Stadtkind Stuttgart

Im Weißen Ross geht es weiter Das Wohnzimmer von Freunden

Von Laura Müller-Sixer 

Nach der erfolgreichen temporären Eröffnung zu Beginn des Jahres, geht es nun für das Weiße Ross an der Hauptstätter Straße langfristig weiter. Die neuen Gesichter hinter der Theke in Janusch Munkwitz' Bar sind Florian Baumgartner und Maximilian Lucas Prigl.

Wir haben Florian Baumgartner (rechts) und Maximilian Lucas Prigl in ihrem neuen Wohnzimmer, dem Weißen Ross, besucht. Foto: privat 4 Bilder
Wir haben Florian Baumgartner (rechts) und Maximilian Lucas Prigl in ihrem neuen Wohnzimmer, dem Weißen Ross, besucht. Foto: privat

Stuttgart - Nicht gesucht, aber dennoch gefunden: Florian Baumgartner (36) und Maximilian Lucas Prigl (24) haben sich hinter der Bar in der Sattlerei kennengelernt. "Gastro verbindet", sagt die Bromance, und so entstand auch während der Dienstagsschicht die Idee zur gemeinsamen Sache im Weißen Ross.

Geschäftsführer der Kneipe Weißes Ross ist Janusch Munkwitz. Ihm präsentierten die beiden ihre Ideen. Janusch fand Gefallen daran und so gab er ihnen die Chance diese in seiner Bar umzusetzen - als neue Gesichter hinter der Theke und als Betriebsleiter. In dieser Funktion haben Flo und Max viele Pläne: "Wir haben einiges vor. Im Frühjahr wird es einen Umbau geben und danach erstrahlt das Weiße Ross mit angepassten Konzept im neuen Glanz."

Eine Bar ist wie eine Beziehung

Ob sie Zweifel am gemeinsamen Vorhaben hatten? Max lacht: "Nee. Das ist wie bei einer Beziehung, du weißt vorher nie, ob es funktioniert." Und so treffen zwei ziemlich ähnliche Typen von Mensch mit zwei sich ergänzenden Herangehensweisen aufeinander. Max, der vor seiner Gastrokarriere sieben Jahre als Bankkaufmann arbeitete, wechselte erst vor anderthalb Jahren hinter den Tresen. "Max ist einfach voller Ideen. Er will dann sofort losspringen und es einfach machen. Ich brems ihn dann manchmal kurz und bring noch etwas Struktur rein", sagt Flo, der schon im Wurst & Fleisch das Bier über die Theke schob.

Für beide ist die Gastro nicht ihr Hauptberuf. Flo, der im Süden wohnt, arbeitet als Grafik-Designer in seiner Hood und Max aus dem Stuttgarter Westen bringt in seiner Ottencrew verschiedenste Menschen als Gemeinschaft zusammen. Vom Feeling her gehöre das Arbeiten an der Bar jedoch zum Alltag dazu. Max sagt: "Es ist eben das Leben, das man führt." Genau deswegen sehen sie das Weiße Ross auch viel mehr als eine gemütliche Bar mit Wohnzimmer-Atmosphäre, in der sich ihre Gäste an erster Stelle wohlfühlen sollen – der erste Stammtisch tut das bereits.

Eine Karte für gute Freunde

Die Karte ist klein, vor allem aber persönlich gehalten: "Jeder von uns hat das eingebracht, was er seinen guten Freunden zu Hause auch anbieten würde." Neben verschiedenen Biersorten, Gins und Eierlikör, finden sich darauf auch regionale Weinsorten und sogar eine Hommage an alle Liebenden: "Ich habe mal einen I Frati von meiner Tante geschenkt bekommen mit der Empfehlung, ihn mit der Dame oder Person zu trinken, die mir nahesteht. Jetzt schenken wir ihn auch in der Bar aus." Und da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, gibt es im Weißen Ross auch Suppe bei Kerzenlicht und nicht zu vergessen: Champagner! "Der darf im Rotlichtviertel natürlich nicht fehlen. Das gehört zum Flair dazu!"

Pläne für die Zukunft haben sie einige: Gin und Bier soll es aus Steinbechern geben und auch optisch wird sich immer wieder etwas verändern: "Am liebsten wäre es uns, dass wir Samstag zumachen und wenn unsere Gäste dann wiederkommen, sieht irgendetwas im Innenraum anders aus." Doch hier gilt die Devise: Weniger ist mehr. Auch wenn die Jungs mit viel Support von Janusch und der Supersupply Ltd. Family um Sattlerei, Condesa, Paul & George und Co. starten, die Location soll nicht schon nach der Eröffnung durchgespielt werden: "Es wird Veranstaltungen geben, aber nicht so viele auf einmal."

Die eigentlichen Highlights sind aber noch immer die Gäste selbst: "Dieser Ort ist etwas besonderes und war schon immer irgendwie ein Zuhause für die exotischsten Menschen und deren Geschichten." Momentan bleibt es oft noch bei verstohlenen Blicken durch die Fensterscheibe: "Beim Vorbeilaufen trauen sich viele nicht einfach mal reinzuschauen. Deswegen gehe ich auch öfters mal vor die Tür und bitte die Leute rein", erzählt Flo. Doch genau das macht das "neue" Weiße Ross aus: Dass die Gastgeber ihre Gäste direkt ins Wohnzimmer einladen.