Pfingstjugendtreffen Mehr als 5000 Jugendliche in Aidlingen

Da geht es auch mal rauer zu. Foto: Eibner-Pressefoto/Carsten Schwering

Trotz knöcheltiefem Matsch: Mehr als 5000 Jugendliche haben am Wochenende beim Pfingstjugendtreffen in Aidlingen beste Laune. Sie genießen die Gemeinschaft, machen Sport, hören und sprechen von Gott und über ihren Glauben. Für sie ist Christsein ganz normal.

Solche Bilder sieht man gelegentlich von Festivals wie Wacken oder Southside – das Pfingstjugendtreffen in Aidlingen hat in diesem Jahr locker mithalten können. Regengüsse altenhalben. Durch die 5000 Menschen verwandelt sich die Festivalwiese in einen Matschsumpf. Doch das ist für die Besucher kein Grund für schlechte Laune. „Man versinkt im Matsch, aber die Stimmung ist bombe“, sagt Schwester Caroline Hornberger. „Alle freuen sich, hier zu sein und sind total motiviert.“ Die Pressesprecherin des Diakonissenmutterhaus Aidlingen, das das Treffen veranstaltet, ist begeistert darüber, wie interessiert die jungen Menschen den Predigten lauschen. Neben den Zuhörern vor Ort schalten sich rund 1300 Leute sogar per Livestream dazu.

 

Mit Geduld zum Hefezopf

Jugendliche haben keine Geduld? Von wegen! Das Pfingstjugendtreffen zeigt, wie friedlich Festivals ohne Alkohol und Eskapaden sein können. Die Jugendlichen machen es den rund 800 Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern leicht. Von Streitereien keine Spur. Stattdessen höfliche junge Leute, die gemeinsam auf Campingstühlen chillen, in kleiner Runde Gitarre spielen und singen, Veranstaltungen besuchen und Messestände begutachten. Selbst als sich vor der Hefezopf-Ausgabe eine meterlange Schlange bildet, bleibt alles entspannt. „Hier gibt es kein Gemotze“, stellt auch Schwester Caroline Hornberger fest. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Abhängen und dabei sein /Carsten Schwering

Bubble-Soccer und Jugger

Augen auf, wer über die Actionwiese läuft: Wer in Gedanken ist, läuft hier nämlich ganz schnell ins Schussfeld der Bubble-Ball-Spieler, die sich mit ihren aufblasbaren Ball-Uniformen gegenseitig umbubbeln. Bubble Ball ist nicht das einzige ungewöhnliche Spiel, das man hier spielen kann. Ein paar Meter weiter liefern sich die Jugger-Spieler eine eifrige Schlacht. Hier verhauen sich die Mannschaften gegenseitig mit gepolsterten Waffen, um den Läufer daran zu hindern, ein Spielzeug-Schweinchen ins Ziel zu befördern. Und auch Bunjee Run scheint es ziemlich in sich zu haben. Das Prinzip ähnelt Bunjee Jumping – nur, dass man nicht an einem Seil hüpft, sondern eine aufblasbare Strecke entlang rennt und irgendwann ruckartig zurückgezogen wird. Die Actionwiese trägt ihren Namen also zurecht!

Im Seehaus lernt man Verantwortung

Die Spiele „Jugger“ und „Bunjee Run“ werden vom Leonberger Seehaus organisiert, das beim Pfingstjugendtreffen für sein FSJ/BFD-Programm wirbt. Beim Seehaus handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der in den Bereichen Opferhilfe, Straffälligenhilfe und Prävention tätig ist. Hier bekommen inhaftierte Jugendliche die Möglichkeit, statt im Gefängnis, einen Strafvollzug in Freien Formen abzusitzen. „Wir wohnen zusammen mit drei Familien in Wohngemeinschaften“, erzählt der 17-jährige Leon. Dort lernen die Jugendlichen nicht nur, was ein gesundes Familienleben bedeutet, sondern bekommen auch die Möglichkeit, Ausbildungen anzufangen, die ihnen eine Basis für ihr Leben in Freiheit liefern. „Im Seehaus herrscht eine tiefe Gruppenkultur“, sagt der 21-jährige Jason. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Betreuern und können hinterher einen Neuanfang starten.“ Das Seehaus bietet straffälligen Jugendlichen also eine Perspektive, wohingegen der Gefängnisalltag von Gewalt und Unterdrückung geprägt ist. „Nach dem Gefängnis werden rund 70 Prozent der Inhaftierten wieder straffällig“, weiß Leon. „Im Seehaus sind es nur 2,5 Prozent.“

Begeisterung beim Tanzworkshop /Carsten Schwering

Wie man als Christ mit Jesus lebt

In den Festzelten herrscht ein reges Kommen und Gehen. Immer wieder treten hier verschiedene Akteure auf, die von ihrem Alltag als Christen erzählen. Mit dabei sind unter anderem die Miss Germany 2023, Kira Geiss, und Pat Kliever, der als Online-Community-Pastor in Zürich arbeitet. Mit Manuel Bühler ist außerdem ein ehemaliger Profifußballer vor Ort, der von seiner Karriere und seiner Verbindung zu Gott berichtet. Bei den Jugendlichen kommen die Themen gut an: Die Zelte sind jedes Mal rappelvoll.

„All in“ für und mit Gott /Carsten Schwering

Ein Ort der Begegnung

Trotz all der Angebote, ist nichts in Stein gemeißelt. Keiner wird gezwungen. Ob die Jugendlichen die Seminare und Workshops besuchen möchten, oder nicht, bleibt ihnen zu überlassen. Manchen reicht es auch einfach, zu essen und trinken, in Sitzsäcken zu entspannen und sich auszutauschen. So auch eine Gruppe Mädchen, die aus der Nähe von Reutlingen angereist sind, und vor allem das Zusammenkommen gleichaltriger Christen zu schätzen weiß. „Die Musik ist gut, man kann mit Freunden abhängen und mit anderen Leuten talken“, lobt die 14-jährige Daniela das Pfingstjugendtreffen. „Mir gefällt die Gemeinschaft hier“, ergänzt die 15-jährige Sarah.

Ein großes Glaubensfest

Pfingstjugendtreffen
 Seit mehr als 70 Jahren strömen jedes Jahr tausende junge Menschen an Pfingsten auf den Hummelberg. Neben dem obligatorischen Hefezopf gibt es Predigten, Musik, Workshops und viel Bewegung und Begegnung. Das Thema in diesem Jahr lautete „all in“ – „alles geben“.

Schwestern
 Organisiert wird das Treffen vom Diakonissenmutterhaus Aidlingen, eine evangelische Schwesternschaft. Daneben ist der Campus für Christus Deutschland/Schweiz Partner sowie viele Gruppen eines Träger- und Freundeskreises. 

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