohl die Kripo vor Ort anwesend war, gab es keinerlei Anhaltspunkte. Die Suche nach dem vermissten Kind ging als die größte Suchaktion in der Bundesrepublik in die Geschichte der Stadt Ludwigsburg ein. Aber was mit Monika Gwinner geschehen ist, blieb und bleibt rätselhaft.

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